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Viererbob: Kagerhuber für WM nominiert

Aichach - Seine Mutter Christine ist der größte Fan des Bob-Anschiebers Matthias Kagerhuber. Wenn es ihr nicht zu weit ist, fährt die Affingerin zu den Eis-Labyrinthen in den Wintersportregionen, um ihren Sohn anzufeuern. Also wird sich die seit vier Jahren verwitwete Christine Kagerhuber in zwei Wochen auch auf den Weg an den Königssee machen, wo für den Filius am 25. und 26. Februar der bisherige Höhepunkt seiner Sportlerkarriere ansteht: die Weltmeisterschaft im Viererbob.

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Seit Montag weiß Matthias Kagerhuber, dass er den Schlitten des Piloten Johannes Lochner mit in die Eisrinne katapultieren wird, an Position zwei vor Joshua Blum und Bremser Christian Rasp. Teamintern sei das im Olympia-Stützpunkt unterm Watzmann ausgemacht worden, erzählt der 31-Jährige, der sich im Dezember bei den Anschieber-Tests in Oberhof noch einmal nachdrücklich für eine Nominierung empfohlen hatte. Bundestrainer René Spies musste die Entscheidung der Athleten nur noch absegnen.
Ob das Lochner-Quartett bei der Heim-WM als Bob Deutschland 1, 2 oder 3 firmieren wird, stehe noch nicht fest, tat Kagerhuber gestern Vormittag am Handy kund, als er in Schönau gerade auf dem Weg war zu einer Trainingseinheit. Unter dem Kommando des aus Paderborn angereisten Sprinttrainers Thomas Prange waren Sprünge und Kraftübungen angesagt.
Eigentlich galt die Lochner-Crew schon als Bob Deutschland 1, aber dann wurde sie am vergangenen Wochenende beim Weltcup in Igls noch vor dem ersten Lauf wegen zu warmer Kufen disqualifiziert. "Wir haben bis heute nicht herausgefunden, wie es dazu kommen konnte", beteuert Kagerhuber. Die Mutter war besonders enttäuscht, war sie doch extra an die Bahn der Olympischen Spiele von Innsbruck 1976 gekommen.
Dahin ist jetzt die formidable Ausgangsposition im Weltcup und damit die Chance auf die Kristallkugel sowie auf eine satte Prämie. Denn vor dem Wettbewerb in Igls lag Lochner auf Platz zwei und hätte eigentlich locker die Führung in der Gesamtwertung übernehmen können. Denn der auf Platz eins liegende Russe Aleksandar Kasjanow musste sich in Tirol mit Platz neun bescheiden. Es war überhaupt nicht der Tag der Deutschen. Francesco Friedrich (nur Vierter trotz überragender Startzeit) und Nico Walther (6.) schafften es nicht aufs Podest. Der Sieg ging an den Letten Oskars Lembardis vor dem Schweizer Rico Peter und dem US-Amerikaner Steve Holcomb. Im Gesamtergebnis ist Lochner hinter Friedrich und Blum auf Rang sieben zurückgefallen.
Trotz des Malheurs von Innsbruck gilt Lochner aber als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für den mondialen Titel. Denn die Generalprobe am Königssee hat der 27-Jährige mit seiner Mannschaft vor zwei Wochen gewonnen. Es war Kagerhubers erster Weltcup-Sieg. Dazu hat sich Lochner von seinem Sturz mit dem Zweierbob in St. Moritz und von einer Erkältung erholt. Kagerhuber, der in der neunten Saison Bobs anschiebt und im Sommer nebenbei für die LG Aichach-Rehling als Leichtathlet unterwegs ist, fühlt sich gerüstet für die bisher größte Herausforderung in seiner sportlichen Vita und ist optimistisch: "Nach unserer Leistung beim Weltcup am Königssee haben wir zumindest Chancen auf das Treppchen, wenn nicht sogar auf Gold."
Ab Montag, 20. Februar, wird es ernst für Kagerhuber und seine Teamkollegen. Dann beginnen nach dem Ende der Zweierbob-Wettbewerbe die Trainingsfahrten für die bis zu 80 000 Euro teuren Viererschlitten. Bei den WM-Läufen (wie bei den Olympischen Spielen deren vier, im Weltcup sind es nur jeweils zwei) wird Mutter Christine an der Eisrinne mitfiebern. "Obwohl die Konkurrenz groß ist, müssten sie es normal schaffen", sagt sie und ergänzt: "Schon wenn der Matthias eine Medaille holt, werde ich sehr stolz auf ihn sein." Lochner-Bob in Igls wegen zu warmer Kufen disqualifiziert

Von Heribert Oberhauser


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Veröffentlicht am 10.02.2017 07:57 Uhr




 

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