Dasing    

"Ihr habt viel Besitz, doch wenig Werte"

Dasing - "Ihr habt viel Besitz, doch wenig Werte", bedauert Winnetou in einer Szene die Weißen. Genau anders ist es bei der Truppe, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, auch heuer die süddeutschen Karl-May-Festspiele auf die Bühne bringt. Viel Besitz haben sie nicht, in der Dasinger Western-City. Doch um so mehr Werte. Mut, Zusammenhalt, Treue, Loyalität: Damit gelingt es, nach dem verheerenden Brand vom Sommer 2017 und den anderen Tragödien, wie Fred Rais Tod 2015, der seitdem schwelende Erbschaftsstreit sowie zwei weiteren Feuern, weiterzumachen.

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Gut, wie eine Westernstadt sieht das Arrangement in Dasing auf den ersten Blick nicht aus. Aber die Leidenschaft und das Engagement der Aktiven wiegt es allemal auf, dass detailgetreue Kulissen halt erst einmal wiederbeschafft werden müssen, bevor man sich wieder so richtig in den Wilden Westen versetzt fühlen kann. Dafür sind hohe finanzielle Aufwendungen nötig. Um fortbestehen zu können, müssen die Festspiele gut besucht werden. Zumal sie heuer nur während der Sommerferien stattfinden. Für eine anständige Verpflegung und unterhaltsame Stunden mit einem bunten Unterhaltungsprogramm ist jedoch gesorgt. Die Westernstadt besteht nun erst einmal aus zurückhaltend dekorierten Hütten, die der Augsburger Winterland-Betreiber Helmut Wiedemann zur Verfügung gestellt hat.
Das Feuer, das ein bislang unbekannter Brandstifter am letzten Juliwochenende 2017 legte, vernichtete sämtliche Gebäude der Westernstadt, aber es verschonte die Festspielarena. So kann man auch heuer die Spiele in gewohnter Atmosphäre genießen. Während die Hufe der temperamentvollen Pferde über den Sand donnern, während Winnetou (Matthias M. in seiner Paraderolle) und Old Shatterhand (Helmut Urban gehört seit zehn Jahren dazu) die Fäuste gegen ihre Widersacher fliegen lassen, die Silberbüchse donnert und Western-City-Geschäftsführer Volker Waschk als Martin Adler zarte Bande zu Amy Wilkins (ganz bezaubernd in der Rolle des frischen, jungen Mädchens: Alisa Ax) knüpfen darf, sitzen die Zuschauer auf der überdachten Tribüne und blicken in den malerischen Sonnenuntergang hinter Felsen und Pueblo.
Besser hätte Fred Rai, der Gründer der Western-City und legendäre singende Cowboy, den Platz für die Festspiele nicht wählen können, als er sie 2005 ins Leben rief. Die Inszenierung "Im Tal des Todes" folgt nicht dem Original von Karl May (Band 62 gesammelte Werke). Doch das Textbuch, traditionell verfasst von Regisseur und Tausendsassa Peter Görlach, der einmal mehr in die Rolle eines kriegerischen Häuptlings schlüpft und von Winnetou erst überzeugt werden muss, dass nicht alle Weißen schlechte Menschen sind, transportiert den Geist des sächsischen Autors. Es wird an das Gute im Menschen appelliert, daran, die Schöpfung zu bewahren und zu pflegen, egal, ob man diese nun "dem großen Geist" oder Gott zuschreiben will.
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Von Monika Grunert Glas
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Veröffentlicht am 29.07.2018 23:00 Uhr




 

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