Augsburg    

Die Sperrstunde ist vom Tisch

Augsburg – Erstmal heißt es Aufatmen bei Augsburgs Partyvolk: Die Stadt will die Sperrstunde vorerst nicht verlängern, um die Feiermeile Maxstraße unter Kontrolle zu bringen. Das hofft OB Kurt Gribl vielmehr, mit einem neuen Maßnahmenbündel zu erreichen. Bislang enthält das Paket aber wenig Konkretes.

<p>Die Sperrstunde ist vom Tisch </p>

Stattliche 17 Punkte zählt das Konzeptpapier, das OB Gribl gestern der Öffentlichkeit präsentierte. „Für sich genommen sind es nur kleine Bausteine“, erklärte das Stadtoberhaupt. Die Summe soll es richten.

Anlass für den neuen Maßnahmenkatalog war das Urteil des Verwaltungsgerichtshofes (VGH) in München, mit dem das sogenannte Dönerverbot gekippt worden war (wir berichteten). Als erste Reaktion fand sich wieder der Runde Tisch mit Vertretern der Stadt, der Gastronomie, der Anwohner und des Stadtjugendrings (SJR) zusammen. Sie hatten schon die Grundzüge des ersten Maßnahmenkatalogs samt Dönerverbot geformt. Nun sollten sie nachbessern. Viele Ideen seien da zusammengetragen worden, berichtete der OB. Allerdings blieb der Runde Tisch ohne Ergebnis. Das lieferte nun die Koalition aus CSU und Pro Augsburg gemeinsam mit dem SJR und dem Popkulturbeauftragten Richard Goerlich.

In seinem Urteil sagte der VGH klar, dass an der Lärmbelästigung in der Maxstraße vor allem der Verkehr schuld sei. Dem trägt das neue Konzept Rechnung: Künftig soll in der Maxstraße eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern gelten – und auch durch den Ordnungsdienst kontrolliert werden. Ferner will die Stadt den Parkraum an dieser Stelle neu überdenken. Statt wie bisher ab 18 Uhr, sollen die Parkplätze erst später kostenfrei benutzt werden dürfen. Ab wann und ob auch die Nebenstraßen davon betroffen sein werden, steht noch nicht fest. Ein passendes Konzept soll die Verwaltung ausarbeiten. Auch das Anwohnerparken müsse strenger überwacht werden. „Wir wollen den Parkplatz-Such-Verkehr eindämmen und damit auch den Lärm“, sagte Gribl.

Den meisten Ärger auf der Maxstraße verursache aber der übermäßige Alkoholkonsum, so Gribl. Um dieses Problem in den Griff zu kriegen, will die Stadt die Gastronome stärker in die Verantwortung nehmen und der Ordnungsdienst soll aufpassen, dass sich die Wirte an die diesbezüglichen Gesetze halten. „An offensichtlich Betrunkene darf kein Alkohol ausgeschenkt werden“, erinnerte Gribl. Für diese Aufgabe erhält der Ordnungsdienst nochmals zwei zusätzliche Stellen. Ein passendes Kooperationskonzept mit den Gastronomen muss erst noch ausgearbeitet werden.

Ebenfalls nur als Idee existiert ein eigenes Kulturkonzept für die Maxstraße, an das sich Goerlich und der SJR wagen wollen. Wie das aussehen könnte, darauf wusste Goerlich gestern keine rechte Antwort. „Man könnte Leerstände in der Maxstraße für kulturelle Veranstaltungen nutzen“, schlug er vor. Jedenfalls müsse die Maxstraße zurückgewonnen werden für „Leute, die mehr wollen als Party machen“. Von der Durchmischung des Publikums verspricht er sich eine automatische Entschärfung der Situation.

Das Maßnahmenpaket muss erst in den Allgemeinen Ausschuss, danach darf der Stadtrat frühestens im April entscheiden. Ob es dann alle 17 Punkte in die Endfassung schaffen, ist fraglich. Als Gribl erklärte, dass bessere Beleuchtung in den Seitenstraßen Wildpinkler abschrecken soll, musste das Stadtoberhaupt selbst schmunzeln.

Von Markus Höck


Veröffentlicht am 10.03.2010 17:33 Uhr


 

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