Augsburg    

„...und keiner löscht“

Augsburg – „Stell dir vor, es brennt und keiner kommt“: Damit das nicht passiert, haben die bayerischen Feuerwehren im Herbst eine auf drei Jahre angelegte Imagekampagne gestartet. Gestern erklärten Frank Habermaier, Chef der Augsburger Berufsfeuerwehr, und die Kreisbrandräte Alfred Zinsmeister (Landkreis Augsburg) und Ben Bockemühl (Aichach-Friedberg), warum es notwendig ist, neue Mitglieder zu werben.

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Derzeit plagen die 104 Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Aichach-Friedberg noch keine Nachwuchssorgen, ebenso wenig wie die 132 Wehren im Augsburger Land. Doch die Belastung im Beruf wächst und nicht jeder Arbeitgeber hat Verständnis dafür, wenn sein engagierter Mitarbeiter den Arbeitsplatz verlässt, wie gestern Früh, als auf der A 8 drei Lastwagen quer standen und 80 Feuerwehrmänner aus dem gesamten Wittelsbacher Land notwendig waren, um das Chaos in den Griff zu bekommen. „Als Arbeitgeber sollte mir bewusst sein, dass es mich auch selber treffen kann“, sagt Habermaier.

Engpässe bei den Freiwilligen Feuerwehren gibt es in Ortschaften, die tagsüber verwaist sind. Da hilft die Integrierte Leitstelle (ILS), die seit 2008 die Einsätze von Schwabmünchen bis Nördlingen koordiniert und dann eben die benachbarte Feuerwehr zum Einsatzort mitschickt.

Ab Herbst spricht die Kampagne gezielt Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren an. Denn die demografische Entwicklung bereit den Rettern Sorgen: Die Zahlen bei den Jugendfeuerwehren stagnieren oder sind leicht rückläufig. In zehn bis 20 Jahren, so Bockemühl, könnte die Zahl der Freiwilligen stark geschrumpft sein. Deshalb sei es gut, jetzt Nachwuchs anzuwerben, zum Beispiel bei den Frühjahrsübungen, wo Jugendliche unverbindlich reinschnuppern können.

So hat auch Bockemühl Feuer gefangen für sein Engagement als Feuerwehrmann. Hauptberuflich arbeitet er als Lehrer. Einen Tag in der Woche ist er freigestellt, aber das reicht meist nicht aus: Etwa 40 Stunden ist er ehrenamtlich im Einsatz, „da gehört viel Enthusiasmus und Idealismus dazu“.

Probleme gibt es nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt: Neben der Berufsfeuerwehr mit rund 250 Mitarbeitern hat die Stadt Augsburg sieben Freiwillige Feuerwehren mit etwa 450 Helfern. Oft arbeiten die Feuerwehrleute nicht in dem Viertel, in dem sie ausrücken müssen. Nachwuchsmangel gibt es vor allem in den Stadtteilen, in denen die Wehr nicht traditionell verankert ist, wie beispielsweise in Oberhausen, Kriegshaber und Pfersee.

In den vergangenen Jahren wurden immer mehr Frauen ausgebildet. Vorreiter mit einer Kommandantin und vier stellvertretenden Kommandantinnen ist der Landkreis Augsburg. Im Landkreis Aichach-Friedberg liegt der Frauenanteil immerhin bei elf Prozent. Ähnlich dürfte er auch bei den Freiwilligen Feuerwehren in Augsburg liegen. Im dritten Jahr der Kampagne soll die breite Masse angeworben werden: „Alle Personen“, sagt Zinsmeister, „auch Menschen mit Migrationshintergrund“.

Wie wichtig die Freiwilligen Feuerwehren sind, haben die vergangenen beiden Wochen in Augsburgs Süden gezeigt: Ohne ihre Hilfe hätte die Berufsfeuerwehr den Einsatz an der Singold nicht schultern können. Noch immer wird der Fluss, der bei kalter Witterung im Flussbett vereist, Tag und Nacht kontrolliert. Dass es bisher zu keiner Überschwemmung gekommen ist, rechnet Habermaier den Ehrenamtlichen zu: „Ohne dieses Potenzial an Helfern vor Ort wäre das nicht so einfach gewesen.“


Veröffentlicht am 14.02.2012 15:32 Uhr


 

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