Petersdorf    

Eltern gegen Eltern

Petersdorf – Wer geglaubt oder gehofft hatte, der Schulstreit in Petersdorf sei mit dem Vorschlag der Regierung von Schwaben, vorerst beide Schulen im Gemeindegebiet zu belassen, ausgestanden, sieht sich nun getäuscht. In den oberen Ortsteilen Schönleiten, Hohenried, Axtbrunn und Willprechtszell hat sich nun eine Interessensgemeinschaft namens „Pro Willprechtszell“ gegründet. Ihr Ziel: Eine Schule für alle Petersdorfer Kinder. Ihr Gegner: Die Interessensgemeinschaft, die sich für die Alsmooser Schule engagiert.

<p>Eltern gegen Eltern </p>

Stefan Seidl aus Schönleiten, Eva Wernetshammer aus Willprechtszell, Helmut Huber aus Axtbrunn und Martina Scheel aus Hohenried haben eine Pressemitteilung unterschrieben, die unter der Dachzeile „Wir sind entsetzt“ schwere Vorwürfe gegen die IG zum Erhalt der Alsmooser Grundschule erhebt. Diese zeige deutlich, „dass sie keinerlei Interesse am Erhalt der Willprechtszeller Schule hat. Im Gegenteil“. Die Alsmooser IG habe der Regierung sogar vorgeschlagen, die Sprengeländerung mit den Kindern aus dem Edenhausener Tal durchzuziehen, was die Schließung der Willprechtszeller Schule bedeutet hätte. Zudem lägen der Willprechtszeller Interessengemeinschaft Informationen vor, wonach die Alsmooser Gruppe ein Bürgerbegehren geplant habe, in dem der Erhalt der Alsmooser Schule und die Schließung der Willprechtszeller Einrichtung betrieben werden sollte. Dieses sei zwar nie auf den Weg gebracht worden, dennoch, so Stefan Seidl, zeige allein der Entwurf, wie wenig der Alsmooser Initiative tatsächlich am Erhalt beider Schulen liege. „Wir warnen: Die BI Alsmoos wird in fünf Jahren garantiert versuchen – dann vielleicht mit der Rückendeckung eines Bürgermeisters aus Alsmoos – die Schule in Willprechtszell zu schließen.“

Der Regierung von Schwaben werfen die Willprechtszeller in diesem Zusammenhang vor, dem Druck der Alsmooser Initiative ohne Not nachgegeben zu haben. Der nun präsentierte Lösungsvorschlag gehe zu Lasten der Willprechtszeller Schule und sei eine unnötige Verschwendung öffentlicher Mittel. Man wünsche ausdrücklich die gemeinsame Beschulung der Kinder aus dem gesamten Gemeindebereich in Willprechtszell – Pöttmeser und Aindlinger Kinder aus Gundelsdorf und dem Edenhausener Tal seien dabei natürlich eingeschlossen.

Die Willprechtszeller Initiative behauptet zudem, durch den Beschluss „zwei Schulen statt einer starken Schule“ würden beide Schulen „vom Status her verschlechtert“. Alsmoos verliere Kinder, Willprechtszell werde ab sofort nur noch von Kombiklassen getragen. In der dritten und vierten Jahrgangsstufe jedoch lehnten dies die Eltern der oberen Ortsteile strikt ab – es gebe Indizien, dass Eltern aus dem Edenhausener Tal ihre Kinder dann abziehen würden. Es sei nicht hinnehmbar, dass es in den sieben gut ausgestatteten Klassenräumen der Willprechtszeller Schule zukünftig nur noch zwei Kombiklassen gebe, damit mutiere die Schule zum „Geisterhaus“. Das Fazit: „Obwohl es für viele schmerzhaft ist: Die sofortige Schließung der Schule in Alsmoos ist unumgänglich.“

Für Bürgermeister Johann Settele kam die Gründung der neuen Initiative unerwartet. „Natürlich kann ich auch deren Argumente sehr gut verstehen“, erklärte er, doch „letztlich muss ich wieder darauf verweisen, dass die Regierung die Entscheidung trifft. Im Anhörungsverfahren haben alle die Chance, ihr Anliegen zu vertreten.“

Den Vorwurf, es liege seiner Gruppe nichts am Erhalt der Willprechtszeller Schule, weist der Alsmooser Thomas Schaffelhofer Reinthaler energisch zurück: „Sofort nach der mündlichen Zusage für den möglichen Erhalt der Grundschule Alsmoos haben wir den Elternbeirat in Willprechtszell informiert und offen diskutiert. Wir wollen, dass alle ihre Schule behalten können. Aber wieso wird von uns erwartet, dass wir unsere Schule schließen und unsere Kinder nach Willprechtszell schicken?“ Ob man in einigen Jahren neu entscheiden muss, wollte Reinthaler Schaffelhofer nicht beurteilen: „Unsere Geburtenstatistik gibt es nicht her, weiter zu planen und das konnte auch die Regierung nicht.“ Im Übrigen hoffe er, dass man Kombiklassen nicht von vornherein ablehne, sondern deren bisherigen Resultate betrachte. Es sei nicht sinnvoll, bei diesem Thema ausschließlich Ängste zu schüren.

Von Pat Lauer



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Veröffentlicht am 15.03.2011 16:59 Uhr




 

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