Eine Schule muss schließen
Petersdorf – Eines ist sicher: Spätestens zum Schuljahr 2012/2013 muss eine der beiden Schulen im Gemeindebereich Petersdorf schließen. Die Zahl der Kinder reicht nicht mehr aus, um beide Häuser mit Leben zu füllen – zumal Aindling schon ab 2011/2012 die Kinder aus Hausen, Neßlach und Weichenberg abziehen will. Ob nun in Alsmoos oder Willprechtszell die Lichter ausgehen werden, muss der Gemeinderat in den nächsten Monaten entscheiden. Bei einer Informationsveranstaltung am Dienstag platzte das Hohenrieder Sportheim beinahe aus allen Nähten: Über 200 Bürger wollten wissen, wie es weitergeht.
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Mit ausführlichem Zahlenmaterial erklärte Schulamtsdirektor Alois Lechner die Situation und den „Sonderstatus“ der Gemeinde. Für 1800 Einwohner zwei Grundschulen zu haben, sei landkreisweit einmalig. Schiltberg kämpfe wegen des Geburtenrückgangs schon um eine Schule, erklärte Lechner. In Petersdorf werden beide Schulen auch (noch) mit Kindern aus Aindling und Pöttmes befüllt. Aber selbst wenn das so bliebe, würden die Klassenstärken auf Dauer nicht ausreichen, um einen Betrieb in beiden Schulhäusern zu rechtfertigen. „Wenn wir eine Klasse mit 15 Schülern bilden, muss das anderswo mit einer 29er-Klasse ausgeglichen werden“, so der Schulamtsdirektor.
Hinzu kommt, dass auch Aindling und Todtenweis, die zusammen einen Schulverband bilden und zwei Häuser betreiben, immer weniger Schüler haben. Um beide Schulen zu sichern, hat Aindling beschlossen, die Schüler aus den südlichen Aindlinger Ortsteilen aus Alsmoos abzuziehen. Ob auch die Gundelsdorfer Kinder wegbrechen werden, damit befasste sich der Pöttmeser Marktgemeinderat erst gestern Abend. Bürgermeister Franz Schindele betonte aber am Dienstag, dass es ihm nicht um ein paar Schüler mehr gehe. Vielmehr wolle er versuchen, das Problem geordnet zu lösen. „Wir haben unsere Sitzung bewusst verschoben und wollen den heutigen Abend als Entscheidungshilfe nutzen“.
Eindeutiger äußerte sich Aindlings Bürgermeister Tomas Zinnecker, der sich bewusst war, nun mit der Rolle des „Buhmanns“ leben zu müssen. Er warb um Verständnis dafür, dass jede Gemeinde in der VG wenigstens eine Schule behalten solle – „so fair muss man schon sein“. Die Kinder, die aus Alsmoos abgezogen werden, seien wesentlich weniger, als die aus dem Edenhausener Tal, die in Willprechtszell bleiben sollen. „Wir können sie aber kaum nach Alsmoos schicken“, so Zinnecker.
Schulamtsdirektor Lechner, betonte mehrfach, es sei Sache der Gemeinde, welche Schule es treffe. Bei einer Zusammelegung ließen sich jedenfalls auf längere Sicht insgesamt sechs Klassen (zwei Kombi-, vier Regelklassen) bilden. Doch seine fachliche Beurteilung, die Räume in Willprechtszell seien besser geeignet, blieb nicht unkommentiert. Richard Brander, Zweiter Bürgermeister in Petersdorf, wunderte sich, dass man die Diskussion um den Schulstandort nicht vor vier Jahren begonnen habe – damals machte die Regierung von Schwaben deutlich, dass die Willprechtszeller Schule auf Dauer nicht mehr zu halten sei – und fragte sich, wie sich diese Einschätzung in so kurzer Zeit ins Gegenteil verkehren ließe. In die Aindlinger Richtung schickte er, dass man mit Nachbarn anders umgehe, nahm aber auch Petersdorfs Bürgermeister Johann Settele in die Kritik, der sich fragen müsse, ob die Kommunikation stimme. Im Laufe der stellenweise sehr emotional geführten Diskussion ließ sich Brandner dazu hinreißen, dem Schulamt zu unterstellen, es habe einen „internen Masterplan“.
Damit sprach er einigen Besuchern aus der Seele: Christoph Reiner fühlte sich „fremdbestimmt – wir müssen nur schlucken was von außen kommt“. Er führte ins Feld, dass in Alsmoos 40 Kinder zu Fuß zur Schule gehen könnten, in Zell aber nur 14; den Hohenriedern und Schönleitern könne es egal sein, wohin sie gefahren werden. Centa Plöckl brachte den Aspekt Kindergarten ins Spiel: Der könne seit zwei Jahren nur zweigruppig überleben, weil dort die Mittagsbetreuung der Schulkinder untergebracht sei. „Was passiert, wenn die Schüler nach Zell kommen?“ Stefan End verwies auf den Weigelberg. Dort gebe es 18 Bauplätze. „Die Kinder werden kommen, es wäre das schlechteste, die Schule zuzumachen.“ Nicht glücklich mit der im Raum stehenden Schließung der Alsmooser Schule scheinen auch die Gundelsdorfer und Hausener. Christa Appel findet es schade, dass die Hausener abgezogen werden und nun bis nach Todtenweis – in überfüllten Bussen – gekarrt werden sollen. „Wir sind ganz klar für Alsmoos, die Schule ist klein und heimelig, man kennt die Eltern“, sprach Hubert Hell für die Gundelsdorfer.
Vor allem die Gemeinderäte bemühten sich, einen Kampf „obere gegen untere Ortsteile“ gar nicht erst aufkommen zu lassen. Doch wie die Diskussion an manchen Stellen deutlich machte, ist der bereits in vollem Gang. „Da werden zwei Gemeideteile aufeinander gehetzt, weil es angeblich nicht anders geht“, ereiferte sich Hermann Reinthaler. Er setzte sich dafür ein, doch beide Schulen zu erhalten und fragte, wie man überhaupt die Todtenweiser Schule vor wenigen Jahren habe sanieren können. „Der Gemeinderat ist doch befangen, eine Abstimmung wird 7:6 für Willprechtszell ausgehen“, erklärte Reinthaler. Er forderte einen Bürgerentscheid und erntete damit großen Beifall. Grundsätzlich sei das möglich, meinte Walter Krenz, Geschäftsstellenleiter der VG. Er gab allerdings zu bedenken, dass Petersdorf eine Stellungnahme zur beantragten Sprengeländerung bei der Regierung abzugeben habe, letztendlich werde dort entschieden. Entweder müsse die gesamte Stellungnahme als komplizierte Frage zur Abstimmung stehen oder reduziert auf die Kernfrage: „Soll die Schule in XY erhalten bleiben?“ Welcher der beiden Standorte XY sein könnte, darauf wollte sich Krenz nicht festlegen.
Versöhnlich war der Vorschlag von Stefan Seidl aus Schönleiten: „Können wir nicht einen Tag der offenen Schulhäuser machen, damit sich jeder ein Bild machen kann –dann läuft die eine oder andere Diskussion vielleicht weniger hitzig ab“. Der Moderator des Abends, Rupert Jung zeigte sich über diesen Abschluss ebenso zufrieden, wie Bürgermeister Johann Settele, der den Vorschlag gerne aufgriff. Fortsetzung folgt.
Veröffentlicht am 28.07.2010 17:33 Uhr
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