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Christoph Daferner macht das Siegtor für Deutschlands U20, Knöferl und Kroll debütieren

Aichach - Christoph Daferner lacht auch am Montag noch über das, was er am Freitagabend erlebt hat. Ihm gelang im U 20-Länderspiel gegen Tschechien in Elversberg der 3:2-Siegtreffer für die DFB-Elf. Zugegeben, ein bisserl Glück war schon auch dabei, dass der Tscheche Ondrej Sasinka Daferner den Ball genau so gegen die Schulter des Pöttmesers köpfte, dass er von dort ins Tor sprang. Aber: Als Stürmer musst du da dann eben auch stehen, wo es gefährlich wird.

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Ohnehin kann nichts dieses "coole Erlebnis", wie Daferner es beschreibt, trüben. Auf beiden Knien rutsche er anschließend über den Elversberger Rasen, um seine Torpremiere im dritten Spiel für die U 20 zu feiern. 3265 Zuschauer sahen das Testspiel in Elversberg, in dem der Angreifer des SC Freiburg von Beginn an mit der prestigeträchtigen Nummer zehn ran durfte. Auch das Fazit von Bundestrainer Meikel Schönweitz sei positiv ausgefallen, berichtet Daferner. Er habe sein Soll erfüllt, ein Tor gemacht und Gas gegeben.
Wobei Letzteres für Daferner ohnehin selbstverständlich ist. "Es ist eine Ehre, für sein Land zu spielen, klar, dass man sich dafür zerreißt", sagt er. Mächtig stolz sei er, fährt er fort, "sobald die Nationalhymne läuft und ich meine Eltern auf der Tribüne sitzen sehe, wie sie mitfiebern". Aussagen, wie sie Kritiker bei Spielern der A-Nationalmannschaft zuletzt vermisst haben, zu lax sei deren Einstellung bei der Weltmeisterschaft in Russland gewesen. Ob das bei den Junioren ein Thema gewesen sei? "Nein", antwortet Daferner umgehend, "wir sind die U 20, wir müssen auf das schauen, was wir beeinflussen können."
Ein Credo, das der 20-Jährige auch für sich selbst leben möchte. Freilich, er schaue sich schon das eine oder andere ab bei Freiburger Kollegen wie Nils Petersen. Und auch Stürmerlegende und U 21-Nationalcoach Stefan Kuntz habe ihm bereits ein Feedback gegeben. Doch im Grunde wolle Christoph Daferner "nicht so sein wie irgendjemand anders. Ich möchte meinen eigenen Weg gehen und immer besser werden."
Und an seiner eigenen Geschichte schreibt der Stürmer eifrig. Nicht nur in der Nationalelf, wo er schon mitbekomme, dass gerade die Mittelstürmer im Fokus stehen, mangelt es im deutschen Fußball derzeit doch an abschlussstarken Strafraum-Angreifern. Auch im Verein läuft es gut für den ehemaligen Kicker des TSV Pöttmes. Mit den Profis des SC Freiburg reiste er ins Trainingslager, in einem Testmatch gegen Ravensburg traf er.
Zurzeit gehört er aber der Viertliga-Mannschaft des Bundesligisten an. Nach einem holprigen Start hat Daferner mit dem SCF 2 zuletzt drei Partien in Serie gewonnen. In seinen insgesamt sieben Auftritten in der Regionalliga-Südwest, in der es bereits heute Abend gegen die Kickers Offenbach geht, leistete er drei Assists und erzielte drei Tore selbst.
"Es könnten aber noch ein, zwei Tore mehr sein", bemängelt der 20-Jährige, vor dem Tor, da fehle ihm noch die Ruhe, sagt er. Das sei so etwas, das er von Petersen lernen kann. Zweistellig treffen nennt Daferner als sein Saisonziel, gesund bleiben sei "das Wichtigste". Was dann kommt? "Schwierig", meint er und hält kurz inne. "Man weiß nicht, was passiert."
Mit der Nummer zehn auf dem Rücken des Nationalmannschaftstrikots auf Knien über den Rasen zu rutschen, nachdem man gerade das Siegtor in einem Länderspiel erzielt hat, ist aber definitiv eine gute Zwischenstation auf dem Weg des Christoph Daferner.
Während sich Daferner das elfte Mal das deutsche Trikot überstreifte (Acht Mal U 18, drei Tore), schlüpften die beiden Cousins Lorenz Knöferl und Xaver Kroll aus Gumpersdorf zum ersten Mal ins weiß-schwarze Jersey. Sie spielten mit der deutschen U 16-Auswahl in Österreich zunächst gegen Zypern, dann gegen den Gastgeber. Beim 3:2-Sieg gegen die Zyprioten stand nur Kroll, der für den FC Augsburg kickt, eine Halbzeit lang auf dem Platz. Gegen Österreich durfte hingegen Knöferl, der in der Jugend des TSV 1860 München spielt, von Beginn an ran. Er wurde bei der 2:3-Niederlage nach 71 Minuten ausgewechselt. Sein Cousin kam nach einer Stunde in die Partie.
Die U-Länderspiele haben bei beiden nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Besonders, dass sie diese Erfahrung gemeinsam machen dürfen. "Es ist ein unglaubliches Gefühl. Wir haben schon früh zusammen gekickt. Es war damals schon immer ein Traum, dass wir den Sprung zusammen schaffen", wird Knöferl auf der Internetseite des DFB zitiert. "Fast jeder Junge, der gerne kickt, hat den Kindheitstraum, eines Tages Profifußballer zu werden und für Deutschland zu spielen. Es ist fantastisch, dass das geklappt hat", ergänzt Kroll im Doppelinterview.
Beide haben beim TSV Hilgertshausen mit dem Fußballspielen angefangen. Sie kennen sich also auch fußballerisch bestens. "Lenzi hat ein echt gutes Tempodribbling. Dazu kommen ein gutes Timing und ein gutes Auge für freie Räume. So kann er gefährliche Situationen kreieren", lobt Kroll seinen Cousin. "Für mich ist Xaver ein sehr guter Stürmer, der jederzeit einen Treffer erzielen kann und Torgefahr ausstrahlt. Er hat einen super Abschluss", attestiert Knöferl seinem Familien- und Mannschaftsmitglied. Mit einem Tor hat es allerdings für beide nicht geklappt. Zwei Cousins im Nationaltrikot

Von David Libossek


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Veröffentlicht am 12.09.2018 12:16 Uhr




 

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