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Demonstration gegen AfD

Dachau - Über 2500 Menschen aus der Stadt und dem Landkreis Dachau nahmen gestern Vormittag an einer Kundgebung am Ernst-Reuter-Platz in Dachau teil. Mit Ansprachen, Musik und einem Umzug setzten sie ein Zeichen für eine offene Gesellschaft und gegen nationalistisch motivierten Hass. Anlass war der Besuch der AfD-Bundestagsabgeordneten Beatrix von Storch im Adolf-Hölzel-Haus.

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Vertreter diverser weiterer Parteien waren unter den Demonstranten. Die Veranstaltung lief im Großen und Ganzen friedlich ab. Landrat Stefan Löwl (CSU) lobte die Teilnahme "einer breiten Öffentlichkeit".
Für gewöhnlich ist auf dem mit Klinkersteinen gepflasterten Platz unter mächtigen Platanen nicht viel los. Kinder spielen an einem Brunnen und im Brunnenwirt lassen sich die Dachauer ein Weißwurstfrühstück schmecken. Über 2500 Besucher auf einmal kommen selten dorthin. Gestern aber war die Masse weithin hörbar.
Das alte Partisanenlied "Bella Ciao" durchdrang die Wohnsiedlungen östlich der KZ-Gedenkstätte. Draußen wurden einzelne Funktionäre der "Alternative für Deutschland" nur von einigen Demonstranten beschimpft. Zwei von ihnen reckten ein Transparent mit der Aufschrift "Nationalismus ist keine Alternative" vor der Eingangstür in die Höhe.
Dort trafen sich gestern Mitglieder und Anhänger der AfD, um Beatrix von Storch und den Dachauer Landtagskandidaten Christoph Steier zu hören. Dass das gar nicht so leicht gewesen sei, erklärte Christoph Steier später im Gespräch mit unserer Zeitung. Beatrix von Storch entzog sich der Presse und den Demonstranten. Sie betrat und verließ das Adolf-Hölzel-Haus über die Hintertür.
Christoph Steier indes trat hinaus auf den Platz, wo einige Demonstranten ihn beleidigten. "Steier, verpiss dich" und ähnliche Äußerungen schallten über das Gelände. Weit weniger aggressiv ging es unter den zahlreichen friedlichen Demonstranten zu, die etwas abseits von Steier standen. Laut war es trotzdem. Dafür sorgten nicht nur die Trommelgruppe Münchner Ruhestörung und die Band Affentheater. Auch der Radiomoderator Matthias Matuschik machte lautstark deutlich: "Wer sich in diesen Zeiten nicht für Politik interessiert, dem ist nicht zu helfen." Hätte man ihm vor sechs Jahren gesagt, dass er eines Tages "gegen Rechts kämpfen und laut demonstrieren" müsste, hätte er es nicht geglaubt.
In der anstehenden Landtagswahl am 14. Oktober sieht er einen Schicksalstag. Gestern rief er über den Platz: "Das wird nicht der Tag der Rechten." Diese Wahlen sollten als "Tag der Aufrechten" in die "Geschichte Bayerns" eingehen. Seine Ansprache erntete Applaus, ebenso wie die der Regionalgeschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbunds Simone Burger und des Holocaust-Überlebenden Ernst Grube. Die Demonstration mit Kundgebung sollte friedlich ablaufen und ein deutliches Zeichen setzen.
Das sei gelungen, meint Stefan Löwl. Lediglich die diffamierenden Äußerungen gegenüber Christoph Steier halte er für unangebracht. "Emotional kann ich sie nachvollziehen", meinte er. Viel wichtiger sei es aber, friedlich für die Demokratie einzustehen. Vertreter aus "allen Spektren" der Gesellschaft hätten an der Kundgebung und einem Umzug durch den Stadtteil Dachau-Ost teilgenommen. Der wiederum steht mehr als jeder andere für ein "buntes Dachau", das der "Runde Tisch gegen Rassismus Dachau" gestern vehement proklamierte. Der Runde Tisch war der Hauptinitiator der Veranstaltung am Ernst-Reuter-Platz. Direkt daneben liegt der vor wenigen Tagen eingeweihte Fondi-Park, der die Städtepartnerschaft zwischen Dachau und der italienischen Stadt Fondi demonstrieren soll. Fondis Bürgermeister Salvatore De Meo hatte es seinerzeit begrüßt, den Park in einen derart "bunten" Stadtteil zu setzen.
Die Veranstaltung endete mit einem ökumenischen Friedensgebet, zu dem die Dachauer Kirchen eingeladen hatten. Sie sind zwar Mitglied im Runden Tisch gegen Rassismus, wollten den Gottesdienst aber nicht als Gegendemo, sondern als wahre Alternative abhalten.

Von Bastian Brummer
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Veröffentlicht am 09.09.2018 23:00 Uhr




 

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