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Aichacherin Bettina Brachard auf dem Weg ins Faustball-Nationalteam

Aichach - Dass Faustball nicht gerade zu den populären Ballsportarten zählt wie Fuß-, Hand-, Basket-, Volleyball oder Tennis, ist kein Geheimnis. Und dennoch gehört diese Randsportart zu den erfolgreichsten Mannschaftssportarten in Deutschland überhaupt. So wurde die deutschen Frauen-Nationalmannschaft im August des vergangenen Jahres zum vierten Mal Weltmeiser, als sie in Dresden den Dauerrivalen Österreich in einem hochklassigen Finale knapp besiegte (3:1). Rund 3000 Zuschauer bildeten eine tolle Kulisse. Auch die Männer setzten sich im letzten WM-Endspiel 2011 im österreichischen Pasching gegen den Gastgeber mit 4:2 durch. Da mochten selbst die Nationalmannschaften der Jugendlichen nicht nachstehen, die 2014 ebenfalls Weltmeister wurden.

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Trotz der großartigen Erfolge weltweit fristet Faustball aber nur noch ein kümmerliches Dasein. Ein gewaltiges Imageproblem und rückläufige Mitgliederentwicklungen (1995 waren es laut Deutscher Faustball-Liga rund 41 000 Aktive, derzeit sind es aktuell in etwa noch 28 000) sind die Ursachen dafür. Internationale Erfolge und öffentliche Wahrnehmung stehen in einem ungewöhnlich krassen Gegensatz.
Eine, die sich von dieser Tendenz absolut nicht beeindrucken lässt, ist die Aichacherin Bettina Brachard, die tatsächlich vor ein paar Jahren den Sprung in die Faustball-Bundesliga bei der Turngemeinde Landshut geschafft hat. Seit ihrer Schulzeit geht die 23-Jährige ihrem Hobby nach, das sie als "die schönste Insidersportart" bezeichnet, die man sich vorstellen kann. Angefangen hat alles in der ersten Schulklasse, als sich sechs Freundinnen zusammengetan und spontan beschlossen hatten, in der Faustballabteilung des TSV Aichach anzufangen. Infolge schulischer Weiterbildung, Wegzug und anderer Interessen haben die meisten Mädels aufgehört, nur sie ist ihrer Leidenschaft treu geblieben und hat weitergemacht. Bereut hat sie es bis dato noch nie.
Faustball ist bekanntlich ein Rückschlagspiel mit ähnlichen Spielgedanken wie beim Volleyball. Der Ball wird mit dem Arm oder mit der Faust geschlagen. Im Sommer wird auf Rasen, im Winter in der Halle gespielt. Jede Mannschaft besteht aus fünf Spielern, zusätzlich drei Ersatzspielern. Es gibt Spezialisten für Angriff, Zuspiel und Verteidigung.
Seit 2009 spielt Brachard bei der TG Landshut, einem Verein mit insgesamt rund 6000 Mitgliedern in 25 Abteilungen - und Faustball ist in der niederbayerischen Bezirkshauptstadt überaus angesehen und wird gefördert. "Ich war damals in der Bayernauswahl, habe von daher einige Gleichgesinnte gekannt und mich deshalb entschlossen, meine Karriere trotz der räumlichen Distanz von Aichach nach Landshut bei der TGL fortzusetzen", erzählt sie. Trainiert werden die Damen des Bundesligisten von Manuel Knott, 29, selbst Aktiver bei den Herren, die in der Bayernliga angesiedelt sind. Bettina Brachards Freund spielt im Übrigen ebenfalls Faustball. Beim ASV Veitsbronn in der 2. Bundesliga Süd.
Wegen der am kommenden Wochenende (7./8. März) in Bretten in Baden-Württemberg stattfindenden deutschen Hallen-Meisterschaften, zu der sich jeweils die ersten drei Teams aus dem Norden und dem Süden qualifiziert haben - Landshut wurde in der Südstaffel Dritter -, üben Bettina Brachard und ihre Teamkolleginnen zurzeit vier Mal die Woche. Während der Saison sind es nur zwei Einheiten wöchtenlich. "Das geht ganz schön an die Substanz, was Zeit, Geld und Kraft kostet", räumt sie ein. "Wir kriegen von der Abteilung zwar eine Fahrtkostenentschädigung, aber darüber hinaus gibt es in dieser Sportart keine weiteren Zuwendungen. Für alles andere müssen wir schon selbst aufkommen." Mit "wir" meint sie sechs Mädels aus Landshut, zwei aus München und sie aus Aichach.
Da trifft es sich nur allzu gut, dass sie nach dem Abitur 2009 ein Sportmanagement-Studium begonnen und es vor kurzem abgeschlossen hat und sich nebenbei ein bisschen Geld in einem Aichacher Café verdient. "Im Sommer mache ich meinen Bachelor-Abschluss und dann beginnt der Ernst des Lebens. Bewerbungen laufen schon. Ich möchte gerne im Marketing-Bereich, zum Beispiel PR oder ähnliches, tätig werden", blickt sie schon mal hoffnungsvoll in die Zukunft. Den geliebten Faustball will sie aber trotzdem weiter ausüben. "Ich mache auf jeden Fall weiter, aufgeben werde ich so schnell nicht", versichert sie.
Vordergründig steht aber die deutsche Hallenmeisterschaft an, die für sie zum Highlight ihrer noch jungen Karriere werden wird. "Für uns alle ist das eine Riesensache, dass wir uns dafür qualifiziert haben und uns nun mit den besten Mannschaften Deutschlands messen können. Wann bietet sich einem schon einmal so eine Chance."
Natürlich werden etliche Fans und die Familien der Spielerinnen mit dabei sein und das Team der TG lautstark im Wettbewerb gegen Ahlhorn, Selsingen und Schneverdingen (alle aus dem Norden) sowie Dennach und Calw (aus dem Süden) anfeuern. Auch Papa Richard, Mama Petra und Bruder Michael sind zur Unterstützung mit vor Ort. "Ich freue mich jedenfalls riesig darauf", betont sie.
Inzwischen ist Bettina Brachard, die vor allem den Teamgeist schätzt, als Zuspielerin zu einer Leistungsträgerin herangereift und befindet sich sogar im erweiterten Kader der deutschen Frauen-Nationalmannschaft, die von der Kulmbacherin Silke Eber trainiert wird. "Die nächste Frauen-EM findet im August in Bozen statt und ich gehöre zu den 15 Frauen, die sich regelmäßig zu Lehrgängen treffen", sagt sie voller Stolz. "Wenn es klappt und ich dann dabei bin, wäre das eine super Sache. Wenn nicht, bin ich auch nicht traurig." In der Vorbereitung auf die "Deutsche" wird vier Mal in der Woche trainiert

Von Karl Böck
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Veröffentlicht am 04.03.2015 09:58 Uhr




 

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