Hollenbach    

Bollwerk gegen Photovoltaik: Igenhausener sagen Nein

Igenhausen - Die Gemeinde Hollenbach ist nicht gerade dafür bekannt, dass auf ihren Fluren recht viel regenerative Energie erzeugt wird. "Im Landkreisvergleich rangieren wir im hinteren Drittel", weiß Bürgermeister Franz-Xaver Ziegler. Jetzt bestünde die Möglichkeit, einen großen Schritt nach vorne zu machen. Mit den Energiebauern aus Sielenbach und der Aichacher Sonnenenergie GmbH gibt es gleich zwei Kandidaten, die zwischen Igenhausen und Hirschbach einen Solarpark bauen wollen.

pv-hirschbach-al

Die Igenhauser Alm platze beinahe aus allen Nähten, als am Donnerstagabend die beiden Geschäftsführer der Projektanten ihre Projekte vorstellten, die sie mindestens 20 Jahre "oder auch länger" betreiben wollen. Die Anlage der Energiebauern soll etwa 8,5 Hektar groß werden und die der Sonnenenergie GmbH elf Hektar. Mit der bereits dort vorhandenen Photovoltaikanlage sind es dann rund 36 Hektar, auf denen umweltfreundlich Energie erzeugt werden könnte. "Irgendwo müssen die Anlagen stehen, wenn man mit der Energiewende weiterkommen will", betonte Martin Bichler von den Energiebauern.
Nach ihren Ausführungen bekamen die Geschäftsführer noch Applaus. In der anschließenden Diskussionsrunde, durch die Bürgermeister Ziegler führte, gerieten sie jedoch unter Beschuss. Insbesondere die Jäger beklagten, dass ihnen Jagdgebiete verloren gehen würden. Damit die Module nicht zerstört werden, müsse man "unheimlich aufpassen, wohin man schießt", klagte ein Jäger.
"Ich bin gegen die Atomkraft, dennoch habe ich ein moralisches Problem mit dieser Riesen-Anlage, weil dadurch bestes Ackerland zerstört wird. Wo sollen künftig unsere Lebensmittel herkommen?", machte eine Frau ihrem Unmut Luft. Eine Hirschbacherin befürchtete, dass sie von der Anlage geblendet wird, "bis der letzte Sonnenstrahl untergeht".
"Wir Hirschbacher sehen nur noch Photovoltaik, wo wir auch hinschauen. Wir Hirschbacher können die Energiewende allein nicht hinkriegen", war ein Mann überzeugt. "Das ist ein Fremdkörper in der freien Natur", schimpfte ein weiterer Zuhörer dazwischen.
So ging das knapp zwei Stunden lang. Unter den gut 70 Zuhörern war kein Freund der geplanten Anlage herauszuhören.
Was sagen die Gemeinderäte dazu, die am 21. Februar in ihrer Sitzung über die Anträge entscheiden müssen?
Paul Pfundmeier befürchtete, dass die Gewerbesteuer nicht so problemlos eingeht, wie von den Geschäftsführern angekündigt. Wenig gute Erfahrungen hat die Gemeinde Hollenbach diesbezüglich mit den Betreibern des bereits bestehenden Solarparks gemacht.
Therese Isele-Juraske outete sich als Fan dieser Energieform, "aber nicht an dieser Stelle". Zwischen Igenhausen und Motzenhofen gebe es einige Südhänge, die als Standort besser geeignet seien.
Nur Manfred Stark würde sofort eine Fläche für eine Photovoltaikanlage oder ein Windrad zur Verfügung stellen, "wenn ich eine hätte".
Die Sonnenenergie AIC GmbH würde in die geplante Anlage etwa sieben Millionen Euro investieren. Die Firma hat bereits Erfahrung und betreibt in Walchshofen und in Obergriesbach eine Photovoltaikanlage. Die neue würde etwa dreimal so groß werden wie die in Obergriesbach. Die jährliche Energiegewinnung liege bei 18 Millionen Kilowattstunden.
Die Geschäftsführer der beiden an Solarparks in Hirschbach interessierten Firmen haben durch neuartige Module eine befürchtete Blendwirkung der Anlage nahezu ausgeschlossen. Die Anlagen würden eingegrünt und eingezäunt. Durch einen mindestens zwei Meter breiten Grünstreifen hätten die angrenzenden Landwirte keine Beeinträchtigungen für ihre Äcker.
Die Energiebauern betreiben deutschlandweit auf 400 Hektar Solarparks. Frühestens in einem Jahr könnten sie auf Igenhausener Flur mit dem Bau beginnen; die Sonnenenergie GmbH in drei Jahren. Jetzt sind die Gemeinderäte am Zug. Egal, ob so oder so, die Kommune hat in jedem Fall die Planungshoheit. Die nächste Sitzung ist für 21. Februar geplant. Von Alfred Haas


Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.

Veröffentlicht am 18.01.2019 23:00 Uhr




 

Drucken   Speichern   Senden    Leserbrief