Obergriesbach    

Bürgerbegehren erfolgreich

Obergriesbach – Die energetische Sanierung und der Umbau des Obergriesbacher Schulhauses in eine Gemeindekanzlei sind vorerst gestoppt. Der gestrige Bürgerentscheid fiel überraschend eindeutig aus: 81,74 Prozent der Stimmen fielen auf Ja und votierten damit dafür, den entsprechenden Gemeinderatsbeschluss des vergangenen Jahres aufzuheben. Nur 18,26 Prozent stimmten mit Nein und unterstützten damit die Position von Bürgermeister Josef Schwegler und der Mehrheit des Gemeinderates.

<p>Bürgerbegehren erfolgreich </p>

Zwischen 14 und 15 Uhr war der Ansturm auf die Wahllokale in Obergriesbach und Zahling am größten – direkt nach dem Mittagessen war die Lust zum Abstimmen deutlich spürbarer, als noch am eher „mauen“ Vormittag. Dabei ergab eine kurze Befragung von fünf Personen vor der Obergriesbacher Schule direkt nach der Stimmabgabe zunächst ein durchaus kontroverses Bild: Drei hatten soeben für die Aufhebung des bekannten Gemeinderatsbeschlusses votiert, der eine energetische Sanierung des Schulgebäudes und seine Umwandlung in ein Rathaus vorsieht, zwei hatten gegen den Widerruf dieser Ratsentscheidung gestimmt. Dieses knappe Befragungsergebnis spiegelte den tatsächlichen Verlauf jedoch keinesfalls wieder, denn tatsächlich hatten sich 685 Obergriesbacher für Ja ausgesprochen und nur 153 ihr Kreuzchen bei Nein gemacht – nur eine einzige Stimme musste als ungültig gewertet werden. Unter dem Strich ergibt das eine Wahlbeteiligung von stattlichen 53,64 Prozent – „so hoch, wie ich das erhofft hatte“, kommentierte der Bürgermeister. Im Übrigen gab Schwegler offen zu, ein solch deutliches Ergebnis nicht erwartet zu haben, und hatte Mühe, seine Verbitterung zu verbergen. „Ich habe mich stets bemüht, die Gemeinde fortschrittlich und zukunftsorientiert aufzustellen. Für mich bedeutet dieses Ergebnis einen Rückschritt.“ Dennoch werde er das Resultat selbstverständlich anerkennen und sei gespannt, welche Konzepte die Gegner des Schulhausumbaus jetzt vorbringen werden. „Viele wissen es vielleicht nicht, aber der Mietvertrag der Gemeinde mit meinem Wohnhaus läuft demnächst aus, und ich bin vor wenigen Wochen zum zweiten Mal Opa geworden.“ Die Gemeindekanzlei könne nicht mehr lange in seiner guten Stube residieren, denn „allmählich wird's uns hier für drei Generationen zu eng.“

Für Lorenz Mahl, selbst Mitglied des Gemeinderates und einer der Hauptinitiatoren des Bürgerbegehrens, ist dies kein Argument: „Das Schulhaus ist beziehbar, die Kanzlei könnte dort von heute auf morgen beispielsweise in einem der leeren Klassenzimmer untergebracht werden. So groß ist unsere Gemeindeverwaltung schließlich nicht, dass das nicht ginge.“ Er betonte noch einmal, dass er nicht prinzipiell gegen das Schulhaus gewesen sei, sondern es ihm in erster Linie um die Kosten gegangen sei. „Die Gemeinde hat schon genügend Gebäude zu unterhalten, da muss das nicht auch noch dazu kommen.“ Er könne sich eine Vermietung der oberen Etage durchaus vorstellen, auch Sozialwohnungen kämen in Betracht. Aber: „Jetzt ist erst einmal wieder der Gemeinderat am Zuge, doch der sollte diesmal die Bürger frühzeitig in die Entscheidungsfindung einbeziehen. Wir wollen alle Ideen und Vorschläge hören.“ Das Thema „Kindergarten“ sprach weder Mahl noch Schwegler an.

Für Schwegler ist das Ergebnis durchaus eine persönliche Niederlage. Er machte keinen Hehl daraus, dass ihn der Stil der Auseinandersetzung teilweise hart getroffen habe. „Ich hoffe darauf, dass wir jetzt wieder zu einem guten Miteinander kommen, aber ich weiß, dass Narben bleiben werden.“



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Veröffentlicht am 21.02.2011 08:46 Uhr




 

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