Sielenbach    

Sie stehen, sie drehen und der Segen kommt von ganz oben

Sielenbach - Windräder sind beeindruckende Bauwerke. Doch es ist offenbar nicht die Technik, die die größte Herausforderung darstellt. Politik, Bürokratie, Hysterie und geschürte Ängste kosteten die Energiebauern und ihre Mitarbeiter mehr Arbeit und Nerven als der eigentliche Bau. "Ich war froh, als endlich der erste Bagger rollte", sagte Florian Bichler am Freitag bei der Einweihungsfeier - und fast war ihm die Erleichterung immer noch anzumerken.

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300 Gäste hatten die Energiebauern-Geschäftsführer Sepp, Martin und Florian Bichler zum Windrad Sielenbach 2 am Freitagnachmittag eingeladen, um den Abschluss des Projekts, "einer Erfolgsgeschichte für den Landkreis", so Landrat Dr. Klaus Metzger, zu feiern.
2011 gab es die ersten Überlegungen, der Impuls kam damals von der Gemeinde Dasing. Dazwischen lagen unzählige Planungsgespräche, Gutachten, Gemeinderatssitzungen, Bürgerversammlungen und Vorwürfe, Vorurteile und verbale Attacken der Gegner. Denn die heiße Vorbereitungsphase fiel mitten in den Kommunalwahlkampf 2014, und mancher Politiker sah eine Chance, sich selbst zu profilieren und den Gegner zu desavouieren. "Es wurden Ängste geschürt, die Stimmung wurde aufgeheizt", erinnert sich Florian Bichler.
Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann gab zu, dass er eine so hohe "emotionale Fieberkurve" in 20 Jahren als Bürgermeister selten erlebt habe, Landrat Metzger hielt es weiterhin für eine Aufgabe, zu zeigen, "dass das kein Teufelszeug oder gesundheitsgefährdend ist", und zwischendurch mussten Energiebauern und Landratsamt auch noch 90 Aktenordner Genehmigungsunterlagen verarbeiten - was, wie man sich gegenseitig versicherte - , "völlig konfliktfrei" (Metzger) ablief.
Nun aber konnte Wolf-Dietrich Graf von Hundt, Administrator der Fugger'schen Stiftungen, knapp und zufrieden feststellen: "Sie stehen, sie drehen" und merkte als Seitenhieb auf die wild wuchernden Theorien der Windkraftgegner an: "Die Milch dreht sich nach wie vor richtig herum, und die Wildschweine sind nicht homosexuell geworden."
Einer konnte die Aufregung um die sechs Windräder schon all die Jahre nicht recht verstehen, und seine Bürgermeisterkollegen werden ihn manches Mal beneidet haben: Sielenbachs Gemeindechef Martin Echter. Er erinnert gern daran, dass es im "Sonnendorf" gegen die Windräder keinen einzigen Einspruch von Bürgerseite gegeben habe. Darauf sei er sehr stolz. Von erstaunten Lkw-Fahrern berichtete Florian Bichler. Als die in der Nacht mit den ersten Windradflügeln durch Sielenbach kamen, wurden sie von der Blaskapelle begrüßt - woanders werden sie meist von protestierenden Bürgern empfangen. Die Blaskapelle gestaltete auch den Festakt, um dann - in Windeseile - nach Aichach zu fahren, wo die Musiker zum Auftakt des Volksfestes spielten. AUSFÜHRLICHER BERICHT IN DER AICHACHER ZEITUNG. .

Von Dr. Berndt Herrmann und Franz Hofner
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Veröffentlicht am 06.11.2016 22:00 Uhr




 

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