Hollenbach    

Drei auf einen Streich

Igenhausen - Jeannine Hackl ist eine Helikoptermutter - zumindest beim Füttern. In einer geübten Drehbewegung fliegt jedem Baby beim Mittagessen reihum ein Löffel Brei in den Mund. Fließbandarbeit. Wie im Grunde alles im Hause Hackl derzeit wie am Fließband passiert: Im Frühjahr bekam das Paar Drillinge, und seither ist kaum noch etwas so wie es vorher war.

drillinge

Jeannine und Thomas Hackl haben sich vor 16 Jahren ein altes Haus in Igenhausen gekauft, um es in Eigenregie zu renovieren. Bald stellten sie fest, dass die Bausubstanz viel maroder war, als sie angenommen hatten. Inzwischen haben sie es fast vollständig erneuert. Aber längst ist noch nicht alles fertig - und jetzt ist die Zeit knapper denn je. Thomas Hackl (47) arbeitet Vollzeit als Zweiradmechaniker, seine 43-jährige Frau ist seit März Vollzeit-Mutter. Schlafen, anziehen, füttern, wickeln - so geht es nonstop.
In einer Ecke türmen sich kartonweise Windeln, links neben der Haustür stapeln sich drei Kindersitze, rechts stehen drei Wippen. Finanziell ist es knapp bei der Familie Hackl. Alles wird gleich dreimal benötigt. Kleidung wie Schlafanzüge, die nicht immer gleich aus der Wäsche wieder da sind, am besten sechs- oder neunmal. Auch das Essen hat unübliche Dimensionen: Einmal Mittagessen bedeutet ein Kilo Brei.
Dringend war die Anschaffung eines Wagens, in den drei Kindersitze und zwei Erwachsene passen. Viele Modelle kommen ohnehin nicht in Frage, von den verbleibenden sind einige sehr teuer. Für die Anschaffung des Dacias, der nun vor dem Haus steht, hat die Familie schon Hilfe bekommen. Als nächstes steht die Beschaffung von drei neuen Kindersitzen an, denn aus der bisherigen Garnitur sind die Buben schon herausgewachsen. Außerdem werden neue Bettchen benötigt. Das erste Drillingsbett hat der Onkel der Kinder selbst gebaut, doch aus dem wachsen sie bald raus.
Abgesehen von finanziellen Engpässen geht es der Familie gut. Florian, Bastian und Tobias sind absolute Wunschkinder. Jeannine und Tobias Hackl hatten allerdings die Hoffnung schon aufgegeben. Jahrelang ist der sehnlichst gewünschte Nachwuchs ausgeblieben. Vielleicht strahlt die 43 Jahre alte Mutter zwischen dreimal Windeln wechseln deshalb so viel gelassene Zufriedenheit aus. Mit leuchtenden Augen erzählt sie von ihrer kleinen Rasselbande.
Schon während der Schwangerschaft sei sie einfach nur glücklich und ausgeglichen gewesen. Weder in diesen Monaten noch bei der Geburt in einer Münchener Spezialklinik kam es zu Komplikationen. Die Babys wurden in der 33. Woche geholt, weil dann einfach nicht mehr genug Platz für sie war. Als Kaiserschnitttermin hatte sich die Mutter für die Drillinge passenderweise den 3. 3. gewünscht - und das hat auch geklappt. Zwar lagen die Kinder (1470, 1530 und 1900 Gramm) zunächst im Brutkasten und als Frühchen auf der Intensivstation, aber bald war klar, dass alle stabil sind. Zwei der drei sind übrigens eineiige Zwillinge. Dass Jeannine Hackl die drei Jungs so gut im Griff hat, obwohl es keine Großeltern in der Nähe gibt, liegt an ihrem Beruf: Sie hat lange als Kindermädchen gearbeitet. Das war in München durchaus gefragt, im Wittelsbacher Land sind die Familienstrukturen aber ländlich geprägt. Deshalb hat sie eine Umschulung zur Erzieherin angefangen. Die ersten beiden Jahre Theorie hatte sie erfolgreich abgeschlossen - da wurde sie schwanger. Zwar ist ihr Tag eng getaktet mit den vielen Dreifachaufgaben, aber an den Kleinen liegt das nicht: "Es sind ganz liebe Kinder." Die sind außerdem von Anfang an dran gewöhnt, dass Mama nicht sofort Gewehr bei Fuß steht. Wenn einer gewickelt wird, einer noch im Kinderstuhl sitzt und einer schon zum Mittagsschlaf gebettet ist und zu weinen beginnt, dann beruhigt er sich auch mal selbst wieder. "Denn wenn ich bei einem bin, müssen immer zwei warten. Da hilft es nur, cool zu bleiben."
Es gab nur eine Ausnahme: Vor Kurzem hatten alle drei Männerschnupfen, berichtet Jeannine Hackl. Wie geht Kleinmännerschnupfen? Da wurde geschnieft, gejammert und gewimmert, bis es der Mutter ganz eng ums Herz wurde.

Die Aichacher Bürgerstiftung greift Menschen unter die Arme, die unverschuldet in Not geraten sind. Dabei können finanzielle Überbrückungshilfen geleistet oder aber Hilfen ermöglicht werden. Mit der diesjährigen Weihnachtsaktion wird wieder bedürftigen Familien in der Region geholfen. Das erste Drillingsbett baute der Onkel, doch daraus wachsen die Babys bald heraus

Von Carina Lautenbacher


Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.

Veröffentlicht am 10.12.2017 23:00 Uhr




 

Drucken   Speichern   Senden    Leserbrief