Hollenbach    

Drei Jahre für Mainbacher Benzindieb

Aichach (beh) Von einem „Schreck fürs Leben“ spricht die Betreiberin der Mainbacher Tankstelle noch heute. Im April letzten Jahres hatte ein Mann über 80 Liter getankt und wollte losfahren, ohne zu bezahlen. Als sich die 39-Jährige ihm in den Weg stellte, fuhr er direkt auf sie zu, die Frau rettete sich mit einem Sprung auf die Seite. Gestern verurteilte das Aichacher Schöffengericht unter Richter Thomas Konopka einen 60-jährigen Rentner deswegen zu einer Haftstrafe von drei Jahren.

Das Gericht war überzeugt, dass der Mann am 27. April zunächst das Nummerschild eines Opel Corsa, der an einem Parkplatz am Friedberger Baggersee abgestellt war, gestohlen hat – gleich neben dem Parkplatz hat der Angeklagte eine Laube in einer Kleingartensiedlung. Das Kennzeichen hat er dann an einem Mercedes-Geländewagen befestigt, fuhr an die Tankstelle und machte den Wagen voll – genau beobachtet von der Betreiberin, der der Mann verdächtig vorgekommen sei, wie sie gestern sagte. Was sich dann bestätigte. Allerdings war sich die Frau wegen des Fahrzeug-Typs unsicher – ein älterer, grauer Geländewagen sei es gewesen. Erst Wochen später, als sie den gleichen Typ – einen Mercedes der G-Klasse – zufällig wieder sah, konnte sie genauere Angaben machen.

Die Ermittlungen der Polizei führten dann schnell zu dem Angeklagten, der alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist: Seit 1967 hat er 24 Vorstrafen angesammelt, von Diebstahl über Betrug und Urkundenfälschung bis zu Amtsanmaßung. Mehrere Male saß er im Gefängnis, gegen ihn wurde sogar eine Sicherheitsverwahrung verhängt, die später zur Bewährung ausgesetzt wurde. Als er den Benzindiebstahl beging, stand er ebenfalls unter offenener Bewährung.

Der Mercedes gehörte seiner Lebensgefährtin, von der er zum Tatzeitpunkt aber schon wieder getrennt lebte. Die sprach vor Gericht von „unendlichen Lügengeschichten“, die der Mann aufgetischt habe. Unter anderem habe er behauptet, für eine deutsche Universität in Ecuador gearbeitet zu haben und dort ein großes Vermögen zu besitzen, an das er aber nicht rankomme. Auch von einer Villa auf einer Insel sprach er, die Frau zahlte ihm sogar die Flüge für angebliche Inspektionsreisen dorthin.

Zum Tatzeitpunkt lebte er aber von Hartz IV, der Mercedes brauchte 17 Liter auf 100 Kilometer, für Konopka ein klares Motiv für den Benzindiebstahl. Als die Ermittlungen wegen des Vorfalls eingeleitet waren und sein Führerschein vorsorglich eingezogen worden war, erwischte die Polizei den 60-Jährigen auch noch zwei Mal beim Fahren ohne Fahrerlaubnis.

Für Verteidiger Moritz Bode allerdings konnte der Nachweis nicht geführt werden, dass sein Mandant die Tat begangen hat. Er stützte sich vor allem darauf, dass die Tankstellenbetreiberin ihn auf einem Foto bei der Polizei nur zu „60 bis 70 Prozent“ identifiziert hatte und im Gerichtssaal zunächst nicht wieder erkannte – später war sie jedoch überzeugt, dass er der Täter war.

Für Konopka war die Angelegenheit jedoch klar: „Natürlich kann jemand, der zufällig so aussieht wie Sie und zufällig das gleiche Auto fährt, die Tat begangen haben, und natürlich kann das Kennzeichen zufällig neben Ihrer Gartensiedlung geklaut worden sein“, meinte er zu dem Angeklagten. „Aber an so viele Zufälle glaubt das Gericht nicht, es ist überzeugt, dass Sie es waren.“



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Veröffentlicht am 15.03.2011 16:57 Uhr




 

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