Petersdorf    

Über den Schatten?

Petersdorf – Gibt es für die Alsmooser Schule noch eine Zukunft? Die Antwort könnte ein vorsichtiges „Ja“ sein, wobei man allerdings getrost davon ausgehen darf, dass diese Zukunft zeitlich sehr begrenzt sein wird. Gesicherte Fakten gibt es momentan noch nicht, denn das offizielle Anhörungsverfahren beginnt erst.

Am Donnerstag empfing Regierungsdirektor Ernst Huber die Bürgermeister Johann Settele (Petersdorf), Franz Schindele (Pöttmes), Thomas Riß (Todtenweis) und Tomas Zinnecker (Aindling) sowie einen Vertreter des Staatlichen Schulamtes und zwei Mitglieder der Interessensgemeinschaft, die sich für den Erhalt der Alsmooser Grundschule einsetzt. Das Ergebnis des mehrstündigen Meinungsaustauschs? Ist unbekannt, denn die Regierung hat alle Beteiligten zum Stillschweigen aufgefordert. Spekulieren lässt sich dennoch trefflich.

Ende März oder Anfang April soll die Entscheidung verkündet werden, ob die Regierung der Änderung des Schulsprengels zustimmen wird. Bedenkt man, dass das neue Schuljahr bereits im September los geht, bleibt für die Umstellung nicht mehr allzu viel Zeit. Die Kinder aus Hausen, Weichenberg und Neßlach, die bisher nach Alsmoos gingen, würden dann sofort nach Aindling verfrachtet – ungeachtet des Elternwillens. Pädagogisch ist dies nicht unbedingt sinnvoll, denn für die Kinder ist es sicherlich besser, ihre Grundschulzeit in ein und derselben Einrichtung verbringen zu dürfen.

Denkbar wäre es also, dass diejenigen Schüler aus den drei genannten Ortschaften sowie aus Gundelsdorf, die bisher bereits in Alsmoos zur Schule gehen, dort bis zum jeweiligen Ende ihrer Grundschulzeit verbleiben dürfen. Neue erste Klassen allerdings würde es dort nicht mehr geben – der Tod der Alsmooser Schule würde nach diesem Denkmodell auf Raten erfolgen.

Wer würde sich für diese Lösung aussprechen? Nun – in Alsmoos und Petersdorf könnte man ein solches Modell vielleicht als einen Kompromiss begreifen, denn damit wäre zumindest jenen Kindern und Eltern geholfen, die momentan vom vertrauten Schulumfeld profitieren. Freuen würden sich mutmaßlich auch die Gundelsdorfer Eltern, die sich mehrheitlich für den Erhalt der Alsmooser Einrichtung ausgesprochen hatten. Der Pöttmeser Bürgermeister Franz Schindele hatte ja bereits klar gemacht, dass die Schulsprengeländerung für ihn keine Glaubensfrage und die Pöttmeser Schule nicht auf den Zuwachs aus den Reihen der Gundelsdorfer angewiesen sei.

Gegen dieses Modell wird man sich vermutlich in Aindling und Todtenweis aussprechen. Vor allem der Todtenweiser Bürgermeister Thomas Riß befürchtet, im kommenden Schuljahr keine erste Klasse mehr bilden zu können. Warum? Ganze 30 Kinder kommen ab September als Erstklässler für Aindlings Grundschule in Frage – 15 von ihnen würden die Aindlinger Schule besuchen, 15 würden in die Todtenweiser „Filiale“ geschickt. Wenn es jedoch nur ein Kind weniger sein sollte, kommt eine Aufteilung in zwei Klassen laut den bisherigen schulrechtlichen Gepflogenheiten eigentlich schon nicht mehr in Frage und ohne die Kinder aus Hausen, Neßlach und Weichenberg dürfte die magische Marke von 30 Kindern eben nicht mehr erreicht werden. „Ich bin auf den Partner Aindling angewiesen“, sagt Thomas Riß und verweist auf die Maxime: „Eine Grundschule pro Ort.“ Dass Petersdorf trotz der Kinderknappheit beide Schulen behalten will, stößt in Todtenweis demzufolge auf vergleichsweise wenig Begeisterung.

Was also bleibt der Regierung von Schwaben übrig? Eine sofortige Schulsprengeländerung zum neue Schuljahr würde die Eltern in Petersdorf und Alsmoos vor den Kopf stoßen und auch in Gundelsdorf auf wenig Begeisterung treffen. Andererseits kann man den Todtenweisern kaum zu Gunsten der zwei Petersdorfer Schulen den Saft abdrehen. Somit müsste die Regierung über ihren eigenen Schatten springen, und den Aindlingern für eine Übergangszeit gestatten, mit etwas weniger als 30 Kindern zwei erste Klassen zu bilden, zumal gerade die Gemeinde Aindling sehr viel für den Zuzug junger Familien tut, und man die berechtigte Hoffnung haben kann, dass diese Marke schon im Schuljahr 2012/2013 wieder deutlich überschritten werden kann.

Damit ließe sich die Alsmooser Schule zumindest so lange erhalten, bis dort all jene ihre Grundschulzeit beendet haben, die sie dort in den vergangenen Monaten und Jahren auch beginnen durften. Diejenigen Kinder, die zum bevorstehenden Schuljahr aus Alsmoos, Hausen, Neßlach, Weichenberg und Gundelsdorf für die erste Klasse in Frage kommen, müssten dann allerdings bereits ab September auf die Schulhäuser in Willprechtszell, Aindling und Pöttmes aufgeteilt werden, denn angesichts der Geburtenzahlen und der Gemeindegröße scheinen zwei Schulen im Petersdorfer Gemeindegebiet über diese Frist hinaus kaum vertretbar zu sein. 
 
Von Pat Lauer



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Veröffentlicht am 27.02.2011 17:39 Uhr




 

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