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Aindlinger Fußballer wieder im Training - Hoffnungsträger Simon Fischer

Aindling - Auch im Wittelsbacher Land kommt der Fußball überhaupt nicht mehr zur Ruh'. Am Mittwochabend hat der TSV Altomünster die alte Saison mit dem Aufstieg in die Kreisliga abgeschlossen, zwölf Stunden später der TSV Aindling die Experimentierphase für die neue Spielzeit aufgenommen, 26 Tage nach seinem letzten Punktspiel in Kissing.

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Roland Bahl geht in seine fünfte Sommervorbereitung am Schüsselhauser Kreuz. Und der TSV-Trainer ist ambitionierter denn je. "Jetzt gibt es kein Alibi mehr", verkündete der 55-Jährige am Donnerstagmittag in Anspielung auf die schweren Zeiten des Südwest-Landesligisten, in denen für dürftiges Abschneiden gerne die den gesamten Verein über Jahre belastende Steueraffäre als Argument herhalten musste. "Eine enttäuschende Rückrunde wie die letzte darf nicht mehr passieren", stellt Bahl klar.
Bahl spricht bewusst nicht vom Aufstieg in die Bayernliga; er fordert aber "mehr Nachdruck und Konstanz" von seiner Mannschaft. Die solle doch gefälligst einmal über eine ganze Saison so gut spielen, wie sie es zuletzt nur immer über einen gewissen Zeitraum, bevorzugt im Herbst, getan hat. Im Frühjahr waren die Aindlinger zwischendurch ein ernsthafter Kandidat für Platz zwei, am Ende indes lagen sie 14 Punkte hinter Vize Türkspor Augsburg. Einen derartigen Einbruch wollen Bahl und sein Assistent Tobias Völker nicht noch einmal erleben.
Eigentlich sollte der Vorstoß des FC Pipinsried in die Regionalliga für die Rot-Weißen Ansporn sein, die entstandene Lücke wieder zu schließen. Zwischen 1996 und 1999 war der TSV dem FCP zwei Spielklassen voraus. Jetzt hat der Dorfklub aus der Gemarkung Altomünster den Spieß umgedreht. Präsident Ludwig Grammer, der seinem Pipinsrieder Pendant Konrad Höß für die Regionalliga "alles Gute" wünscht, hält den Ball flach. Aus wirtschaftlichen Gründen könne der TSV zurzeit nicht nach Höherem streben, dafür müsste sich im Umfeld einiges tun, erklärt Grammer.
Wenigstens die vier Neuzugänge Thomas Kubina, Christian Wink, Simon Fischer und Haci Ay gingen bei der Vorstellung auf der voll besetzten Terrasse am Sportheim in ihrer Vorausschau etwas in die Offensive. "Wir wollen oben mitspielen", gab das Quartett ziemlich gleichlautend zum Besten. Mit den vieren sei die Personalplanung abgeschlossen, sagte Bahl und ergänzte, "wir werden jedenfalls nicht mehr aktiv". Während Wink im defensiven Mittelfeld zu Hause ist, sind die anderen drei offensiv unterwegs: Kubina als echter Mittelstürmer, Ay an den Flanken, Fischer firmiert als Allrounder für die vorderen Reihen. Bahl ist zuversichtlich, mit dieser Aufrüstung der Belegschaft das größte Manko der vergangenen Saison, die miese Chancenverwertung, ausmerzen zu können. Dabei ist Simon Fischer selbstredend der große Hoffnungsträger, daraus machen der Präsident wie auch sein Leitender Angestellter kein Hehl. "Simon braucht Spielfreude, und die wird er bei uns wieder bekommen", ist Bahl überzeugt. In dem guten Vierteljahr in Pipinsried hatte es der 20-Jährige, der in der Herbstrunde 2016 für seinen Heimatverein Hollenbach in der Bezirksliga 18 Tore erzielte, nur auf vier Kurzeinsätze gebracht. "Der Sprung zu einem Spitzenverein der Bayernliga war vermutlich zu groß", orakelt Bahl. Dagegen sei Fischer mit Aindling genau in der richtigen Liga. "Und, was sehr wichtig ist, bei uns spielt er in einer Mannschaft, die ihn braucht." Fischer wie auch der vom Bezirksligisten Neusäß gekommene Wink haben allerdings noch keine Spielberechtigung. "Bis Dienstag kriegen wir das hin", war Spielbetriebsvorsitzender Josef Kigle optimistisch. Dann steht gegen den FC Memmingen (mit dem Ex-Aindlinger Stefan Anderl als Trainer) der erste Probewettkampf an. Bahl hätte sich mit dem Regionalligisten gerne eine Woche später gemessen. "Aber gegen solche Gegner kannst du dir den Termin nicht aussuchen", meinte er.
Drei Torhüter und 14 Feldspieler absolvierten an Fronleichnam die erste Übungseinheit, gestern stand die zweite an, am Sonntag folgt die dritte. Aus dem Kern der vergangenen Saison fehlte ein Septett. Die Rekonvaleszenten Sven Wernberger (Schrauben entfernt nach seinem Beinbruch vor 16 Monaten) und Daniel Ritzer (Muskelbündelriss) schauten zu, Johannes Raber, Wolfgang Klar, Michael Hildmann, David Englisch und Moritz Buchhart sind im Urlaub. Bis Wernberger wieder gesund ist, trainiert Luca Berger von der U 19 als dritter Torhüter neben Florian Peischl und Michael Wiesmüller bei der "Ersten" mit. Beim wie üblich lockeren ersten Training bat Bahl zum Schluss zu einem 20-minütigen Spielchen auf halbem Feld. Dabei unterlag das Team mit den vier Novizen der Truppe mit den Platzhirschen Patrick Modes und Simon Knauer 0:2 (Tore Julian Mayr, Alex Lammer). Apropos Lammer. Der Angreifer ist zumindest bis Mitte August dabei. Dann erfährt er seinen künftigen Standort als Lehrer. Bleibt Lammer in Weiden, ist das Kapitel Aindling für ihn geschlossen. "Es macht keinen Sinn, wenn Alex kaum mit der Mannschaft trainieren kann", bedeutete Kigle.
Bahl setzt auf den Konkurrenzkampf, der bei nun 19 Feldspielern (ohne Lammer) entbrennen werde. "Jeder muss sich neu empfehlen", sagt der Aystettener. Im Frühjahr sei mancher, der mangels Alternativen nicht um seinen Platz fürchten musste, vielleicht über Gebühr zufrieden gewesen und habe darob "den Biss und die letzten paar Prozent vermissen lassen".
Aindling will auswärts in die Punktrunde (erneut mit 17 Mannschaften) starten. Josef Kigle schloss nicht aus, dass der TSV am Freitag, 14. Juli, bei Aufsteiger Aystetten das Eröffnungsspiel bestreitet.
"Die zweite Mannschaft ist zusammengeblieben", stellte Kigle erfreut fest. 25 Spieler umfasst der Kader. Spielertrainer Thomas Grammer wird in der neuen Saison von Sascha Söllner unterstützt. Ihr Ziel sei der Aufstieg in die A-Klasse, machten die dazu gestoßenen Jungspunde Christoph Herb, Simon Schön, Fabian Kraus (alle eigene U 19) und Markus Kurz (FC Affing) klar.
Ab 1. Juli wird der TSV wieder Wirtsleute für sein Sportheim haben. Der Verein habe sich für eine italienische Familie aus Augsburg entschieden, die auch bayerische Küche anbieten werde, sagte Präsident Grammer. Zurzeit ist der TSV wieder selbst für die Bewirtung zuständig. Der vorherige Pächter gab mit sieben Monaten nur ein kurzes Gastspiel. Von ihm stehen noch Mietzahlungen aus. Pipinsrieder Aufstieg sollte für Aindling Ansporn sein Bahl: "Simon Fischer wird bei uns wieder Spielfreude bekommen" Ab 1. Juli hat das Sportheim wieder einen Wirt

Von Heribert Oberhauser
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Veröffentlicht am 17.06.2017 09:05 Uhr




 

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