Hollenbach    

Die Wurzeln kennen lernen

Mainbach – Von Türmen, Ortsadligen und „Sedlhöfen“ im Hollenbacher Gemeindegebiet weiß Günter Schulz aus Mainbach jede Menge zu berichten. Er ist Sprecher des Arbeitskreises Geschichte, Bildung, Kultur. Ziel des Dorferneuerungs-Arbeitskreises ist es, eine Ortschronik in Form eines Buches zu erstellen. Erste Kapitel nehmen Form an. An den Dienstagen, 22. Februar und 1. März, stellt Günter Schulz seine ersten Forschungsergebnisse vor.

<p>Die Wurzeln kennen lernen </p>

Überschrieben ist der Vortrag, der in zwei Teile aufgeteilt ist, mit „Das Benediktinerkloster St. Ulrich und Afra zu Augsburg als Grundherr in Hollenbach, Schönbach und Mainbach“. Allerhand Wissen, Fakten, Zahlen, Urkunden und Fotos hat Schulz dabei verarbeitet. Weil Geschichte den Ruf hat, staubig und trocken zu sein, hat Schulz zusammen mit Alois Lechner, der ebenfalls im Arbeitskreis mit arbeitet, eine Powerpoint-Präsentation erstellt. Alte Fotos von verschiedenen Anwesen im Gemeindegebiet sind da beispielsweise zu sehen. Manche stehen schon längst nicht mehr, andere kann man noch erkennen. Interessant sind auch die alten Landkarten: Da sind zum Beispiel große Seen bei Hollenbach zu erkennen. Heute ist von den Wasserflächen nichts mehr übrig. Genau so wenig wie vom Turmhügel bei Motzenhofen. „Da muss einst eine Burg gestanden sein“, vermutet Schulz. Der Hügel sei während der Flurbereinigung „platt gemacht“ worden.

Auf Überraschendes ist Günter Schulz bei seinen Recherchen in den Archiven, zum Beispiel in München und in Augsburg, gestoßen – und auch auf Irrtümer. So seien beispielsweise manchmal die Ortschaften verwechselt worden, es gibt schließlich noch ein Hollenbach bei Freising, gibt Schulz zu bedenken. Manche Irrtümer haben sich lange gehalten, der eine Historiker stützt sich auf den andern. Deswegen heißt Schulz’ Motto: „Zurück zu den Quellen.“

Geschichte als Hobby hat der dreifache Vater erst 1983 entdeckt. Zur 100-Jahr-Feier der Mainbacher Feuerwehr 1985 sollte eine Festschrift erstellt werden. „Da musste sich halt jemand bereit erklären“, sagt er, „ich bin da hängen geblieben. Inzwischen ist daraus fast eine kleine Sucht entstanden.“ Nun verbringt der 57-jährige Maurer viele Stunden, ja Tage und Wochen, mit dem Studium von Urkunden und alten Dokumenten. Zahlreiche Bücher hat er sich kopiert, unzählige Urkunden entziffert. Bei Übersetzungen holt er sich gerne Hilfe, zum Beispiel bei Heimatpfleger Rudolf Wagner.

Gesammelt wurde von den Mitgliedern des Arbeitskreises bereits Vieles. Jeder habe so sein Steckenpferd, erzählt der Arbeitskreis-Sprecher. Um die Schulgeschichte kümmere sich beispielsweise Rupert Reitberger, um die Feldkreuze Gerhard Grimm. Viele Bürger haben alte Fotos oder Urkunden über Hofübergaben zur Verfügung gestellt, sogar eine 200 Jahre alte Heiratsurkunde sei darunter gewesen, schwärmt der Amateur-Heimatforscher. Ein großer Wunsch von Schulz ist ein Raum, wo historische Gegenstände aufbewahrt werden können. Beim Aktionstag in Mainbach habe man ja gesehen, dass viele alte Gerätschaften oder Fahrzeuge noch vorhanden sind, aber „mit der Zeit wird so etwas halt weggeschmissen“. Ein Gebäude wie die Alte Dorfwirtschaft in Hollenbach ist nach Schulz’ Ansicht optimal. Er träumt von einer Art kleinem Heimatmuseum. Da könnte man alte Fotos ausstellen, ein Trachtenzimmer einrichten, vielleicht Volkstanzabende oder ähnliches veranstalten… „Aber das muss von der Bevölkerung kommen. So etwas muss wachsen“, ist er überzeugt.

Wachsen muss auch noch das Buch. Der Arbeitskreis verfolgt als Termin für die Veröffentlichung das Jahr 2021. „1021 wurde Mainbach erstmals erwähnt, wir könnten dann vielleicht eine 1000-Jahr-Feier machen.“ Bis dahin steht noch jede Menge Arbeit an: Die Aufarbeitung der Flurnamen sei in letzter Zeit „fast ein bisschen vernachlässigt worden“, weil andere Themen Vorrang hatten, das Archiv in der Gemeinde müsse einmal gesichtet und aufgearbeitet werden. „Man muss halt immer noch Freude dabei haben“, sagt der Hobby-Historiker. Seine Freude ist unübersehbar, wenn er erzählt.

Von Ines Speck



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Veröffentlicht am 18.02.2011 15:49 Uhr




 

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