Pöttmes    

Seit der ersten Stunde dabei: Loquai bei Spielwarenmesse

Pöttmes - Andreas Loquai aus Pöttmes war bei der 70. internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg. Dort gehört er fast schon zum Inventar. Als 14-Jähriger war er schon bei der Premiere dabei, seither hat er kein Jahr ausgesetzt.

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Eine bleibende Erinnerung hat Andreas Loquai an die erste Spielwarenmesse in Nürnberg (zuvor war Leipzig Veranstaltungsort). 14 Tage vor seinem 15. Geburtstag, als Lehrling im ersten Ausbildungsjahr, baute er mit seinem Vater die Muster auf einem nur ein mal ein Meter großen Tisch auf. Die Ausstellungsstücke waren zuvor quasi in einer Nacht-und-Nebel-Aktion neu entstanden, nachdem ein Brand nur einen Monat vor dem Termin fast den gesamten Betrieb und alle Muster zerstört hatte.
In den Baracken des ehemaligen Arbeitsdienstes herrschte eine familiäre Atmosphäre und heute noch bestehen Kontakte zu Kunden, Lieferanten und Kollegen, die im März 1950 geknüpft wurden. Freilich hat sich in der Zwischenzeit einiges verändert: Die Zahl der Aussteller ist von seinerzeit 351 auf 2886 aus 68 Ländern angewachsen und von den "Urvätern" sind lediglich noch 20 Betriebe vertreten.
Auch wenn inzwischen 70 Prozent der Weltproduktion und 80 Prozent der in Deutschland verkauften Spielwaren aus China stammen, gilt Nürnberg nach wie vor als Leitmesse der Branche und absolutes Muss für das Fachpublikum.
Das Pöttmeser Unternehmen wird mittlerweile in dritter Generation von Horst und Arwed Loquai geführt und bezeichnet sich mit drei Standbeinen als stabil aufgestellt. Neben Holzspielwaren, hier vor allem Spiele in Streichholzschachteln (Matchboxes), gehören Verpackungen und Sonderartikel zum Portfolio. 38 Prozent der Produktion gehen ins Ausland. Waren die USA in den 70er Jahren Hauptabnehmer, so sind dies heute Frankreich und Japan. Für langjährige Teilnahme würdigten die Messeorganisatoren mehrere Aussteller in einem Festakt, der mit einer emotionalen und von Standing Ovations begleiteten Rede von Andreas Loquai endete.
Die abwechslungsreiche Firmengeschichte bezeichnet Andreas Loquai als "kein Spaziergang". 1934 machte sich sein Vater Rudolf Arwed Loquai im sächsischen Augustusburg selbstständig und schon zwei Jahre später erfolgte aufgrund der großen Nachfrage der Einstieg in den Versandhandel, ehe mit dem Krieg 1943 das Aus kam.
Schon 1946 gelang jedoch in Velburg/Oberpfalz mit vom Schrott geholten Maschinen ein Neuanfang und über die Stationen Bad Bergzabern und Inchenhofen führte der Weg 1958 nach Pöttmes. Hier produziert man mit selbst entwickelten Maschinen (gearbeitet wird im Toleranzbereich von drei Zehntel Millimeter) und 15 meist in Teilzeit oder Heimarbeit Beschäftigten die verschiedensten Produkte.
Unter anderem sind nun auch Europaletten im Miniformat im Sortiment. Die Idee dazu hatte Horsts Gattin Manuela, und wie im richtigen Leben kann man aus diesen Paletten auch (Spiel-)Möbel bauen.
Selbstverständlich darf im Angebot eine Krippe nicht fehlen. Diese lehnt sich an das große Hobby der Familie an und lässt die drei Heiligen Könige mit dem Heißluftballon anreisen. Firmengeschichte war "kein Spaziergang"

Von Wilhelm Wagner
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Veröffentlicht am 11.02.2019 23:00 Uhr




 

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