Hilgertshausen    

Brem und die Russen

Dass es am nördlichsten Zipfel des Landkreises Dachau einen biotechnischen Betrieb gibt, der weltweit für Aufsehen in wissenschaftlichen Kreisen sorgt, weiß nun auch die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, die CSU-Bundestagsabgeordnete Gerda Hasselfeldt. Sie besuchte am Wochenende die Agrobiogen GmbH von Professor Dr. Dr. Gottfried Brem im Hilgertshausener Ortsteil Larezhausen.

Hilgertshausen –  Diese Forschungseinrichtung, die vierzig Mitarbeiter beschäftigt, gibt es seit 1997.
Seit der Gründung vor zwölf Jahren ist der Betrieb ständig erweitert worden, und seit kurzem entwickelt man einen Schnelltest für Influenza-Viren, der vor Ort durchgeführt werden kann und entsprechende Viren von Mensch oder Tier unterscheidet. „Wir haben die erste Teilstrecke der Forschungstätigkeit hinter uns gebracht und sind zuversichtlich, dass es funktioniert“, so Brem bei der Vorstellung des in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut in Berlin angegangenen Forschungsprojekts. Dieser Vogelgrippe-Schnelltest könne die Herkunft der Viren unterscheiden und erkennen, ob menschliche Viren oder jene gefährlichen Exemplare, die von geflügelten Tieren kommen, im Spiel sind.
Wichtig für die Forschung sei, dass man den Virus direkt vor Ort nachweisen könne und demzufolge der Arzt sofort weiß, was dahintersteckt. „Der Nachweis soll letztendlich so einfach funktionieren wie ein Schwangerschaftstest“, verdeutlichte Brem der Politikerin und deren Begleiter aus dem Gemeinderat von Hilgertshausen-Tandern. Innerhalb von 15 Minuten könne man mit den Teststreifen Klarheit haben, an was der untersuchte Vogel verendet ist. Die Problematik sei ähnlich wie bei der Schweinegrippe, „denn da hat auch lange niemand gewusst, wie gefährlich das Virus ist“. Projektleiter Dr. Robert-Matthias Leiser stellte die sehr spezifischen Vorgänge der Forschungsarbeit dar und verwies darauf, dass auch eine starke Mannschaft aus Russland am Projekt beteiligt sei. „Die Russen haben seit Jahrzehnten eine ausgezeichnete Glyko-Chemie“, so Brem, der seit 1991 Mitglied der russischen Landwirtschaftsakademie ist. Laut Brem sei man auf die russischen Partner angewiesen, um erfolgreich arbeiten zu können. Die internationale Zusammenarbeit am Forschungsprojekt werde vom Bundesforschungsministerium gefördert. „Internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet macht hier auf jeden Fall Sinn“, unterstrich auch Hasselfeldt, die von der von Larezhausen ausgehenden Forschung sehr angetan war, „weil auch mittelständische Strukturen im Bereich der Forschung enorm wichtig sind“. Im Projektteam selbst ist Brem, der ein gebürtiger Rosenheimer ist, der einzige Veterinärmediziner. Auf die Arbeitsplätze in seinem Betrieb angesprochen, erklärte er: „Ich brauche Leute, die kreativ sind, die einen offenen Kopf haben“. Was den Forschungserfolg angehe, könne man später auch an therapeutische Anwendung denken. „Aber dahin ist noch ein langer und weiter Weg“, so Brem, der bekanntlich schon bei der Bekämpfung der BVD (gehört zu den weltweit wirtschaftlich bedeutsamsten Infektionserkrankungen beim Rind) in unseren Nachbarländern große Erfolge erzielt hat.

Von Josef Ostermair

Veröffentlicht am 07.02.2010 16:36 Uhr


 

Drucken    Speichern    Versenden    Leserbrief    Kommentieren   


Kommentare

 

Zu diesem Artikel sind noch keine Kommentare vorhanden

Um Kommentare schreiben zu können, müssen Sie sich anmelden:


Benutzername  
Passwort