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Friedberger Vorrunde: Kreisklassist Dasing schafft gegen fünf Landesligisten die Sensation

Friedberg - Was für ein Comeback das TSV Dasing auf der schwäbischen Bühne! 14 Jahre nach der letzten Teilnahme überhaupt an einem Vorrundenturnier gewann der Kreisklassist am Samstag sensationell die Friedberger Ausscheidung - und das, obwohl in der TSV-Halle ansonsten nur Landesligisten am Start waren. Im Endspiel besiegte die Mannschaft von Trainer Jürgen Schmid den SV Mering mit 3:1 und darf somit am kommenden Samstag zum Finalturnier nach Günzburg fahren.

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Waren es einst Ausnahmekönner wie Jürgen Kedrusch, Peter Hensold oder Alexander Eppinger, die für die Rot-Schwarzen auf dem Parkett zauberten, so rückte 25 Jahre später eine Truppe von Grünschnäbeln in den Blickpunkt. Sieben der zehn Dasinger Akteure waren am Samstag 20 Jahre und jünger. Doch die Youngster setzten auf dem Parkett Schmids taktische Vorgaben hervorragend um. Die meisten Spieler hat Schmid schon in der Jugend betreut - am Samstag zahlte sich nun auch aus, dass der TSV seit vier Jahren auf Futsal setzt. "Wir sind davon überzeugt", so Schmid.
Auch wenn die Dasinger nun schon zum fünften Mal bei einer Endrunde vertreten sind (letztmals 1996, 5:8 im Viertelfinale gegen Aindling), so schrieben sie am Samstag schwäbische Hallenfußballgeschichte. Denn der TSV ist der erste Kreisklassist, der sich seit der Premierenveranstaltung 1980 für das Bezirksfinale qualifizieren konnte - und das auch verdient. "Kein Landesligist hat gegen uns ein Mittel gefunden", so Schmid, "ich war aber auch überrascht, dass uns die Kraft nicht ausgegangen ist."
Denn vor dem Turnier war Schmid skeptisch, ob seiner jungen Auswahl die Kondition reichen würde. Am Donnerstagabend spielte Dasing die Landkreisendrunde, am Freitag standen die drei A-Junioren Stefan Baumüller, Kaan Ayyildiz und Marco Ruppenstein bei der U 19-Kreismeisterschaft auf dem Parkett und am Samstag war eben nun das Highlight, die schwäbische Vorrunde. "Eigentlich wollten wir uns nur nicht abschließen lassen. Das ist uns ganz gut gelungen", sagte Schmid mit einem verschmitzten Lächeln.
Auch von Rückständen in den Gruppenspielen gegen Aindling und Mering ließen sich die Rot-Schwarzen nicht beirren und konnten die Partien noch jeweils zu zwei souverän herausgespielten Erfolgen drehen. Die erste große Überraschung war perfekt, der TSV Dasing zog als Gruppensieger ins Halbfinale ein. Sein Team hatte schon jetzt mehr erreicht, als Schmid erwartet hatte.
Mit Schwaben Augsburg wartete in der Vorschlussrunde der größte Brocken. Der souveräne Tabellenführer der Landesliga Südwest galt als Favorit der Friedberger Vorrunde. Und diesem Anspruch wurden die Violetten in dieser Partie gerecht. Sie waren hochüberlegen, taten sich aber schwer, eine Lücke im Dasinger Abwehrbollwerk zu finden. "Bei den kleinen Toren ist es natürlich schwer, wenn sich der Gegner hinten reinstellt", meinte Schwaben-Trainer Sören Dreßler, "die Dasinger sind aber auch verdient ins Finale gekommen." Und wenn dann trotzdem einmal ein Schwaben-Spieler frei vor dem Dasinger Tor auftauchte, war da ja noch Lukas Franken. Der 20-Jährige machte beste Chancen zunichte und wurde im Sechsmeterschießen zum Matchwinner. Erst parierte er die Schüsse von Fabian Krug und seines Torhüterkollegen Tobias Stangl, dann verwandelte er selbst den entscheidenden Sechsmeter zum Finaleinzug. Kein Wunder, dass Franken zum besten Torhüter des Turniers gewählt wurde - Teamkollege Jörg Marquart war bester Spieler, der Meringer Manuel Müller erfolgreichster Torschütze (vier Treffer).
Skeptisch waren die Experten unter den 440 Besuchern, ob den Dasingern im Endspiel noch einmal ein Husarenstück gelingen würde. Die von Sascha Mölders trainierten Meringer - der 1860-Angreifer musste wegen einer Schambeinentzündung aus dem Trainingslager in Portugal abreisen - hatten ins Turnier gefunden, galten nach dem 3:1 im Halbfinale gegen Stätzling als Favorit. Doch auch gegen das Pressing des Landesligisten hatten die Dasinger eine Antwort parat. Nach einem Meringer Fehler im Aufbauspiel brachte Ayyildiz den Underdog in Führung, nach zwei sehenswerten Kombinationen erhöhten Marquart und der mit einem kernigen Schuss ausgestattete Benedikt Dengler auf 3:0. Nach Dominik Schöns Anschlusstreffer hatte Mering zwar noch über sieben Minuten Zeit, aber Dasing spielte das Finale clever zu Ende. Das Wintermärchen war perfekt, der zahlreiche TSV-Anhang feierte sein Team nach der Schlusssirene frenetisch. Schade nur, dass sich Dasings Fangemeinde nächsten Samstag aufteilen muss, da die U 19 gleichzeitig ihr Bezirksfinale in Gersthofen bestreitet.
Nichts zu feiern hatte hingegen der TSV Aindling. Der verabschiedete sich mit zwei Niederlage sang- und klanglos aus dem Turnier. "Wir hatten zu wenig Hallenfußballer und somit zu wenig Qualität. Die, die da waren, haben es zumindest versucht", so Trainer Roland Bahl. Nachdem Matthias Steger krankheitsbedingt hatte passen müssen und Julian Mayr sich im ersten Spiel verletzt hatte, musste mit Michael Wiesmüller der Ersatztorhüter im Feld ran. Bahls Erkenntnis nach dem Auftritt in Friedberg: "Wenn der Hallenfußball nicht von allen Spielern angenommen wird, macht eine Teilnahme keinen Sinn." TSV Aindling scheidet sang- und klanglos aus

Von Herbert Walther
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Veröffentlicht am 08.01.2017 23:00 Uhr




 

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