Obergriesbach    

Überwintern im Bad

Zahling - Wenn's kalt wird draußen, zieht Adolf Herzog ins Bad. Zwischen Oktober und März schläft, tüftelt und arbeitet der Zahlinger dann zwischen Bidet, Waschbecken und Dusche. So spart er Geld. Rund 1000 Euro pro Jahr, weil er weniger Heizungsstrom braucht. Viel wichtiger ist ihm aber: "Ich helfe der Umwelt. Das ist meine persönliche Engergiewende."

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Herzogs Bad misst gut neun Quadratmeter. Weil es direkt unter dem Dach liegt, sind gut drei Meter Luft nach oben. Genug Platz also, um ein Etagenbett unterzubringen. Zwei Meter mal 80 Zentimeter, zu erreichen über eine steile Treppe, über die der 78-Jährige jeden Abend hochkraxelt. Unter dem Stockbett das Büro: Eine 80 mal 80 Zentimeter große Holzplatte, fixiert über der Badewanne, an der gefliesten Wand ein Regal. Dort reihen sich Ordner mit Rechnungen, Konstruktionszeichnungen, Versicherungsunterlagen. "Alles selbst ausgedacht und selbst gebaut", erzählt der Rentner.
Es ist nicht so, dass Adolf Herzog der Platz fehlen würde. Sein Hanghaus, 1973 erstellt, hat 160 Quadratmeter Fläche. Zur großen Küche gehört eine separate Müsli-Station, im geräumigen Wohnzimmer steht ein Esstisch samt acht Stühlen, vom umlaufenden Balkon aus schaut man auf den Garten und hinunter auf den Zahlinger Bolzplatz. Zu viert wohnten sie einst hier. Inzwischen sind die Kinder erwachsen, Adolf Herzog blieb als einziger zurück. Er meint: "Ich muss im Winter ja nicht das ganze Haus heizen, wenn ich bloß ein paar Quadratmeter nutze."
In der Tat sind Herzogs Heizkosten happig. Weil noch alte Nachtspeicheröfen im Einsatz sind, kamen früher 13 000 Kilowattstunden Strom zusammen. Das bedeutet bei derzeitigen Preisen rund 3500 Euro per anno. Jetzt braucht er nur mehr 9000 Kilowattstunden und ist mit sich im Reinen. "Hundertprozentiger Ökostrom", sagt er. Es geht ihm nicht allein ums Sparen. Seine Rente reicht ihm. Es geht ihm darum, Umwelt und Ressourcen zu schonen.
Das Untergeschoss ist kühl, aber nicht klamm. Dort lagern eng geschichtet Herzogs Schätze: Der Rentner baut Kinderspielgeräte, die er im Sommer auf dem Bolzplatz aufstellt, damit die Kids aus der Nachbarschaft sich austoben können.
240 solcher uriger Holz-Apparate hat er ertüftelt, 80 davon tatsächlich umgesetzt: Wippschaukeln, fahrbare Hängematten, Mondfahrzeuge, ein kleines Riesenrad, das mit Muskelkraft angetrieben werden muss, sogar einen kompletten Jahrmarkt mit zehn Verkaufsständen für die Dreikäsehochs. Im Frühjahr kommt ein Schiebe-Karussell dazu, das sich dank Seiltechnik dreht.
AUSFÜHRLICHER BERICHT IN DER AICHACHER ZEITUNG.
Von Wolfgang Glas


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Veröffentlicht am 23.05.2018 00:00 Uhr




 

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