Inchenhofen    

Der Blick in die Zukunft

Inchenhofen (kab) Auf einem Mittelaltermarkt tummeln sich die unterschiedlichsten Gestalten. Von Gauklern, über Schmuckverkäufer bis hin zu Schmieden, die die Besucher mit ihren glühenden Eisen faszinieren. Inmitten all der skurrilen Figuren gehört zu einem wahren Mittelalterfest aber auch das Mystische. In Zeiten, in denen die Pest wütete und die Menschen noch sehr abergläubisch waren, florierte der Berufsstand der „Hucker“.

<p>Der Blick in die Zukunft </p>

Die mittelalterlichen Kolonialwarenhändler waren mit ihren Heilelexieren und ihrem großen Sortiment an alltäglichen Gebrauchsgegenständen ebenso begehrt, wie für ihre Kenntnisse in der Kunst des Wahrsagens. Evelyn Reinl und Dorothea Dudek bringen diese Kenntnisse zurück in die Gegenwart.

Ihr Stand „Hucker“, den sie auf dem Mittelalterfest in Inchenhofen aufbauen, beherbergt neben Holzhandwerk, wie den selbstgemachten Servier- und Brotzeitblöcken aus einheimischem Inchenhofener Holz, auch viele Heilmittel.

Evelyn Reinls Leahada Kräuterschnaps gehört an diesem Stand zu den Spezialitäten. Das Elixier, das vor allem gegen Magenverstimmungen helfen soll, besteht hauptsächlich aus Pfefferminze und Zitronenmelisse. Die beiden „Kräuter“-Frauen haben sich für ihre spezielle Mixtur auch einen passenden Spruch ausgedacht: „Er erwärmt das Gedärm, vertreibt das Getier und schlechte Gerüche in dir“. Einer Wirkung dürfte also nichts mehr im Wege stehen.

Neben den Rezepturen, die dem Vorbild der Hildegard von Bingen folgen, befasst sich Dorothea Dudek mit Symbolik, Numerologie und Astrologie. Mit ihren Karten, die ihren Ursprung im alten Ägypten haben, sieht sie nicht nur das Vergangene ihrer Besucher, sondern blickt auch in deren Zukunft. Wer neben Wahrsagerei, Türharfen und handgefertigten Stofftaschen auch eine kleine Stärkung sucht, ist am Stand der Hucker ebenso richtig: Selbstgemachte „Nervenkekse“ warten darauf, verkostet zu werden. Der Stand verspricht also mit allerlei Vielfalt zu glänzen.

Nach einem Jahr Vorbereitung und einem neu gebauten Zelt, kann das Mittelalterfest in Inchenhofen für die Kolonialwarenhändler kommen. Alles was der Besucher hier findet, ist selbstgemacht. „Die Hucker verwendeten, was die Natur hergibt“, so Reinl.

Hinter dem Verkaufsstand wird das Zelt der Wahrsagerin stehen, und auch in Zeiten in denen die Pest nicht mehr wütet und die Menschen nicht mehr ganz so abergläubisch sind, wie noch vor mehr als 500 Jahren, werden an diesem mittelalterlichen Wochenende wohl einige neugierige Besucher den Weg zum Zelt finden, in dem sich ihre Zukunft vielleicht etwas greifbarer machen lässt. „Eine Garantie gibt es jedoch nicht“, so die Wahrsagerin Dorothea Dudek, „denn jede Entscheidung kann den Lebensweg neu prägen und in andere Bahnen lenken“.

Wem das Ganze doch zu esoterisch ist, der erfreut sich lieber an Holzhandwerk, Heilmitteln oder probiert den Leahada Schnaps. Es dürfte aber in jedem Fall für alle Neugierigen etwas dabei sein, denn die „Hucker“ erfreuten damals, wie auch heute, mit einem äußerst weitläufigen und breitem Sortiment.

<p>Der Blick in die Zukunft </p>

Veröffentlicht am 02.09.2010 16:42 Uhr


 

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