Schiltberg    

"Man muss dafür kämpfen": Gundertshausener wehren sich

Schiltberg - Fast 30 Zuhörer, das kommt in Schiltberg selten vor, verfolgten am Donnerstag die Sitzung des Gemeinderats. Überwiegend kamen die Gäste aus dem Ortsteil Gundertshausen. Der Grund: Die Straßenbaufirma Schwaiger GmbH aus Altomünster beantragte einen Trockenabbau von Sand und Kies mit Wiederbefüllung und Rekultivierung auf einer Teilfläche eines Grundstücks der Gemarkung Aufhausen. Der Antrag löste eine ausgiebige Diskussion aus.


Denn mit dem Bauantrag können sich die meisten Gundertshausener nicht anfreunden. Denn die Kiesgrube würde sich dann in der Nähe des Ortes zwischen Bergen und Aufhausen befinden. 25 von 29 Haushalten aus Gundertshausen haben sich im Rahmen einer Unterschriftenaktion gegen die Genehmigung der Kiesgrube ausgesprochen. Gemeinderat Erwin Zandtner legte dem Rat schon im Vorfeld schriftlich die Bedenken der Ortsteilbürger vor.
Die Kiesgrube im Außenbereich ist zwar privilegiert, aber die Gundertshausener sind der Ansicht, dass öffentliche Belange im Sinne des Baugesetzbuches dieser Privilegierung entgegenstehen. Sie sind der Auffassung, dass als öffentliche Belange in diesem Fall schädliche Umwelteinwirkungen und eine Beeinträchtigung der "natürlichen Eigenart der Landschaft" gelten. Eine Beeinträchtigung liegt vor allem vor, wenn das Bauvorhaben "unwirtschaftliche Aufwendungen für Straßen, Sicherheit und Gesundheit" erfordert, so die Antragsgegner. Nach Angabe der Gundertshausener durchfahren den Ortsteil südlich von Schiltberg pro Tag durchschnittlich 800 Fahrzeuge, davon viele Schwerlastfahrzeuge. Durch das Bauvorhaben rechnen sie bei einem jährlichen Abbau von bis zu 50 000 Kubikmetern mit weiteren 75 bis 100 Lastwagen pro Arbeitstag.
Insgesamt soll die verwertbare Abbaumenge eine Million Kubikmeter betragen. Aufgrund der engen Ortsdurchfahrt (Kreisstraße) würde nach ihrer Meinung ein zusätzliches Sicherheitsrisiko für die Anwohner - vor allem für Kinder - entstehen. Die Straßen und der Kanal werden in Mitleidenschaft gezogen. Die Gundertshausener rechnen damit, dass bis zur Rekultivierung 35 Jahre vergehen. Unter anderem ist ihnen auch die "Abholzung von mindestens 6,4 Hektar Wald" ein Dorn im Auge.
Bevor es zu einer längeren Diskussion kam, stellte Bürgermeister Josef Schreier unmissverständlich klar, dass "das Landratsamt über die Genehmigung entscheidet. Ein gemeindliches Einvernehmen ist abhängig von der Entscheidung des Landratsamtes", so der Gemeindechef. Er sprach auch explizit das Thema "Schadenersatz" an, das im Laufe der sachlich geführten Debatte immer wieder aufkam. "Die Gemeinde nimmt den Antrag sehr ernst", sagte Schreier.
"Wir sind gegen die Grube. Und wir fühlen uns im Stich gelassen", lautete die erste Wortmeldung des Gundertshausener Erwin Zandtner.
Dritter Bürgermeister Fabian Streit entgegnete: "Es ist eine schwierige Situation. Das Vorhaben ist privilegiert. Wir können nicht aus." Erwin Zandtner sah das anders: "Es gibt Punkte, die gegen eine Privilegierung sprechen." Auch Zweiter Bürgermeister Peter Kellerer schaltete sich ein: "Jeder benötigt Kies. Ich kann nicht hundertprozentig dagegen sein, solange die Betriebszeiten eingehalten werden."
Michael Schmidberger ließ ebenso wie Sandra Schmid keine Zweifel aufkommen, wie seine Entscheidung aussieht: "Ich spreche mich gegen den Bauantrag aus. Die Entscheidung der Gemeinde muss vom Landratsamt gewichtet werden."
Erwin Zandtner konnte nicht locker lassen und meinte: "Man muss dafür kämpfen." Für Alois Rieblinger galt dennoch: "Ich stimme für den Antrag."
Xaver Breitsameter gab zu verstehen, dass sich "der Rat rechtlich auf dünnem Eis bewegt". Breitsameter ergänzte: "Ich tue mich schwer. Aber es gibt nur schwarz oder weiß."
Für Gertraud Neuberger war das Ganze "maßlos übertrieben", was Erwin Zandtner in seinem Papier an den Rat verfasste. Dieser entgegnete allerdings, dass alle nötigen Zahlen aus dem Bauantrag entnommen wurden.
Bürgermeister Josef Schreier gab vor der Abstimmung noch einmal zu verstehen, dass die Gemeinde nicht willkürlich entscheiden kann. "Das Bundesbaugesetz ist zu beachten." Die mit Vorbehalten versehene Beschlussvorlage sah vor, dass der Rat zur Kenntnis nimmt, dass das Bauvorhaben der Baugenehmigungspflicht unterliegt und die baurechtliche Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens im Landratsamt Aichach-Friedberg im Zusammenwirken aller betroffenen Fachabteilungen liegt.
Das gemeindliche Einvernehmen nach dem Baugesetzbuch gilt nur unter der Voraussetzung als erteilt, wenn die Privilegierung des Vorhabens gegeben ist.
Zudem muss die baurechtliche Prüfung ergeben, dass das Vorhaben in allen einschlägigen Rechtsgebieten uneingeschränkt genehmigungsfähig ist.
Die Kosten für einen hierfür nötigen Aus- und Rückbau der gemeindlichen Feld- und Waldwege hat der Antragsteller zu übernehmen.
Sechs Räte stimmten für das gemeindliche Einvernehmen unter den genannten Vorbehalten; Sandra Schmid, Michael Schmidberger, Kaspar Wörle sowie Erwin Zandtner waren dagegen. Drei Räte waren an diesem Abend verhindert.
Weiterer Bericht von der Sitzung folgt in der Montagsausgabe. Anwohner befürchten mehr Lastwagen

Von Xaver Ostermayr


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Veröffentlicht am 02.11.2018 22:00 Uhr




 

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