Rentsch knapp an der Hymne vorbei
Aichach (LJ) Der Wunsch, ganz oben auf dem Siegerpodest die deutsche Nationalhymne zu hören, hat sich für Walter Rentsch bei der Senioren-Weltmeisterschaft der Leichtathleten im kanadischen Kamloops nicht erfüllt. Dennoch ist das Abschneiden des Oberbernbachers sehr beachtlich. Nach Bronze über 800 m gewann das Ass des LC Aichach in der M 55 über 1500 m die Silbermedaille. Knapp zwei Sekunden fehlten Rentsch zu Gold, das sich der US-Amerikaner Steve Chantry, Zweiter über 800 m, sicherte.
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Am Freitag musste Rentsch zeitig aus den Federn, denn sein Vorlauf über 1500 m war für 8:40 kanadischer Zeit angesetzt. Der 56-Jährige wurde Dritter mit der insgesamt achtbesten Zeit; ein Dutzend qualifizierte sich für den Endlauf.
Das Finale ging am Samstag um 12 Uhr über die Bühne. Nach langsamen ersten zweieinhalb Runden nahm das Rennen Fahrt auf, gleich zog sich das Feld auseinander, die Spreu trennte sich vom Weizen. In der fünften Runde auf dem 200 m-Oval erhöhte der Kanadier Paul Reimer, der deutsche Großeltern hat, das Tempo. Nur Rentsch und Chantry konnten folgen. 800 m-Sieger Franics Martel (Kanada) fiel zurück. Eingangs der letzten Runde setzte sich Chantry an die Spitze. Um dranzubleiben, musste Rentsch Reimer in der nicht überhöhten Kurve überholen. Das Loch von drei bis vier Metern, das dadurch entstand, vermochte Rentsch nicht mehr zu schließen, musste sich in 4:38,33 mit Platz zwei zufrieden geben hinter Chantry (4:36,58) und vor Reimer (4:39,78).
Für Rudi Schlämmer, Rentschs Teamkollegen vom LC Aichach, eröffnete sich nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden im 800-m-Vorlauf und dem Verzicht auf die 1500 m doch noch die Möglichkeit zu einem Start. Nachdem ihn der Physiotherapeut der deutschen Mannschaft vier Tage lang intensiv behandelt hatte, komplettierte Schlämmer mit Tapeverband die deutsche 4x200-m-Staffel in der M 65, holte mit ihr sogar die Silbermedaille Das stimmte den 66-Jährigen nach seinen ob der lädierten Achillessehne tristen ersten Tagen in Kamloops überaus glücklich, hatte sich für ihn die Reise nach Kanada doch noch gelohnt.
Während Schlämmer nach der WM gleich wieder zurückfliegt, hängt Rentsch mit seiner Frau Marlies in British Columbai einen zweiwöchigen Urlaub dran. Das Training werde er in dieser Zeit aber nicht vernachlässigen, ließ sich der zweifache Medaillengewinner von Kamloops vernehmen. Schließlich gelte es, sich fit zu halten für die Europameisterschaft im Juli in Ungarn, bei der Rentsch einen weiteren Anlauf auf die speziell für ihn gespielte deutsche Nationalhymne machen wird.
Veröffentlicht am 07.03.2010 19:18 Uhr
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