Dialektwoche    

Zwischen Soizbrezn und Küarradanoln

Eikaffa, Ratschn, Lacha: Beim Bäcka z’Schüabba gibts mehra wia grod was z’essn Schüabba – Kurz noch achte z’Schüabba: Dür auf, Dür zua. „Guad Moing, aa scho wach?“, griaßt de Gottschalk Christa Mamas und Kinda, de se bei ihra no schnoi wos zu da Brodzeit hoin. Wach is sie soiba zu dem Zeitpunkt scho guade drei Schtund. Um viertelnochfümfe kimmt „da Lieferant“, dann werd da Loon eigrammt, um sechse aufgschperrd, vazöid sie. Jeden Dog, außer am Sunndog. Des macht de 59-Jahrige scho fascht ihr ganz Berufslem lang. So oda so ähnlich.



De glearnte Bäckameisterin schtehd gern im Gschäft. Für jedn, der kimmt, hots wenigstens a Lächeln – oda für de kloana Kundn a Gudsi. De meistn, de do in da Friah vorbeischaung, red sie mim Vornama o. „A Breze“, verlangt a bissl schüchtern a Dreijährige. „Fürn Lukas, fürn Kindergartn“, valiat des Madl dann de Scheu. Bei Lydia Seifert – sie is oane von de Aogschtöidn in da Kornprobst-Filiale z’Schüabba – is eikaffa gor ned so schwar. „Mogst a Gudsi fürn Lukas und für di?“, fragt de freindliche Frau hinta da Thekn, de se über jeds Kind gfreit, des bei ihra eikafft. „An schena Dog wünsch i eich!“ verabschiedet sie des Kind mit seiner Mama. „Eich aa, Pfiad eich!“, griast de zruck.
„Pfiade“ oder „Servus“ is die gängige Abschiedsfloskel. „Tschüss“ oda, no schlimma: ,Tschö’, is vabotn“, sagt d’Christa. Oda zumindest vapönt. „Anordnung von de Schefs“. Sie findt des guad, weil sie ihrn Dialekt mog. „Des is so wichtig, dass ma des pflegt. Waar schood, wenn de Mundart ausschtirbt“, lasst sie so nebenbei foin. Ihre zwoa Buam, de daadn scho no vui Dialekt reen, foid ihra ei, und manchmoi bringt oana Ausdrück, „de kenn i söwa nimmer“, lacht sie.
De Christa is übrigens aa mehrsprachig. Des beweist sie an dem Vormiddog glei mehrmois. Sie konn, wenn’s notwendig is, so wos wia hochdeitsch reen, und wenn oana amoi ned so guat deitsch kann, dann red de Christa langsam, deutlich, in kurze Sätz. So wia bei am Sondawunsch va uana Polin, die jedn Dog an Loon nei kimmt. De mecht für de Kommunion a ganz a bsondre Dordn ham. In Buchform und mit Vanillkrem und a scheana Verzierung und Schrift obendrauf. Awa soichene Sonderwünsch san goar koa Problem bei da Christa. „Des mach ma ois.“

Recht unkompliziert gehts überhaupt zua in dem Gschäft, des vui mehra is ois wia a Bäcka. Weil: Es gibt nemli ned bloß Seimma oda Brezn, ma findt aa ois, wos ma sonst no braucht fürn täglichen Bedarf. Do schtehn Essig und Öl im Regal, Sauerkonserven oda Fischdosn gibts genauso wia a frischs Gmias, Obst oda a Wurscht. A Kramerloon. Mit oim, wos dazuagheart. „Beim Fritsch“, wia vui Schüabböaga noa song, do triffscht a ebban zum Ratschn. An diama bleim zwoa beianand schteah und dauschn se aus. Aa vorm Gschäft sicht ma Leid, die kurz mitanand reen. Ma kunnt aso song: Beim Fritsch, do is de Kommunikationszentrale.
Ab und zua find se aa a Rundn zamm um den Disch, der im Loon schted. Mamas, von dene de Kinda dawei beim Turnen san. „Ja, wo trifft ma se denn sonst aa no?“, fragt Gottschalk. Friada, do hods noa regelmäßige Kaffeerundn in da Kich hintam Loon gem, erinnert se die ehemalige Bäckereibesitzerin zruck. Den Loon in Schüabba, den gibt’s nemli scho seit 1954. Da Vadda hod des Gschäft baut. De Christa is dann Beckameisterin woarn – damois war des no was Ungewöhnlichs für a Frau. Aber de Christa hod de Herausforderung ougnomma. 25 Joar hod sie dann zamm mit seim Moa Ludwig des Gschäft gführt. Im letzten Joar dann woidn se kürzer tretn, die Gottschalks ham eana Bäckerei an Kornprobst übagem. De zwoa Bäckerfamilien kenna se schoa lang und guat.

Dass se d’Schüabböaga bei eana im Loon treffa, des gfoit da Christa und da Lydia. „I mog den Kontakt mit de Leid do“, sagt d’Lydia. „Do herin, da erfahrst aa vui“, fügt de Christa o. „Da oane frogt di dees, der andre vazöit da dees.“ Persönlich und familiär daads zuageh bei eana. Und aa lustig. „Wia sogst jetzt nacha du zu de Kirchweih-Nudeln?“, fragt d’Christa a junge Kundin. De lacht. „Mei, i sog hoid so, wias do schteht. Aba Küaradanoln sog i dahoam.“ „Küaradanoln? Naa, des hob i no nia ghead. Kirrdanuln hoaßt des. Aba da sogt hoid a jeda andersch.“ Aa so a Kompromiss.

So wia bei der Frau, de zwoanzg vaschiedne Seïmma bschtoid. „Des mach’ ma jetzt zu dritt“, sogd d’Lydia. Oane tippt in de Kass, oane backt ei und oane bschtoid. Fascht. Weil zunächst amoi ohne vui frong des Sackal gfuid weard. Mit Weißbierseïmma, Bürli, Knusperl …

Oda wia bei oana andan Kundin, de sei Schwäbisch ned obleng mog und zuagibt: „De doa si hia scho herb mit mia – aba anderschrum isch aa aso.“ Und wieda werd glacht, hinta da Thekn und davoa.

Dann miassn se de zwoa Vakeiffarinna um de Schnitzl kimmern. „Heit gibt’s zum erschten Moi Schnitzl“, verkündt d’Christa. „Des miassma hoid jetzt bekannt macha, des muass se rumsprecha“, moant d’Lydia. „Weacha Handwerker mog scho jedn Dog a Wurschtseïmma?“

Und wia de zwoa so ren üba eana Kundschaft und übern Loon, do foid des „bsundre O“ von da Lydia auf. Über des amüsiert se ihre Kollegin. D’Lydia is gebürtig aus Suizbo und wohnt in Deadariad. „I ho hoit übaroi wos aufgschnappt“, lacht sie üba ihre eigne Mundart. „I red hoit so wia ma da Schnowe gwachsn is.“ So schreibt sie aa üba Whatsapp mit ihre Freindinna – vorausgsetzt, sie hod a Händy, aber des is a andre Gschicht…
 
Von da Speck Ines


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Veröffentlicht am 11.05.2016 00:05 Uhr




 

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