Petersdorf    

Angespannte Stimmung

Petersdorf – Die Telefone laufen heiß, Flugblätter im Briefkasten sind in diesen Tagen in Petersdorf keine Seltenheit. Heute Abend entscheidet der Gemeinderat in einer außerordentlichen Sitzung über seine Stellungnahme zur Zukunft der beiden Schulen in Alsmoos und Willprechtszell. Die Sitzung um 19.30 Uhr wurde vorsorglich bereits ins Sportheim verlegt, um dem erwarteten Besucheransturm gewachsen zu sein, so Bürgermeister Johann Settele. Das Thema lässt niemandem im Ort kalt und es deutet sich an, dass es dazu angetan ist, einen Keil zwischen die „unteren“ (Alsmoos und Petersdorf) und die „oberen“ (Axtbrunn, Hohenried, Schönleiten und Willprechtszell) Ortsteile zu treiben.

 

Gestern übergab die Interessengemeinschaft Pro Willprechtszell 689 Unterschriften an Bürgermeister Settele. Hauptsächlich in Axtbrunn, Willprechtszell (zusammen 238), Schönleiten (67) und Hohenried (75) wurden sie innerhalb von drei Tagen gesammelt. Aber auch im Edenhausener Tal (180) sowie in Stuben, Ebenried und Osterzhausen (115) gibt es offenbar viele, die sich für nur noch eine Schule im Gemeindegebiet und gleichzeitig für den Erhalt der Willprechtszeller Schule aussprechen.

Bürgermeister Johann Settele war von der Zahl der Unterschriften durchaus überrascht, wollte sie aber nicht weiter kommentieren: „Wir werden im Gemeinderat hoffentlich eine weise Entscheidung treffen“, so das Gemeindeoberhaupt.

Die Unterschriften will die IG Willprechtszell noch heute auch an die Regierung von Schwaben übergeben. Die IG Willprechtszell fürchtet bekanntlich für den Fall des vorläufigen Erhalts beider Schulen, wie dies die Regierung von Schwaben in einem Entwurf vorgeschlagen hatte, dass am Ende beiden Schulen die Kinder ausgehen könnten. „Wir wünschen uns sechs Klassen in Willprechtszell“, erklärt Stefan Seidl, der mit seinen Mitstreitern vor allem darauf verweist, dass die aktuellen Geburtenzahlen darauf hindeuteten, dass in Willprechtszell in absehbarer Zeit zu wenig Schüler vorhanden wären und dies, obwohl die dortige Schule neuer, größer und besser ausgestattet sei, als die in Alsmoos. Zudem deutete er an, dass aus den Aindlinger Ortsteilen im Edenhausener Tal Kinder aus Willprechtszell abgezogen würden, wenn es dort zur Bildung jahrgangsgemischter Klassen käme. Entsprechende Absichtserklärungen lägen ihm vor. Ähnliches habe er auch von Gundelsdorfer Eltern gehört. Weil man Angst vor einer „Schlammschlacht“ bei der heutigen Gemeinderatssitzung habe, hatte die Willprechtszeller IG die Idee, die Gemeinderäte sollten sich vorher nochmals zusammen mit einem Mediator mit dem Thema Schule auseinanderzusetzen. Aus der kurzfristig eingefädelten Gesprächsrunde wurde allerdings nichts mehr.

Unterdessen meldete sich auch die Interessengemeinschaft zum Erhalt der Grundschule Alsmoos zu Wort und erinnerte den Gemeinderat in einem Flugblatt an seine Entscheidung vom Oktober, alle schulorganisatorischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um beide Schulen zu erhalten. Die Regierung habe „die Hand ausgestreckt“ – nun gelte es, diese Möglichkeit zu nutzen.

Die Stimmung in der Gemeinde Petersdorf ist extrem angespannt. Dies dürfte sich bis zur endgültigen Entscheidung der Regierung auch nicht mehr ändern.

Von Pat Lauer und Verena Golling



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Veröffentlicht am 20.03.2011 19:44 Uhr




 

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