Schiltberg    

Vogelfreie Fallensteller

Schiltberg - "Ich liebe Fallen", macht Robin Hood deutlich. Am liebsten stellt er sie selbst, wie jeder weiß, und das nicht erst seit der Premiere des gleichnamigen Stücks am Hofberg aus der Feder von Afra und Hans Kriss, das am Freitag uraufgeführt wurde. Rund 1000 Premierengäste, darunter auch Schiltbergs Bürgermeister Josef Schreier, Aichachs Stadtoberhaupt Klaus Habermann und Landrat Klaus Metzger sowie viele Theatergruppen und -vereine, hatten bei noch nicht allzu sommerlichen Abendtemperaturen am Hofberg rund zwei Stunden dem Treiben im Sherwood Forest zugesehen. Ganz im Sinne von Robin Hood werden heuer Spenden für die Aichacher Tafel gesammelt, ein Euro pro Ticket fürs Premieren-Wochenende gingen an die Einrichtung.


Ein Jahr lang haben sich Afra und Hans Kriss "fast alles an Literatur zu und über Robin Hood" zu Gemüte geführt, wie sie im diesjährigen Programmheft erklären. Der Ausgangspunkt für ihren ganz eigenen Text über den "naiven Sozialromantiker", wie ihn Lady Samantha (die Frau des Sheriffs, gespielt von Veronika Rieblinger) abschätzig nennt, bildeten fünf Balladen aus den Jahren 1450 bis 1770. Dem Regie-Ehepaar ging es vor allem um zwei Dinge. Was den Text betrifft: "Unser Robin Hood ist als eine große Ensemble-Leistung angelegt, alle miteinander haben eine Idee von Leben und Gerechtigkeit". Und was das Geschehen auf der Bühne angeht: Es darf dem Zuschauer nicht langweilig werden. Das betonten die beiden bereits vor drei Jahren, als Hans Kriss "Die lustigen Weiber von Windsor" nach Schiltberg auf die Bühne brachte.
Es gelingt dem - diesmal rund 85 Mitglieder auf und vielen weiteren hinter der Bühne starkem - Ensemble damals wie heute, das Publikum zu überzeugen. Die große Bühne des Hofbergs, die zu diesem Zweck um die "Grüne Eiche", dem Quartier der Bande aus Vogelfreien um Robin Hood, ergänzt wurde, wird voll ausgenutzt und darauf einiges geboten, und das von Anfang an: Da übt links der Chor, rechts verkauft der verkleidete Robin Hood Wein und in der Mitte wird alles für die bevorstehende Hinrichtung vorbereitet.
Die fällt allerdings ins Wasser, denn Robin Hood, die Müllerstochter Marian und die anderen Vogelfreien verhindern das Prozedere und haben auch nicht vor, selbst am Galgen Platz zu nehmen: "Wir können Ihre Einladung nicht annehmen, wir brauchen unsere Köpfe noch", erklärt Herrmann Finger junior in der Rolle des Robin Hood, ergänzt allerdings, dass der Sheriff - gespielt von Tobias Wenhardt - beweise, dass es sich wohl auch kopflos gut lebe.
Es sind die Seitenhiebe, kleinen Nuancen und Pointen und die während des gesamten Stücks unterschwellige Ironie, die im Handeln der Vogelfreien beim Zuschauer ankommt, die die Inszenierung so gelungen machen. Das Leben im Wald ist hart, außerhalb noch viel mehr, und doch wecken die am Hofberg inszenierten Bilder und Dialoge Kindheitserinnerungen im Betrachter: ans Klettern und Toben, Streichespielen und an gefühlte Freiheit. "Wir haben keinen Keller und in der Hölle werden wir auch nichts zu lachen haben. Deswegen lachen wir lieber hier auf der Erde", erklärt Robin Hood die Motivation für diese Unbeschwertheit, die durch das hohe Maß an Leistung der Darsteller direkt beim Zuschauer ankommt.

Von Nayra Weber Mehr darüber lesen Sie in der Ausgabe der AICHACHER ZEITUNG vom 18. Juni 2018.


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Veröffentlicht am 07.10.2018 23:00 Uhr




 

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