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Sechzig kann kommen - FCP steigt in die Regionalliga auf

Pipinsried - Im dritten Anlauf nach dem Scheitern in der Relegation 2014 und 2015 hat der FC Pipinsried gestern den Aufstieg in die Regionalliga Bayern geschafft. Und das im Jahr seines 50. Geburtstags. Es ist ein fußballerisches Pfingstwunder, das sich im traditionsreichen Fürther Ronhof vollzog. Der kleine Amateurverein FC Pipinsried bezwang die Profitruppe der SpVgg Greuther Fürth 2 mit 3:2. Noch dazu in der Verlängerung. Nach 90 Minuten hatten sich die Kontrahenten 1:1 (1:1) getrennt: Lukas Gugganig hatte die Franken in Führung geschossen (34.), Atdhedon Lushi fast postwendend ausgeglichen (38.).

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Klar, dass die Fürther, die acht erst- und zweitligaerfahrene Akteure aufs Feld schickten, in der Extrazeit im Vorteil waren: Sie trainieren fünf Mal in der Woche, die Dorfklub-Kicker nur zwei Mal. Nur die größten Optimisten unter den 200 (!) mitgereisten Fans glaubten noch an einen Erfolg ihrer Mannschaft. Und dann das: Ünal Tosun schickt Emre Arik auf der rechten Seite, dessen präziser Pass findet Thomas Berger, der zwölf Meter vor dem Kasten lauert und sofort abzieht (1:2, 108.). Die Vorentscheidung. Die Fürther wirkten, als ob man ihnen die Luft herausgelassen hätte. Drei Minuten später der endgültige Knockout: Arik drang in den Strafraum ein, wurde gefoult (112.). Der eingewechselte Ruben Popa behielt die Nerven, versetzte den früheren Herthaner Sascha Burkert im Kasten der Spielvereinigung und schob ins linke Toreck ein (1:3, 112.). Niclas Egerers Anschlusstor war bedeutungslos (2:3, 117.).
Zu diesem Zeitpunkt feierten die gelb-blauen Anhänger schon euphorisch, wenige Minuten später stimmten die Pipinsrieder Kicker in die Jubelgesänge, ein. Die Hausherren schlichen hingegen wie begossene Pudel vom Platz.
FCP-Manager Roman Plesche hatte noch Adrenalin im Blut, als er eine Viertelstunde nach dem Abpfiff formulierte: "Die Mannschaft wollte heute unbedingt den Sieg! Das hat man gesehen und gespürt. Es ist einfach sensationell, wie die Jungs heute aufgetreten sind!" Dann setzte er mit einem Augenzwinkern hinzu: "Morgen fällt die Arbeit aus! Heute Nacht wird durchgefeiert!"
Konrad Höß hatte den Trubel gemieden und das Geschehen per BFV-Ticker und telefonischen Zwischenberichten seiner Frau und seines Vizepräsidenten Roland Küspert mitverfolgt. Der 76-Jährige war erst einmal sprachlos, als er von der Aichacher Zeitung angerufen wurde. Dann meinte er: "Unglaublich. Das hätte ich nie erwartet." Er schien zu bedauern, dass er beim größten Triumph seines Vereins nicht vor Ort gewesen war, wirkte aber auch nachdenklich: "Jetzt kommt sehr viel Arbeit auf uns zu."
Tatsächlich hatte der Vereinsgründer wohl eines der besten Spiele verpasst, das je ein Pipinsrieder Team geboten hat. Von Anfang zeigte sich die Truppe um den erneut überragenden Spielertrainer Fabian Hürzeler in jeder Hinsicht ebenbürtig mit den Vollzeit-Profis: spielerisch, taktisch, technisch. Den Ausschlag gab wohl das kämpferische Plus.
Tatsächlich hatten die Gäste die erste echte Einloch-Chance. Natürlich durch Lushi, nach einer Berger-Flanke (9.). Ein Weckruf für die Hausherren. Tolcay Cigerci (15.) und Daniel Steininger (23.) feuerten Geschosse auf den Pipinsrieder Kasten ab - der wieder von Thomas Reichlmayr (war zwei Spiele gesperrt) gehütet wurde. Ansonsten hatte Hürzeler den zehn Feldspielern vertraut, die schon beim Hinspiel am Donnerstag von Anfang an auf dem Feld gestanden hatten. Also mit Daniel Barna hinten links und Sebastian Mitterhuber im Mittelfeld.
Als Gugganig mit einem Tor des Monats aus 30 Metern ins Pipinsrieder Netz traf, fühlten sich die Fürther wohl schon auf der Siegerstraße (1:0, 34.). Doch wie schon im Hinspiel - als Arik den Führungstreffer Steiningers nach wenigen Minuten egalisierte - schlugen die Pipinsrieder auch diesmal umgehend zurück. Mitterhuber hatte einen Eckball in den Strafraum gezirkelt, der den verblüffend frei stehenden Lushi fand (1:1, 38.).
Beiden Teams boten sich in der Folgezeit zahlreiche Chancen. Zum Beispiel David Raum für die Gastgeber (60.). Oder deren Torschützen Gugganig (69.) sowie Mittelstürmer Stefan Maderer (74.). Überraschenderweise gehörte die Schlussphase der regulärem Spielzeit den Gästen. Herzig (77.), Berger (78.) und Mitterhuber (83.) hatten den Sieg auf den Schlappen. Nach 93 Minuten pfiff Bundesliga-Schiedsrichter Christian Dietz ab. Vorteil für die Profis, dachten die meisten der rund 1400 Zuschauer, darunter übrigens auch der Dachauer Landrat Stefan Löwl.
Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte.
Nach dem größten Triumph in der Vereinsgeschichte kann sich der FCP jetzt schon mal auf ein Punktspiel gegen 1860 München freuen. Diese Konstellation ist die größte Sensation überhaupt. Wer hätte das jemals für möglich gehalten?
SpVgg Greuther Fürth 2: Burchert - Tischler, Sama, Corovic (83. Egerer), Sollfrank, Gugganig - Raum (106. Guerra), Cigerci, Kirsch, Steininger - Maderer.
FC Pipinsried: Reichlmayr - Liebsch, Herzig, Achatz, Barna - Hürzeler, Mitterhuber - Berger (114. Grahammer), Tosun, Arik - Lushi (78. Popa).
Tore: 1:0 Gugganig (34.), 1:1 Lushi (38.), 1:2 Berger (108.), 1:3 Popa (Foulelfmeter/112.), 2:3 Egerer (117.). - Schiedsrichter: Dietz (Kronach). - Zuschauer: 1334. - Gelbe Karten: Sama, Sollfrank, Raum, Gugganig - Reichlmayr, Berger, Herzig, Mitterhuber, Barna, Liebsch. "Heute Nacht wird durchgefeiert" FCP dominiert die Schlussphase

Von Horst Kramer
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Veröffentlicht am 05.06.2017 22:14 Uhr




 

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