Hollenbach    

Franzosen im Gefängnis

Hollenbach (PKH) Deutschlandfahnen an den Autos – zu Zeiten der Fußballweltmeisterschaft nichts ungewöhnliches. Doch eine deutsche und eine französische Fahne an jeder Seitenscheibe, das war in den vergangenen Tagen in Hollenbach ein besonderes Signal: Besuch aus Frankreich war wieder angesagt.

<p>Franzosen im Gefängnis </p>

Soziale Themen standen im Mittelpunkt des diesjährigen Programms, das von der EU mit Zuschüssen bedacht wurde. Das Jahr 2010 war von Brüssel als das „Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ deklariert worden und unter diesem Thema gestaltete das Partnerschaftskomitee Hollenbach einen Teil des diesjährigen Programms.

Wie geht die „région“, also der Landkreis Aichach-Friedberg, mit der Armut um, was wird gegen soziale Ausgrenzung unternommen? Diese Frage stellte sich das Organisationsteam schon zu Beginn des Jahres. Die Tafel und das Gebrauchtwarenkaufhaus FairKauf sind gelungen Beispiele in unserem Umkreis, die zur Bekämpfung der Armut einen großen Beitrag leisten. Diese Institutionen der Caritas wären noch vor 20 Jahren in Aichach undenkbar gewesen.

Beide Einrichtungen wurden den französischen Gästen am Freitag vor Ort und im Rahmen einer Podiumsdiskussion zu diesen Themen am Dienstag von Rosy Lutz und Andreas Reimann von der Caritas vorgestellt. Hilfen bei der Integration der Migranten in Aichach stellte Rupert Reitberger in dieser Diskussionsrunde vor. Weitere Bereiche der Hilfen zur Vermeidung oder Minderung der Armut wurden angesprochen und mit Einrichtungen in Frankreich verglichen: die Schuldnerberatung oder das Essen auf Rädern.

Aber das Thema „Armut“ war nur ein Bereich des Programms. Ein weiterer Punkt war die Bekämpfung sozialer Ausgrenzung. In Wittelsbacher Land stellte das Partnerschaftskomitee den französischen Gästen zwei Einrichtungen vor, die sich um Betroffene kümmern, um sie vor noch größerer sozialer Ausgrenzung zu schützen: Die Behinderten der Ulrichswerkstätten in Aichach und Insassen der JVA Aichach, die auf ein Leben „danach“ vorbereitet werden. Begeistert wurden die französischen Gäste von den Behinderten in der UWA begrüßt, die ihren letzten Arbeitstag vor dem lang ersehnten Urlaub bewältigten. Nach der Besichtigung der verschiedenen Werkstätten und der einzelnen Arbeitsgruppen durften die interessierten Gäste aus dem Nachbarland noch Fragen stellen.

Die JVA stand am Nachmittag auf dem Programm. Die Besucher staunten über die Möglichkeit, Schulabschlüsse während des Strafvollzugs nachholen und verschiedene Ausbildungsberufe erlernen zu können. Beim Ablegen des QA, des Qualifizierenden Hauptschulabschlusses, arbeitet die Schule der JVA schon seit mehreren Jahren sehr erfolgreich mit der Hollenbacher Schule zusammen. Außerdem ermöglicht die JVA den Insassen auch durch Tätigkeiten in den Arbeitsbereichen Bäckerei, Wäscherei, Gärtnerei oder der Kfz-Werkstätte, Geld zu verdienen, das ihnen einen Start außerhalb der Gefängnismauern erleichtert. Ein anschließender Spaziergang durch das FairKauf beendete das Tagesprogramm und so manches kleine Stück wechselte zu äußerst günstigen Preisen den Besitzer, nachdem das Arbeitslosenprojekt von den Verantwortlichen vorgestellt worden war.


Veröffentlicht am 05.08.2010 17:16 Uhr


 

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