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Wila-Turnier wieder ein Magnet für Nachwuchsringer

Aichach - Wer am Samstag auf den Parkplatz vor der Halle am Gymnasium fuhr, der konnte gleich mal einen Fortbildungskurs in Sachen Kfz-Kennzeichen absolvieren. Die Autos kamen aus allen Teilen der Republik, von Neuss am Rhein bis Greiz in Thüringen, und schier aus aller Herren Länder. Das Wittelsbacher-Land-Turnier des TSV war wieder einmal ein Magnet für die Nachwuchsringer. 422 junge Athleten aus 53 Vereinen kämpften über zehn Stunden im Freistil auf sechs Matten; nur einmal seien es mit 444 mehr gewesen, sagt Robert Held, "aber das ist mehr als zehn Jahre her". Beim Einmarsch jedenfalls dachte der Chef der Aichacher Ringer schon, die Vierfachhalle sei zu klein.

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Trainer Oguz Özdemir sagte, es mache ihn stolz, was die Abteilung Jahr für Jahr auf die Beine stelle. "Für das kleine Aichach ist das schon etwas ganz Besonderes." Robert Held ging noch weiter: "Das Turnier fördert nicht nur das Prestige des Vereins und der Stadt, sondern auch des Landkreises." Durch den Namen sei das Wittelsbacher Land in aller Ringermunde. In Bayern kann allenfalls das Turnier in Unterföhring mithalten, deutschlandweit ist nur jenes im baden-württembergischen Ladenburg größer. "Aber das geht über zwei Tage", klärt Özdemir auf.
In der Paarstadt waren acht Nationen vertreten, so viel wie noch nie, obwohl die Veranstaltung offiziell gar nicht als "international" firmert: Italien (Gruppo Lottatori Livornesi), Tschechien (SK Usti-Aussig, TAK Hellas Brünn), Ungarn (BLSE Bocsai, SC Vasas), Schweiz (RS Sense), Österreich (URC Mäder, KG Vigaun-Abtenau, Olympic Salzburg), Belgien (Sultan Lüttich), Niederlande und Deutschland. Das bedeute neben europaweitem Flair auch ein "sauhohes Niveau", meinte Özdemir. 15 der insgesamt 50 Sieger (je zehn Gewichtsklassen in den fünf Alterskategorien von der A- bis zur E-Jugend) kamen aus dem Ausland.
Aus der neuen DRB-Bundesliga, die den Kampfbetrieb im Herbst mit drei Staffeln aufnimmt, hatten fünf Klubs ihren Nachwuchs geschickt: Siegfried Hallbergmoos, Wacker Burghausen, Johannis Nürnberg, TSV Westendorf und ASV Mainz.
Akos Wöller hat mit seinen Vereinen Vasas und Bocsai am Freitag im Bus eine über 800 Kilometer lange Anreise auf sich genommen. Er komme immer wieder gerne, sagt der Ungar, an Aichach habe er nur "gute Erinnerungen". In seinen vier Jahren beim TSV verlor er in der Bayernliga nur einen Kampf, war Publikumsliebling. Heute ist Wöller 32 und nur noch Trainer. Aktiv ringen könne er aufgrund vieler Verletzungen nicht mehr, sagt der einstige Leichtgewichtler und zeigt auf seine maladen Stellen: Knöchel, Knie und Hüfte. Das Turnier in Aichach sei "perfekt". Genächtigt hat Wöller mit seinen 25 Schützlingen ganz bescheiden in der TSV-Turnhalle, am Sonntag ging's zurück bis hinter Budapest.
Koce Nikolov war einmal mazedonischer Nationalringer. Bereits zum zehnten Mal ist er als Trainer der Sportunion Vigaun-Abtenau aus dem Salzburger Land in der Paarstadt dabei, diesmal betreut er sieben Jungspunde. "Ein super Turnier", schwärmt der 34-Jährige, "da gibt's für jeden etwas, egal, ob man Anfänger, Fortgeschrittener oder Meister ist."
Dieter Hilpert hat ehedem in der Bundesliga für den SC 04 Nürnberg gekämpft. Inzwischen kümmert sich der 40-Jährige in seinem Heimatverein TSV 1860 Weißenburg um den Nachwuchs. Hilpert ist mit Oguz Özdemir gut befreundet, aber das ist nur ein Grund, warum der Aichacher Termin bei ihm im Kalender dick angestrichen ist. "Ein hervorragend organisiertes und hochklassiges Turnier", sagt Hilpert, "da können meine acht Jungs einiges lernen."
Burak Demir ringt für den ASV Mainz. Der 15-Jährige ist 2016 bei der B-Jugend im Freistil (bis 42 kg) deutscher Meister geworden. Demir ist in der Aichacher Ringerszene ein bekannter Name. Buraks Vater Ahmet hat vor zwanzig Jahren für den TSV die Gegner geschultert. Der Filius trat jetzt in seine Fußstapfen, gewann am Samstag bei der A-Jugend bis 50 Kilo. Burak Demir hatte in seiner Gewichtsklasse allerdings auch nur zwei Widersacher aus Burghausen.
Für den TSV Aichach sprangen zwei erste Plätze durch Mikael Golling (C-Jugend/48 kg) und Mustafa Kaya (D-Jugend/29 kg) sowie zwei zweite durch Max Iftenie (A-Jugend/85 kg) und Pablo Pfister (E-Jugend/31 kg) heraus.
Mustafa Kaya setzte sich gegen 13 Konkurrenten durch. Der Zehnjährige habe das Talent von seinem Opa geerbt, stellte Oguz Özdemir fest und meinte damit seinen Vater Cengiz. In einem packenden Finale musste Oguz' Neffe alles geben, ehe er den Trostberger Samuel Philipp nach Punkten 10:4 niedergerungen hatte. Als die Anspannung weg war, flossen bei Mustafa auf den Armen von Mutter Hadice die Tränen.
Erstmals ging das Turnier "papierlos" und nur mit Computertechnik über die Bühne. Dafür verantwortlich war Moritz Oberhauser, Weltergewichtler der Aichacher Männerstaffel. "Es war zwar nicht ganz reibungslos, aber besser als befürchtet", bilanzierte der Biochemie-Student. Wie alle anderen aus der großen Unterstützergemeinde der TSV-Ringer war Oberhauser am Samstag ganz schön im Stress. Ein Turnier mit über vierhundert Teilnehmern muss erst einmal bewältigt werden. "Da stößt du zwischendurch schon mal an die Grenzen der Belastbarkeit", bekannte Robert Held, der nimmermüde alle Kämpfe übers Mikrofon ankündigte.

Von Heribert Oberhauser
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Veröffentlicht am 30.03.2017 11:01 Uhr




 

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