Inchenhofen    

Zucker und Ethanol

Inchenhofen/Ried (iko) Kürzlich gingen die Winterversammlungen des Verbandes bayerischer Zuckerrübenanbauer zu Ende. Die meisten Fragen während der Versammlungen betrafen die anstehende Anbauplanung für 2011, teilt der Verband mit. Viele Landwirte hätten sich dafür eine Absicherung über einen Mindestpreis gewünscht. Rückblickend erwirtschafteten die Rübenanbauer zehn Prozent weniger Ertrag, aber dafür stiegen die Absatzpreise.

Dr. Thomas Kirchberg, Vorstandsmitglied der Südzucker, fasste aus Unternehmenssicht die Kampagne zusammen: „Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen der abgelaufenen Kampagne können alle Beteiligten mit den Ertrags- und Abrechnungsbedingungen zufrieden sein.“

Ein nasser Frühling, ein heißer Sommer, ein frühes Einsetzen von Dauerfrost – leicht war das Jahr für die Rübenbauern nicht. Aber die Zuckerrüben, die über die Vertragsmenge hinaus erzeugt wurden, haben die Landwirte zu einem guten Preis verkaufen können. Diese positive Stimmung könne in 2011 zu einer Zunahme der Anbauflächen führen, sagte Dr. Rudolf Apfelbeck, Geschäftsführer des Verbands bayerischer Zuckerrübenanbauer. Nach einer ersten Auswertung der Saatgutbestellung sei eine Flächenausdehnung im oberen einstelligen Bereich anzunehmen.

Mit einer stabilen Nachfrage nach Zucker auch im Jahr 2011 rechnet Dr. Eberhard Krayl, Gebietsdirektor bei der Südzucker AG. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres habe das Unternehmen seinen Konzernumsatz um fünf Prozent auf 4,7 Millionen Euro gesteigert. Grund: Die Südzucker AG habe sich breiter aufgestellt, die Zuckerverarbeitung mache nur noch 54 Prozent aus. Südzucker profitiert von der allmählichen Einführung des Treibstoffs E 10 an den Tankstellen. Dieses Benzin hat einen Ethanolanteil von zehn Prozent. „Ziel ist, dass im Jahr 2020 in der EU zehn Prozent des Kraftstoffs aus erneuerbaren Rohstoffquellen stammen“, erläuterte Krayl. Südzucker produziert Bioethanol.

Die Anlagen zur Produktion von Bioethanol laufen laut dem Rainer Rübeninspektor Reiner Baumann auf Normleistung und verfügen über eine jährliche Kapazität von rund einer Million Kubikmeter Ethanol.

„Die Rübenanbauer aus der Region lagen im vergangenen Jahr mit an der Spitze in Deutschland.“ Erfreulich sei, dass der in der Kampagne 2010 erzeugte Zucker auf dem europäischen Markt und im Export vollständig abgesetzt werden könne. „Es ist nicht auszuschließen, dass es noch im laufenden Jahr zu einer Wandlung von Industriezucker zu Quotenzucker kommt, falls die EU-Eigenerzeugung von Quotenzucker und die zu erwartenden Importe den EU-Zuckerverbrauch nicht vollständig decken“, sagte Baumann. „Südzucker erhöht daher das Angebot zur Industrierübenabnahme von acht auf 20 Prozent.“

In Rain wurden laut dem Rübeninspektor an 101 Tagen 1,15 Millionen Tonnen Rüben zu 184 000 Tonnen Zucker verarbeitet. Knapp 1100 Landwirte aus der weiteren Region bringen ihre Zuckerrüben zur Zuckerfabrik nach Rain. Jeder zehnte Rübenlieferant (rund 300) kommt aus dem Landkreis Aichach-Friedberg.

Der Ertrag lag unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt und 14 Prozent unter dem Vorjahreswert: 70,9 Tonnen Rüben pro Hektar mit einem Zuckergehalt von 17,8 Prozent brachten 1,3 Tonnen bereinigten Zuckergehalt pro Hektar.



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Veröffentlicht am 21.02.2011 17:21 Uhr




 

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