Inchenhofen    

Mittelschulverbund: Das alternativlose Ja

Inchenhofen/Pöttmes – Schulamtsdirektor Alois Lechner war am Dienstagabend fast wie ein Vertreter unterwegs. Zuerst brachte er im Pöttmeser Gemeinderat den Mittelschulverbund „Wittelsbacher Land Nord“ in trockene Tücher, im Anschluss stand er dem Inchenhofener Marktgemeinderat Rede und Antwort. Auch dort wurde die künftige Kooperation der Hauptschulen in Hollenbach, Aindling und Pöttmes einstimmig abgesegnet.

Viel war von „Augenhöhe“ die Rede, von einem fairen Umgang der Partner während der Verhandlungen – und von einem guten Kooperationsvertrag, der sich sehen lassen könne. „Wir sind zusammengewachsen“, betonte Bürgermeister Karl Metzger, der den Verbund wie Alois Lechner als tragfähige, in die Zukunft gerichtete Lösung bewertete.

Die Zahlen untermauern dies. Etwa 530 Schüler wird der Mittelschulverbund „Wittelsbacher Land Nord“ zum Start im September nächsten Jahres zählen. Für das Jahr 2015 wird mit etwa 100 Schülern weniger kalkuliert. Das reicht immer noch locker. Die Mindestgrößte für einen funktionierenden Mittelschulverbund liegt bei 300. Momentan sei Pöttmes die kleinste Schule im Verbund. Weil aber starke Jahrgänge anstehen, werde man Hollenbach bald überholen, meinte Pöttmes’ Bürgermeister Franz Schindele.

Wie es langfristig weitergeht, steht freilich auf einem anderen Papier. Wie der Schulamtsdirektor einmal mehr klar machte, sei es letztlich nur eine Frage der Zeit, wie lange sich kleine einzügige Hauptschulen noch halten können. Stichworte: demografischer Wandel und ungebrochene Anziehungskraft der weiterführenden Schulen.

Überaus positiv bewertete Alois Lechner in diesem Zusammenhang die Ansiedelung der Wirtschaftsschule in Pöttmes (wir berichteten). Grundsätzlich sehe er solche Bestrebungen nicht sehr gern, aber in diesem Fall sei es eine klare Aufwertung für die Region. Eine unmittelbare Gefährdung des Aindlinger M-Zweigs bestehe nicht, da die Schule am Lechrain genügend Schüler habe, um den M-Zug eigenständig zu füllen. Außerdem könnten mit dem Wirtschaftsschulkonzept auch die Stufen fünf und sechs an der Pöttmeser Hauptschule gestärkt werden, meinte der Schulamtsdirektor. Sie werde Kinder vor Ort halten und räume auch den Leahadern zusätzliche Möglichkeiten ein, widersprach Lechner einem Einwand von Josef Sedlmeir, der den M-Zug in Gefahr sah.

Sachaufwandsträger für die Wirtschaftsschule wird der Landkreis sein. Pöttmes stellt Räume in der Hauptschule für eine Aufwandsentschädigung zur Verfügung. „Wer nicht sicher ist, ob sein Kind auf die Realschule gehen soll, wird es eher bei uns lassen, wenn wir die Möglichkeit der Wirtschaftsschule (Klassen 8 bis 10) in Pöttmes bieten“, warb Schulleiterin Brigitte Beck für das Projekt.

Einstimmig gab der Pöttmeser Gemeinderat am Dienstag seinen Segen. Noch im Dezember wird der Kreistag darüber befinden, denn wenn das Projekt nicht im kommenden Jahr an den Start gehe, sei es nicht mehr zu verwirklichen, erklärte Schindele.

Im Inchenhofener Sitzungssaal wurde der alte Nadelfilzboden durch Parkett ersetzt. Eine Maßnahme, die sich symbolisch auf die Stimmung in beiden Gemeinderäten übertragen lässt. Weder in Pöttmes, wo man noch ein wenig dem geplatzen Verbund mit Ehekirchen nachtrauerte, noch in Inchenhofen wurde dem Mittelschulverbund der rote Teppich ausgerollt. Mangels Alternative freute man sich dennoch unisono über die Lösung mit Hollenbach, Aindling und Pöttmes.

Auf Nachhaken von Heinrich Schoder und Rainer Tremmel ließ der Schulamtsdirektor in Inchenhofen keinen Zweifel daran, dass er den ursprünglich anvisierten Verbund mit Kühbach, Hollenbach, Sielenbach und Aichach lieber gesehen hätte.

„Das wäre die bessere Alternative für alle Seiten gewesen. Aichach hat uns in den Verhandlungen aber ziemlich schroff klar gemacht, dass sie nur mit Kühbach kooperieren wollen“, so Lechner. Die Ängste der Paarstadt, zu viele Schüler abgeben zu müssen, seien derweil unbegründet gewesen.

Lechner bestätigte Verwaltungschef Paul Oberndorfer, dass es für Inchenhofen auch die Möglichkeit gegeben hätte, sich vom Schulverband mit Hollenbach zu lösen und Gastschüler nach Aichach zu schicken. Die sei allerdings rein theoretischer Natur. Einer für diesen Fall notwendigen Sprengeländerung hätte die Regierung nach Einschätzung des Schulamtsdirektors niemals zugestimmt: „Weil sonst die Schule in Hollenbach existenziell gefährdet gewesen wäre.“

Unterm Strich sahen alle Beteiligten mit der nun gefundenen Lösung „alle Chancen für die Zukunft“ gewahrt. Eine Kostenexplosion sei nicht zu befürchten, verwies Alois Lechner auf den Kooperationsvertrag, der allein angesichts bestehen bleibender Sprengel eventuellem Schülertourismus vorbeugt und die Ausgaben für alle Beteiligten niedrig hält.

Dass Inchenhofen zwar die meisten Schüler nach Hollenbach schickt, aber selbst nicht in der Verbundversammlung vertreten ist, sollte nach Ansicht von Bürgermeister Karl Metzger keinerlei Problem darstellen: „Das ist ein sehr gutes Miteinander. Alle Beteiligten reden auf Augenhöhe miteinander.“

Von Robert Edler und Verena Golling



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Veröffentlicht am 24.11.2010 16:55 Uhr




 

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