Profi für Petersdorf
Petersdorf – Harte Worte musste Petersdorfs Bürgermeister Johann Settele am Montag bei der Gemeinderatssitzung einstecken. Der Vorwurf: Er habe das Thema Schulstandort verschlafen, jetzt werde die Gemeinde von den Entscheidungen anderer getrieben. Die verfahrene politische Situation soll nun mithilfe eines Mediators geklärt werden.
![]() |
Es sei das Ziel gewesen, beide Schulen möglichst lang zu erhalten, fasste Settele zusammen. Darüber habe im Gemeinderat auch immer Konsens geherrscht. „Hätte man früher gehandelt, hätte eine der beiden Schulen auch früher geschlossen werden müssen“, sagte Settele. „Erst jetzt ist durch die Entscheidungen Aindlings und Pöttmes’ eine neue Situation entstanden.“ Mehrfach wurde von Zweitem Bürgermeister Richard Brandner auf ein Schreiben aus dem Jahr 2006 hingewiesen, in dem die Regierung von Schwaben mitteilte, dass spätestens die Geburtenzahlen des Jahres 2007 für den Fortbestand der Einrichtungen in Alsmoos und Willprechtszell ausschlaggebend seien. Und in jenem Jahr hätten sich die Geburtenzahlen halbiert, so Brandner.
Die Sitzung, der knapp 20 Zuhörer beiwohnten, entwickelte sich zu einem Duell zwischen Settele und Brandner. Beide hatten unter den Gemeinderäten auch ihre jeweiligen Sekundanten: Während sich zum Beispiel Georg Jakob von seinem Bürgermeister immer korrekt informiert fühlte, war Stephan End der Ansicht, dass wesentliche Weichenstellungen unterblieben seien. Die ungewöhnliche Konstellation hinterließ den Eindruck, dass dieser Sitzung zwei Bürgermeister vorgesessen sind. Denn Brandner positionierte sich nicht nur als Speerspitze der Schulfrage, er hatte auch Hintergrundinformationen aus Gesprächen mit Behörden parat. Einer seiner Beiträge erntete sogar Szenenapplaus.
Mehrfach versuchten die Gemeinderäte in der Diskussion, der Gratwanderung zwischen Streit und politischer Verantwortung gerecht zu werden. Man müsse klar und deutlich über die Versäumnisse der Vergangenheit sprechen, so die Brandner-Fraktion. Man dürfe sich aber keinesfalls den Weg zu einer gemeinsamen Entscheidung zum Wohle der Kinder verbauen. Deshalb regte Brandner an, einen Mediator zu beauftragen. Seine Aufgabe soll es sein, die Fakten zu sichten und zu präsentieren, denn inzwischen sei die Situation so verfahren, dass keine Seite mehr den Zahlen der anderen Seite Glauben schenke. Voraussetzung für die Mediation ist, dass das Verfahren noch in diesem Jahr beendet werden kann. Der Antrag passierte mit 7:5 Stimmen das Gremium.
Settele hatte eigentlich vorgeschlagen, dass der Gemeinderat zunächst noch einmal beide Schulen besichtigt, dann ein Tag der offenen Tür an beiden Einrichtungen stattfindet und der Gemeinderat im September abschließend entscheidet. Beim Tag der offenen Tür soll es übrigens bleiben: Am Sonntag, 12. September, haben beide Häuser von 13 bis 15 Uhr geöffnet.
Mehrfach forderten Gemeinderäte, dass objektive Zahlen zu den Schulen vorgelegt werden: Können in beiden Häusern sechs Klassen untergebracht werden? Wie hoch wäre jeweils der Investitionsbedarf, wo gibt es das bessere Raumangebot, wie könnte die Mittagsbetreuung funktionieren und wie die Busanbindung? Übrigens liegt die letzte Entscheidung über den Standort nicht bei der Kommune, sondern bei der Regierung von Schwaben.
Zitate:
Richard Brandner: „Wir müssen zuerst die politische Aufarbeitung machen und uns darüber streiten. Dann müssen wir gemeinsam das Beste zum Wohl der Kinder tun. Ich glaube, dass der Bürgermeister das Thema im Jahr 2007 wegen der Kommunalwahl im darauffolgenden Jahr bewusst ignoriert hat. Das ist kein Angriff auf den Gemeinderat, sondern nur auf den Bürgermeister. Der hat es in vier Jahren nicht geschafft, einen Konsens herzustellen, da schafft er es in den nächsten zwei Monaten auch nicht.“
Johann Settele: „Diese Darstellung ist eine Unverschämtheit. Seit 2002 habe ich das Thema Schule immer offen und ehrlich behandelt. In jeder Bürgerversammlung wurden die Schülerzahlen angesprochen. Mit zwei Schulstandorten ist es eben bis jetzt gegangen. Außerdem ist mir nicht klar, was ein Auswärtiger zu dem Thema sagen soll, was wir nicht selbst schon wissen.“
Stephan End: „Wir brauchen einen Arbeitskreis für die Schule und einen für DSL. Wir beziehen die Fachleute, die hier wohnen viel zu wenig in die Entscheidungen ein. Stattdessen lassen wir uns vom Ersten Bürgermeister zu sehr leiten, das ist unser Fehler.“
Georg Jakob: „Wir waren keineswegs untätig und wurden immer informiert. Außerdem können wir nichts dafür, dass die Schülerzahlen sinken.
Von Carina Lautenbacher
Veröffentlicht am 10.08.2010 17:18 Uhr
| |






