TSV Aindling: Sehnsucht nach Gras
Aindling – „Wir sind fit und gespannt.“ Trainer Helmut Leihe hofft, mit seinen Aindlinger Fußballern am Sonntag nach der zweiwöchigen Warteschleife endlich wieder in der Bayernliga landen zu können. Die Heimpartie gegen den SV Schalding-Heining (Anstoß 15 Uhr) ist Leihes Cheftrainer-Premiere in einem Punktspiel der Rot-Weißen; aber dem will der 60-Jährige keine besondere Bedeutung beimessen; dafür ist er schon zu lange im Geschäft. Viel höher hängt er das Ansinnen zu gewinnen. Seine Mannschaft, gibt er vor, solle vom Anpfiff weg durch ihre Einstellung ausdrücken, dass sie unbedingt Revanche will für das 2:3 aus der Vorrunde. Michael Westermair kann nicht mithelfen, diese Scharte auszuwetzen. Der Stürmer hat eine Grippe verschleppt und laboriert jetzt an einer Lungenentzündung.
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Er und seine Spieler hätten den Kunstrasen satt, macht Leihe deutlich. Sieben Testspiele hat der TSV seit dem 23. Januar bestritten, allesamt auf Plastikwiesen. Verständlich, wenn einem da der Sinn nach einer Balljagd auf natürlichem Grün steht. Aber auch auf ungeliebtem Untergrund haben die Auseinandersetzungen zur Probe Leihe wertvolle Erkenntnisse geliefert. Zum Beispiel das zur Standortbestimmung hochstilisierte Duell mit dem Ligarivalen Thannhausen. Aindling gewann 2:0, und seither weiß der Coach, „dass wir mithalten können – im Mitteldrittel.“ Leihe tut gut daran, sich nicht weiter aus dem Fenster zu lehnen – aktuell hält der TSV mit 32 Punkten auf Rang sieben. Ob seine Mannschaft gut aus den Startlöchern kommt, kann ihm trotz der positiv verlaufenen Experimentierphase keiner garantieren. Zumal, wie er weiß, mit den Niederbayern eine gewachsene Truppe ans Schüsselhauser Kreuz komme, die durch das Traininsglager in der Türkei „noch enger zusammengerückt“ sei.
Anfang Februar war Schalding-Heining eine Woche in Belek; schon zum achten Mal. Die Kosten in Höhe von je 400 Mark hätten die Spieler selbst getragen, versichert Abteilungsleiter Markus Clemens. An der türkischen Riviera fand die Mannschaft von Thomas Prebeck (der zweite Spielertrainer der Bayernliga neben Rosenheims Burghartswieser) ideale Bedingungen vor, ein Probematch gegen den österreichischen Erstligisten Linzer ASK ging nur mit 1:3 verloren. In der Heimat musste sich der SVSH mit einem betagten Passauer Kunstrasen bescheiden.
Clemens war mit der Herbstrunde sehr zufrieden. Vor allem im September und Oktober lehrte der Neuling Arrivierte das Fürchten, gewann bei Ingolstadt II und Unterhaching II. „Unsere besten Spiele“, erinnert sich der Spartenchef. Im November warfen Verletzungen die Mannschaft etwas zurück. Trotzdem firmiert sie mit Platz neun und 31 Punkten momentan als bester Aufsteiger. Die Zwischenbilanz nennt Clemens aber „trügerisch“. „Wir müssen aufpassen, weil wir jetzt alle hinter uns platzierten Vereine auswärts haben.“ Andererseits muss den Fußballern aus den Passauer Ortsteilen Schalding und Heining (zusammen 2000 Einwohner) vor Ausflügen nicht bange sein. „Wir spielen auswärts genauso offensiv wie zu Hause; wenn wir es einmal defensiv versucht haben, ist es in die Hose gegangen“, stellt Clemens klar.
Das Publikum in Aindling darf sich demnach auf eine kurzweilige Angelegenheit freuen, da auch Leihes Konzept vorwärtsgerichtet ist. Der Hauptschullehrer setzt auf die zwei Stürmer Doll und Yaz, die an den Flanken von Hönisch und Qendrim Beqiri unterstützt werden. Bei Qendrim, zuletzt zweifacher Torschütze beim 3:1 gegen Gersthofen, habe die Formkurve nach oben gezeigt, weshalb er den jüngeren Beqiri dem älteren (Qemajl) vorziehe. Da Leihe auch aus seinem Sechsergespann Zerle/Fischer kein Geheimnis macht, Völker und Scheifel das Abwehrzentrum bilden sowie im Tor Geisler (wird am Samstag 33) eine Bank ist, muss der Trainer sich nur noch hinsichtlich der Außenpositionen in der Viererkette festlegen. Hübl/Degendorfer oder Eweka/Hübl heißen die beiden Varianten. Darüber werde er noch eine Nacht schlafen, meinte Leihe. Ganz gleich, wie er sich entscheidet, er werde nicht nur eine starke Startformation, sondern auch eine vollwertige Bank haben mit Qemajl Beqiri, Akdemirci und Eweka/Degendorfer, davon ist der Trainer überzeugt. Und darauf, sagt er, lege er auch besonderen Wert.
Von Heribert Oberhauser
Veröffentlicht am 05.03.2010 18:13 Uhr
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