Schiltberg    

Schiltberg ohne Silo

Schiltberg - In Schiltberg geht gerade ein Kapitel Raiffeisengeschichte zu Ende. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude an der Straße nach Rapperzell werden abgebrochen, auf dem Gelände sind Neubauten geplant.

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Die Einweihung des später erweiterten Lagerhauses war im Frühjahr 1957 unter dem neuen Vorstand Hans Lutterschmid ein großes Ereignis gewesen. Jetzt war die Raiffeisenkasse - so lautete die offizielle Bezeichnung bis 1971 - nicht mehr Untermieter in Stube und Stadel des Rechners (Geschäftsführers), sie besaß nun ein eigenes großes Gebäude. Links vom Haupteingang betrat man den Kassenraum, rechts blickte man in die weiträumigen Lagerabteilungen für den landwirtschaftlichen Güterbedarf. Zu dieser Zeit sagten die Eltern der heutigen Senioren noch: "Ich fahre zum Verein hinaus, ich muss Kunstdünger holen."
1964 berieten die Genossenschaftler den Bau eines Silos mit Trocknungsanlage für die Getreideannahme, das Planungsvolumen betrug 210 000 Mark. Fertiggestellt war der Neubau in genau zwei Jahren. Die Einweihung des Getreidesilos, neben dem Kirchturm das höchste Gebäude in Schiltberg, erfolgte am 15. Mai 1964. Mitte der 1970er Jahre kam an der Nordseite des Grundstücks als letzte Erweiterung die Lagerhalle für den losen Düngerbezug hinzu. Für die Bankgeschäfte war bereits 1971 in der Ortsmitte ein neues Gebäude erstellt worden. Die lange Geschichte des 1904 als Darlehenskassenverein gegründeten Geldinstituts betrifft viele Bürger Schiltbergs und der Nachbarorte.
Fast auf den Tag genau 54 Jahre nach der Hochsilo-Einweihung und 61 Jahre nach der feierlichen Eröffnung des Lagerhauses begann jetzt in den Tagen vor Pfingsten der Abbruch der Raiffeisengebäude an der Straße nach Rapperzell. Sie standen bereits ein paar Jahre leer. Die letzte Verschmelzung zur heutigen Raiffeisenbank Aresing-Gerolsbach eG mit Geschäftsstellen in Schiltberg, Hörzhausen und Junkenhofen hatte im Juni 2010 stattgefunden. Zu Jahresbeginn 2015 besiegelte die neue Unternehmensleitung eine Kooperation im landwirtschaftlichen Warengeschäft mit dem VR-Agrar-Center Wittelsbacher Land (Hauptstandort Wollomoos). Somit war in Schiltberg der Gebäudebestand an der Rapperzeller Straße überflüssig.
Per Zeitungsinserat wurde Ende Mai 2016 das rund 2580 Quadratmeter große und nun vakante Raiffeisengrundstück zum Verkauf angeboten. Neuer Besitzer der Immobilie wurde die Ettengruber GmbH Dachau. Sie ist hierzulande seit über einem Jahrzehnt als Betreiber der Kiesgrube zwischen Höfarten und Allenberg aktiv. Am 4. Mai 2017 stand die Bauvoranfrage des neuen Eigentümers zur Errichtung von Wohn- und Bürogebäuden auf der Tagesordnung des Gemeinderates. Das gemeindliche Einvernehmen wurde einstimmig erteilt.

Von Michael Schmidberger
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Veröffentlicht am 13.09.2018 23:00 Uhr




 

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