Inchenhofen    

Das Familientreffen

Inchenhofen – Interessieren sich die Bürger nicht mehr für die Politik vor Ort? Fast hätte man es glauben können, als Inchenhofens Gemeindeoberhaupt Karl Metzger am Dienstagabend die diesjährige Bürgerversammlung eröffnete. Gerade mal 30 Zuhörer – inklusive Gemeinderäte – verloren sich im Voglbräu-Saal. So wurde die sehr wohl interessante kommunalpolitische Jahresvorschau fast zu einem „Familientreffen“.

 

Das wiederum passt eigentlich sehr gut zu Leahad, denn der Wallfahrtsort ist ausgesprochen „kinderfreudig“, wie Metzger stolz darlegte. Fast vier Prozent der Marktbewohner sind unter drei Jahre alt. Der Spitzenwert im gesamten Wittelsbacher Land. Zwar gab es im abgelaufenen Jahr nur 21 Geburten, doch heuer waren bis Ende Februar bereits wieder elf zu verbuchen. Auch langfristig werden in Inchenhofen hohe Kinderzahlen erwartet, so dass die neue Kindertagesstätte, in der vier Kindergarten- und zwei Krippengruppen untergebracht werden, stets ausgebucht sein wird. Metzger verteidigte die millionenschwere Investition, für die derzeit die Pläne erstellt werden. Zwei Varianten – ein Satteldachbau sowie eine Kombination aus Flachbau und Pultdachanbau – wurden im eigens gegründeten Ausschuss diskutiert, nun soll der Architekt noch einen dritten Vorschlag erarbeiten. Die Zeit drängt, bis Ende April müssen die Zuschussanträge gestellt sein. Wie ausführlich berichtet, wird der Neubau – lediglich die Turnhalle des bestehenden Kindergartens wird nicht abgerissen – zwei Millionen Euro kosten. Mit 690 000 Euro ist die Gemeinde dabei, der Rest kann über Zuschüsse abgedeckt werden.

Anton Moll und ein weiterer Zuhörer begrüßten den Neubau, nicht anfreunden konnten sie sich allerdings mit dem Standort. Eine Kindertagesstätte wäre ihrer Meinung nach wesentlich besser im Bereich der Schule angesiedelt. Dort stünde mehr Platz zur Verfügung, könne das Bildungsangebot besser vermittelt werden. Karl Metzger räumte ein, dass das Grundstück am bestehenden Kindergarten nicht unbedingt groß sei und sich insbesondere die Parkplatzfrage dort nicht perfekt lösen lasse. Das Areal reiche allerdings in jedem Fall für einen modernen Kindergarten aus, der allen Ansprüchen im Sinne der Kinder gerecht werde. Abgesehen davon hätte ein Abrücken vom jetzigen Standort einen Verlust des Zuschusses aus dem Konjunkturpaket bedeutet. „Ich stehe zu unserer Entscheidung“, unterstrich der Bürgermeister.

Die weiteren Themen im Überblick:

Schule: In Inchenhofen gibt es nur noch die Grundschule, die man möglichst lange erhalten möchte. Angesichts der Kinderzahlen sieht Bürgermeister Metzger diesbezüglich auch kein Problem. Was die Hauptschule anbelangt, so ist Leahad Teil eines Schulverbandes mit Hollenbach. Wohin es den Verband im Zusammenhang mit der Hauptschulreform – Stichwort: „Mittelschule“ – zieht, das sei völlig offen. Der Bürgermeister machte zumindest deutlich, wo die Präferenzen liegen: „Aichach wäre das Beste für uns.“ Wie Metzger ausführte, habe es ein erstes lockeres Gespräch mit Bürgermeister Klaus Habermann und der Leitung der Geschwister-Scholl-Hauptschule gegeben, bei dem man das Interesse bekundet habe. Allerdings sei klar, dass Aichach eigentlich keinen Partner bräuchte. Als Alternative bliebe die „Nord-West-Variante“ mit Affing, Aindling und Pöttmes. In jedem Fall müssten sich die Schüler künftig auf weitere Wege einstellen.

Kirchenrenovierung: Heuer wird die Gemeinde kein Geld in den Haushalt für die diversen Kirchenrenovierungen einstellen. Grund: Nach Lage der Dinge werden weder die Kirchenmauern in Sainbach und Ainertshofen, noch die Wallfahrtskirche in Inchenhofen angepackt. Die Diözese hat kein Geld. Wie Pfarrgemeinderatsvorsitzender Hans Schweizer am Rand der Bürgerversammlung erklärte, werde hoffentlich im nächsten Jahr etwas gehen.

Straßenbau: Schlechte Nachrichten gab es vom Landkreis. Demnach wird es heuer doch nichts aus der angepeilten Sanierung der Kreisstraße AIC 1 vom Kreisverkehr bei Walchshofen bis nach Leahad. Auch hier fehlen die Mittel, eine vorzeitige Baufreigabe vom Staat steht aus. Geteert wird indes von der Gemeinde der Ortsverbindungsweg von Leahad nach Reifersdorf. Für diesen Lückenschluss auf dem Weg nach Unterbernbach gibt’s Zuschüsse aus EU-Mitteln. Der Grund: Die Trasse ist Teil des Jakobus-Pilgerweges. Auf Teer marschiert sich’s halt leichter. Deckenverstärkungen sollen im Haushalt für die Zufahrt nach Arnhofen, die Verbindung der Kreisstraße nach Taxberg und für den Auweg eingestellt werden.

Jugendtreff: Die behördlichen Genehmigungen für den Jugendtreff auf dem TSV-Gelände sind da, jetzt soll das Projekt möglichst schnell umgesetzt werden. Metzger hofft auf die tatkräftige Mitarbeit der Eltern und Jugendlichen bei der Gestaltung und Einrichtung.

Abwasser: Rund 200 000 Euro muss die Marktgemeinde für mehrere Regenüberlaufbecken ausgeben. Vorgesehen sind solche Erdbecken in Ainertshofen, Ried, Ober- und Unterbachern sowie in Ingstetten.

Winterdienst: Eine Lanze für seine Bauhofmitarbeiter brach der Bürgermeister im Zusammenhang mit dem Winterdienst. Allesamt seien sehr bemüht, es werde stets versucht, niemanden zu benachteiligen, reagierte Metzger auf Beschwerden. Der Gemeindechef hofft, dass der Winter sich nicht mehr all zu sehr zurückmeldet: Das Salzlager ist leer.

Bauplätze: Die Gemeinde hat ihre Bauplätze inzwischen alle verkauft. Nun soll wieder eine kleine Reserve für Einheimische geschaffen werden. Im Bereich des Antoniusweges sollen zwölf Parzellen ausgewiesen werden.

Statistik: Die Marktgemeinde Inchenhofen zählt derzeit knapp 2500 Einwohner. Der Schuldenstand betrug zum Ende des vergangenen Jahres 1,1 Millionen Euro. Das entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von 457 Euro.

Von Robert Edler


Veröffentlicht am 03.03.2010 16:58 Uhr


 

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