Todtenweis    

Durach-Anliegern stinkt’s

Todtenweis – So etwas gibt es selten: Am Mittwochabend diskutierten im Todtenweiser Rathaus-Sitzungssaal nicht nur die Gemeinderäte miteinander, es ergriffen auch die geladenen Fachleute und sogar die Zuhörer das Wort – teilweise ungefragt. Die Gemüter erhitzten die Erweiterungspläne der Firma Durach, die auf ihrem Gelände in Sand unter anderem eine neue Logistik- und eine Sauerkrauthalle errichten will. Diese Pläne haben in der Bevölkerung offensichtlich wenig Freunde.

<p>Durach-Anliegern stinkt&rsquo;s </p>

Im Verlauf der Sitzung wurde klar, dass ein Gespräch mit den Bürgern, vor allem den Anwohnern in Sand, dringend nötig ist. Ein solches ist fest geplant; der Termin werde rechtzeitig bekanntgegeben, versprach Bürgermeister Thomas Riß. Auch die Fachleute, die am Mittwoch in der Gemeinderatssitzung die Pläne und ihre Gutachten vorstellten, sollen nach Möglichkeit anwesend sein, ebenso Carl Durach mit Vertretern aus der Geschäftsleitung. Der Firmeninhaber nutzte während der Sitzung die Gelegenheit, etwas los zu werden: „Wir wollen mit den Bürgern reden, wir wollen mit Ihnen an einem Tisch sitzen. Aber Sie müssen auch unsere Belange ein wenig verstehen. Es gibt viele Dinge zu regeln und es wird auch Kompromisse geben müssen“, richtete er das Wort an die etwa 25 Zuhörer der Gemeinderatssitzung und an das Gremium.

Die Firma Durach plant, auf ihrem Gelände in Sand einige Umstrukturierungen vorzunehmen. Unter anderem sollen eine neue Logistikhalle im Westen, eine Halle zur Herstellung von Sauerkrautkonserven im Norden und eine große Stellfläche für Fahrzeuge errichtet werden. Rundum ist eine Eingrünung des Geländes vorgesehen, die (fast überall) eine Breite von zehn Metern haben wird. Dies erläuterte Architekt Till Fischer vom Büro Eberhard von Angerer in München. Er schilderte auch, dass die Bebauung „verträglich“ sei. Die höchsten Gebäude dürfen laut Plan maximal zwölf Meter hoch werden. Riß betonte, dass jedes Gebäude später noch genehmigt werden müsse.

Da sich die Firma Durach in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Wohnhäusern in Sand befindet, wurden auch die Schall- und Geruchsemissionen unter die Lupe genommen. Um die Anwohner vor Lärm zu schützen, ist im Plan eine Lärmschutzwand zur Wohnbebauung hin eingezeichnet, zudem müsse die Firma strenge Auflagen befolgen, wie etwa, dass in der Nacht nur Elektrostapler fahren und bestimmte Tore nicht geöffnet werden dürfen. „Die Werte können eingehalten werden“, versprach Fischer. Es werde durch Verlagerung geruchsintensiver Produktionsstätten und die Installation von Absauganlagen lediglich eine „ortstypische Geruchsentwicklung“ geben, meinte er, und erntete dafür Applaus und höhnisches Lachen aus den Reihen der Zuhörer.

Doch es sind offenbar nicht nur der Geruch und der Geräuschpegel, die die Anlieger stören, auch die Zufahrt zum Werk bereitet ihnen Bauchschmerzen. Mirjana Kleinbach richtete sich direkt an Carl Durach: „Es wäre sehr wünschenswert, dass Ihre Mitarbeiter nicht über die Kapellenstraße fahren.“ Das müsse unbedingt geregelt werden.

Als Bürgermeister Riß zur Diskussion und Abstimmung über den Planentwurf übergehen wollte, griff Günter Ivenz ein: „Ich denke, wir können nur über die einzelnen Punkte abstimmen, eine Abstimmung über das komplette Paket wird nicht möglich sein.“ In der Tat zog sich die Abstimmung sehr in die Länge. Einige Gemeinderäte, besonders Ivenz, hatten zahlreiche Fragen und Einwände gegen den Planungsentwurf. Ivenz stimmte bei etlichen Punkten gegen den Plan.

Riß gelangte sichtlich an die Grenzen seiner Geduld. „Ich frage mich, warum wir Fachleute haben“, wetterte er gegen die Beanstandungen seines Ratskollegen. Auch dass die Zuhörer oft ungefragt das Wort ergriffen, machte ihn sauer. „Das ist hier eine Gemeinderatssitzung“, ermahnte er mit lauter Stimme.

Letztendlich geht der vorgelegte Bebauungsplan nun in die öffentliche Auslegung, es wird einen Infotermin für die Bevölkerung geben, anschließend wird noch einmal das Gemeindegremium diskutieren und erst nach einer zweiten Auslegung wird der Plan rechtskräftig werden.

Von Ines Speck



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Veröffentlicht am 22.04.2011 17:43 Uhr




 

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