Fußball    

FC Pipinsried: Wirbel um Trainer Manfred Bender

München - Wenn man sich vom Mittleren Ring aus dem Stadion an der Grünwalder Straße nähert, türmt sich die Spielstätte regelrecht vor einem auf. Am Freitagabend war der Fußballtempel bereits lange vor der Regionalligapartie des FC Bayern München 2 gegen den FC Pipinsried hell erleuchtet. Die vier Flutlichtmasten wirkten eingehüllt von Nebel wie Fackeln, die jemand entzündet hatte - als müsse man die Mythen und die Faszination, die diese Arena ausstrahlt, noch zusätzlich betonen.

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Möglicherweise spornten die Aura dieses Stadions, der Geruch nach großem Fußball und der klangvolle Name des Gegners die Mannschaft des FC Pipinsried zu einem ihrer besseren Auftritte in dieser Saison an. Vielleicht wirkte diese Atmosphäre auch auf FCP-Präsident Roland Küspert, der nach dem Spiel in den Katakomben überraschend deutliche Worte zur Zukunft des Trainers Manfred Bender wählte. Dadurch erinnerte der FCP nach dem 1:1 ein wenig an einen anderen namhaften Klub, der auf Giesings Höhen seine Heimspiele austrägt.
"Mir hat mal jemand gesagt, bei Euch geht's zu wie bei den Sechzigern", sagte Roman Plesche tags darauf und forderte: "Wir müssen künftig wieder eine Linie fahren." Denn während Plesche vor der Partie in München noch angekündigt hatte, dass "in der Winterpause alles auf den Prüfstand muss, auch die Trainer", nahm Küspert nach dem Schlusspfiff ein wahrscheinliches Ergebnis dieser vereinsinternen Inventur vorweg. "Eine Frage der Zeit" sei es, kommentierte er, bis die Zusammenarbeit mit Bender beendet ist.
Verein und Übungsleiter hätten unterschiedliche Ansichten, bezüglich Abgängen und Verstärkungen in der Winterpause, nannte Küspert einen Grund. Unabhängig davon war im Umfeld des Vereins bereits vor der Partie zu hören gewesen, dass es zwischen Bender und den Spielern nicht mehr stimmt.
Bender selbst war, während der Pipinsrieder Präsident sprach, nicht im Grünwalder Stadion. Das hatte weniger mit der Frage nach seiner Zukunft zu tun: Bender liegt derzeit wegen seines Rheumas im Krankenhaus. "Ich habe alles versucht, es zum Spiel zu schaffen", gab er am Samstag Auskunft, "aber die Schmerzen waren zu groß." Bender ließ sich in die Klinik einliefern. Am Telefon wirkte er ob des Wirbels vom Vorabend gelassen. Dass es unzufriedene Spieler in einer Mannschaft gebe, sei "normal". Derlei, sagte der 52-Jährige, "belastet mich nicht".
Auf die Frage, wie es weitergeht mit ihm und dem FC Pipinsried, erinnert er an die Verhandlungen mit Plesche vor seinem Engagement beim Dorfklub: "Wir haben abgemacht, dass ich bis zur Winterpause helfe und unterstütze." Danach, so habe man vereinbart, würde man sich zusammensetzen.
"Es gibt eine Tendenz", äußerte sich Plesche am Samstag zur weiteren Zusammenarbeit zwischen Verein und Trainer. Endgültig entschieden, betonte er gleichzeitig, sei aber noch nichts. Plesche und Bender verweisen unisono auf das wichtige Heimspiel - das, nachdem am Wochenende bis auf Rosenheim sämtliche Abstiegskämpfer gepunktet haben, noch bedeutender geworden ist - gegen den FC Ingolstadt 2 am kommenden Samstag, vor dem eigentlich keine Unruhe entstehen sollte.
"Mannschaft ruft
Gerade, weil der Auftritt des FC Pipinsried in München durchaus optimistisch stimmte. "Respekt vor der Mannschaft", lobte Plesche, der jedoch auch daran erinnerte, dass er mit der bisherigen Spielzeit "nicht zufrieden" ist, was wieder zu seiner anstehenden Bestandsaufnahme führt. "Ich kann die Vorrunde ja nicht nur nach dem Schweinfurt- und dem Bayernspiel bewerten", kündigte er an, denn "das Team ruft sein Potenzial zu selten ab".
An der Grünwalder Straße zeigte die Elf über weite Strecken, was in ihr steckt. Vor allem hatte die Mannschaft Lust darauf, gemeinsam zu verteidigen. Symptomatisch eine Szene von Amar Cekic, der weit vorne den Ball verlor und nach einem beherzten Sprint am eigenen Strafraum zur Ecke klärte. Mit diesem Engagement setzte die Elf die Idee von Spielertrainer Fabian Hürzeler um, die Bayern früh zu attackieren, was vor allem in der ersten Halbzeit gelang. Und der FCP verteidigte ebenso geschlossen, als der Druck der Münchner in der zweiten Hälfte anwuchs.
Hürzeler merkte hernach an, dass er gerne 90 Minuten lang gepresst hätte. Die Kräfte hätten dazu aber nicht gereicht, was kaum verwundert, wenn zwei Mal Training gegen sieben Mal Training pro Woche antritt (auch wenn die Bayern ihre Abschlusseinheit zu sechst absolvierten). Der 25-Jährige coachte zum ersten Mal seit der Bender-Verpflichtung Mitte September ein Spiel alleine. "Ich hatte wieder mehr Kommunikation mit unserer Bank", gab er zu Protokoll.
Bender hofft, dass es ihm sein Körper erlaubt, spätestens zum Donnerstagstraining wieder auf dem Übungsplatz zu stehen. Es ist möglicherweise seine letzte Einheit als Trainer des FC Pipinsried.

Von David Libossek


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Veröffentlicht am 26.11.2018 17:11 Uhr




 

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