Hollenbach    

Kirchenmusik und Kapelle

Aichach – Sogar zeitgenössische Abschriften von Werken Mozarts um 1780/90 befinden sich unter dem gewaltigen Fundus an Kirchenmusikalien der Stadtpfarrei Aichach, berichtete Stadtarchivar Christoph Lang, als er beim Geschichtsstammtisch des Heimatvereins Aichach im Gasthof Specht über neue Funde zur Aichacher Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts sprach. Die Entstehungsgeschichte der Marienkapelle bei Hollenbach und das frühere Brauchtum am „Bointog“ dort vermittelte mit Bildern Gerhard Grimm aus Hollenbach anschließend seinen Zuhörern.

<p>Kirchenmusik und Kapelle </p>

Bei Forschungen über den Augustinerchorherrn Matthäus Fischer (1763 bis 1840), der ein bedeutender Komponist war, stieß der Aichacher Stadtarchivar auf die Tatsache, dass von ihm auch Werke in Aichach erhalten seien. Unter den vielen handschriftlichen Musikalien der Aichacher Stadtpfarrkirche fand sich ein Autograph Fischers. Lang konnte auch einen fast vergessenen Teil der vielen Notenblätter im Dachboden der Stadtpfarrkirche ausfindig machen.

Da die Kirchenmusikalien aus der Zeit von etwa 1800 bis 1900 schon früher in der Bayerischen Staatsbibliothek in München katalogisiert worden waren, wurden jetzt auch die neu aufgefundenen Noten aus der Zeit von etwa 1900 bis 1950 dort verzeichnet. Der Bestand an Musiknoten, die großenteils vom Kirchenchor und von Orchestern in einem Zeitraum von etwa 150 Jahren in der Kirche aufgeführt wurden, umfasst die bedeutende Menge von zwölf laufenden Metern. Dabei fallen allein auf das erste Jahrhundert seit etwa 1800 rund 900 Titel. Der Katalog hat einen Umfang von über 200 Seiten. Darin sind auch Kompositionen der Aichacher Organisten und Chorregenten Stichaner Vater und Sohn aus dem 19. Jahrhundert zu finden.

Wie sich der Musikgeschmack im Laufe der Zeit immer wieder änderte, zeigt die Beurteilung vieler Kompositionen durch Chorregent Alexander Klais, der darüber 1956 im „Aichacher Heimatblatt“ schrieb. Ihm waren nur klassische Werke von Haydn oder Mozart höchstes Gut. Manch andere beurteilte er mit „naiv“, „Fabrikware“ oder „Lärmmusik“. Stadtarchivar Lang würde gerne wieder einmal das eine oder andere Werk der Aichacher Chorregenten Stichaner aus dem 19. Jahrhundert aufführen, da viele ältere Werke heute wieder geschätzt werden. Die öfter beiliegenden Programmzettel zeigen unter anderem, dass noch im April 1945 in Aichach wenige Tage vor Kriegsende unter Chorregent Klais eine große Grabmusik am Karfreitag aufgeführt wurde.

Gerhard Grimm wollte mehr über die südlich von Hollenbach auf einer Anhöhe liegende Marienkapelle wissen. Im Staatsarchiv München fand er in den Akten des Bezirksamts Aichach die nötige Aufklärung. Erbauer der Kapelle war der Bauer Paul Rigl aus Schönbach.

Er kam aus Todtenweis und übernahm einen großen Hof in Schönbach. Bald war er in der ehemaligen Gemeinde Bürgermeister und zudem ein begeisterter Jäger. Von den zehn Kindern der Familie überlebten nur zwei. Sein Sohn Michael Rigl heiratete 1890 nach Arnhofen bei Inchenhofen. Der Bauplan der Kapelle von Maurermeister Müller aus Aichach stammt von 1871. Anfangs wollte das Bezirksamt den Bau nicht genehmigen und hielt die Kapelle für einen möglichen Unterschlupf von Gesindel. Schließlich erhielt Rigl doch die Genehmigung mit der Auflage, die Kapelle nur an Sonntagen geöffnet zu halten.

Da der im Plan eingezeichnete Altar amtlich beanstandet wurde, kaufte Rigl kurzerhand bei einem Händler in Augsburg einen kleinen barocken Altar.

Grimm erforschte auch das religiöse Brauchtum, das früher mit der Kapelle verbunden war. Einst gingen die Jungfrauen an ihrem „Bointog“ zur Kapelle und beteten dort einen Rosenkranz. Früher bezeichnete man den Tag der Standesbeichte und Standeskommunion als „Palmtag“. Vermutlich war ursprünglich der Palmsonntag vor Ostern der Tag, an dem die katholische Bevölkerung ihre religiösen Pflichten zu beichten und zu kommunizieren erfüllte, getrennt nach Ständen. Die nach der Flurbereinigung verschwundenen Totenbretter an der Kapelle aus dem 19. Jahrhundert konnte Grimm inzwischen wieder ausfindig machen.

Die Kapelle ist neuerdings renoviert, auch ein früher dort stehendes Feldkreuz wieder aufgestellt. Ein Kapellenbuch zeigt zahlreiche Einträge frommer Besucher. Die Kapelle ist auch bekannt durch eine große gegossene Christusfigur, die ein Heimatfreund dort aufgestellt hat.



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Veröffentlicht am 23.03.2011 18:24 Uhr




 

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