Sielenbach    

Der Belgier sagt Vergelt's Gott

Sielenbach - "Mit einem lachenden und einem weinenden Auge", so beschreibt Pater Michael de Koninck, 46, seine sehr gemischten Gefühle bei seinem Abschied aus dem Pfarrverband Altomünster, Wollomoos, Sielenbach und Oberzeitlbach. Für ihn ging an diesem Sonntag ein Marathon der Verabschiedungen zu Ende.

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In jeder Gemeinde wurde er anders, aber immer gleich herzlich und emotional verabschiedet. In der Pfarrkirche St. Petrus in Sielenbach zelebrierte er die heilige Messe passenderweise zum Fest des Kirchenpatrons Petrus und Paulus. Bei dieser Gelegenheit sagte er von Herzen "seiner" Pfarrfamilie ein "Vergelt's Gott" und ein "Petri Dank" für "zehn Jahre, in denen ich mich vom ersten Moment an beheimatet, geschätzt und als Seelsorger aufgenommen gefühlt habe", so der belgische Geistliche des Deutschen Ordens. Er erinnert sich gerne an viele fröhliche Feste in dieser Zeit, aber auch an schwere Tage während dieses Jahrzehnts im Pfarrverband. Obwohl er bei seiner Ankunft für viele nicht unbedingt das typische Erscheinungsbild eines Pfarrers hatte, sondern eher unkonventionell in Bomberjacke und Springerstiefeln mit Tätowierungen und auffälliger Frisur auftrat, wurde er sofort herzlich empfangen, erinnert sich auch Josef Kirmeir, Leiter des Sielenbacher Kirchenchors.
Für Kirmeir war aber genau diese unkonventionelle Art ein Schlüssel für seinen Erfolg auch bei den jüngeren Gemeindemitgliedern. Der Chor verabschiedete sich gesanglich von Pater Michael mit Unterstützung der versammelten Gemeinde. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Michael Trinkl und Kirchenpfleger Peter Zehentbauer dankten dem scheidenden Geistlichen von Herzen für alles, was er in zehn Jahren für die Gemeinde getan hat.
Bürgermeister Martin Echter lobte ganz speziell sein Engagement für die Schulen und Schüler des Ortes, welche ihm immer besonders am Herzen lagen. Pater Michael selbst wünschte sich zum Schluss noch das gemeinsam gesungene Patrozinuslied als Erinnerung an Sielenbach. Auf die Zuschauer wirkte Pater Michael während des gesamten Abschieds äußerst nachdenklich und in sich gekehrt, aber durchaus in sich ruhend. Beim anschließenden Pfarrfest im Innenhof des Sielenbacher Pfarrheims tauschte der sportliche Pater die Sutane gegen die kurze Lederhose.
Die Versetzung aus Sielenbach in das oberbayerische Weyarn erfolgt auf eigenen Wunsch. Dennoch bleibt laut eigener Aussage die Ungewissheit, ob er im neuen Zuhause ebenso herzlich empfangen wird.
Die Fülle der entgegengebrachten Emotionen im Laufe seines Abschiedes hätten ihren Teil dazu beigetragen, dass ihm der Abschied nicht leicht fällt. Am vergangenen Samstag wurde Pater Michael in der Kirche in Altomünster von 124 aktuellen und ehemaligen Ministranten überrascht, die sich von ihm persönlich verabschieden wollten. Ein seltener Anblick, selbst für einen erfahrenen Geistlichen, und einer, den man nicht so schnell vergisst.

Von Alice Lauria Mehr dazu lesen Sie in der Ausgabe der AICHACHER ZEITUNG vom 4. Juli 2018.


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Veröffentlicht am 03.07.2018 23:00 Uhr




 

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