Petersdorf    

Forderungen aus Shanghai

Petersdorf – Die Petersdorfer Firma Rich Solar GmbH musste vor einigen Tagen Insolvenz anmelden. Wie Firmenchef Jürgen Kügle gegenüber der AICHACHER ZEITUNG erklärte, hätten ausschließlich Probleme mit seinem chinesischen Lieferanten zum Aus der Firma geführt.

Seit mehreren Jahren fungiert Kügles Unternehmen als Zwischenhändler für hochwertige chinesische Solarmodule. „Wir hatten da auch wirklich viel Vertrauen aufgebaut“, berichtet er. Mehrmals sei man vor Ort gewesen, habe gute Gespräche mit den Verantwortlichen des chinesischen Lieferanten, der bei Shanghai seine Zentrale hat, geführt. „Aber vor kurzem ist ein neuer Anteilseigner aufgetaucht und hat einen neuen Finanzchef eingesetzt“, berichtet Kügle – damit begannen die Probleme.

Die Geschäftsleitung in Shanghai behauptete plötzlich, durch Kügles verspätete Zahlungen und den schwankenden Euro sei dem Unternehmen ein „Währungsverlust“ von 600 000 Euro entstanden, diesen solle Kügle ausgleichen. Mindestens 300 000 Euro müsse er deshalb sofort bezahlen. Um entsprechend Druck aufzubauen, wurden drei von Kügle bereits bezahlte Container mit Modulen einfach nicht ausgeliefert – 500 000 Euro fehlten damit in dessen Kasse. „Ich habe mich dann mit Rechtsanwälten beraten und die haben mir davon abgeraten, dem guten Geld noch mehr Geld hinterher zu schmeißen, es würde sowieso nichts bewirken.“

Die geforderten 300 000 Euro jedoch wollte er ebenfalls nicht bezahlen, weil es zum einen keinerlei Garantie dafür gegeben habe, ob die Lieferungen dann wieder aufgenommen worden wären und zudem, weil er sich keiner Schuld bewusst war. „Ich hatte eine klare Vereinbarung, dass die Ware erst bezahlt wird, wenn die Container in Hamburg eingetroffen und die Papiere in Ordnung sind. Alles andere war mir immer zu riskant.“

Zudem bezweifelte er ganz massiv den angegebenen „Währungsverlust“ von 600 000 Euro. „Ich hatte in den Jahren einen Gesamtumsatz von zehn Millionen. Und so stark waren die Euroschwankungen wirklich nicht, als dass da so eine Summe hätte rauskommen können. Das war nur vorgeschoben.“

Letztlich habe er sich aus Vernunftgründen für den Insolvenzantrag entschieden, denn außer einer freiberuflichen Mitarbeiterin, die er in einem anderen Firmensegment weiter beschäftigen werde, sei in seinem „Ein-Mann-Betrieb“ niemand betroffen, und ob das Geschäft jemals wieder in Gang gekommen wäre, sei ohnehin zu bezweifeln. „Der Solarbranche geht es in Deutschland sowieso nicht so gut momentan und die Chinesen sind anscheinend drauf gekommen, dass sie ihre Module in Italien derzeit viel teurer verkaufen können. Deshalb haben sie das mit mir wohl abgezogen.“ Machen könne er dagegen nichts: Seine Briefe ins Wirtschaftsministerium und ins Amt für Außenwirtschaft blieben bis heute unbeantwortet.

Von Pat Lauer



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Veröffentlicht am 04.04.2011 17:22 Uhr




 

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