Augsburg    

Gekämpft wie eine Löwin

Augsburg - "Ich war verloren, habe zehn Tabletten am Tag genommen und jeden Tag geweint. Aber Solwodi war eine Löwin. Und jetzt habe ich meine Kinder wieder." In ergreifenden Worten schildert die Frau aus der Demokratischen Republik Kongo, was Soni Unterreithmeier und ihre Mitarbeiterinnen für sie getan haben. Jetzt wurde Soni Unterreithmeier in den Ruhestand verabschiedet.

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Eine weitere Klientin bedankt sich bei der Leiterin von Solwodi Augsburg mit den Worten: "Du hast mich geborgen wie eine Mutter in ihrem Schoß. Du bist mein Engel." Nach über zwei Jahrzehnten unermüdlichem Einsatz für Frauen in Not wurde vergangenen Donnerstag Soni Unterreithmeier mit einem Festabend im Rokokosaal der Regierung von Schwaben in den Ruhestand verabschiedet.
Doch nicht nur für die kompetente und liebevolle psychosoziale Begleitung ist Soni Unterreithmeier bekannt, sondern überregional besonders aufgrund ihres Expertenwissen und ihres Engagements im Kampf gegen Prostitution, die für sie fast immer mit Zwang verbunden ist und gegen die Menschenrechte verstößt.
"Danke für Deine Hartnäckigkeit und Deinen Zorn. Danke, dass Du Dich für Frauenrechte eingesetzt hast. Danke, dass Du da angefangen hast, wo andere aufgehört haben", würdigte Frauenbeauftragte Barbara Emrich Soni Unterreithmeiers Arbeit. Helmut Sporer, Leiter des Kommissariats 1 der Polizei Augsburg, erklärte, dass sie nach anfänglich großer Skepsis hinsichtlich der Zusammenarbeit mit einer Menschenrechtsorganisation von ihm und dem Team mittlerweile als Kollegin akzeptiert sei: "Das muss man sich erst mal erarbeiten!" Fast hundert Frauen, die die Polizei Augsburg aus Menschenhandel und Zwangsprostitution befreit hat, habe Unterreithmeier mit ihrem Team im Laufe der Jahre in Obhut genommen, auf ihre Aussagen vor Gericht vorbereitet und auch danach begleitet und unterstützt.
1985 begann Soni Unterreithmeier als erste ehrenamtliche Mitarbeiterin von Solwodi mit dem Kopieren und Versenden der Rundbriefe, die ihre Studienfreundin, Schwester Lea Ackermann - Trägerin des Friedenspreises der Stadt Augsburg - aus Mombasa an ihre Unterstützer in Deutschland schrieb. 1999 gründete sie, immer noch als Ehrenamtliche, den Solwodi-Arbeitskreis in Augsburg, und zwei Jahre später begann sie, als Leiterin die Fachberatungsstelle aufzubauen.
Heute arbeiten in der Solwodi-Beratungsstelle fünf Sozialarbeiterinnen für Migrantinnen in Not und eine Traumatherapeutin als Streetworkerin im Prostitutionsmilieu. Die Anfragen von Opfern von Menschenhandel und Zwangsprostitution, von Frauen, die im Namen der Ehre verfolgt werden, und von Migrantinnen, die durch Gewalterfahrungen traumatisiert sind, nehmen nicht ab. Häufig werden sie von Kooperationspartnern, Polizei, Anwälten und anderen Beratungsstellen an Solwodi vermittelt.
Sozialreferent Stefan Kiefer bedankte sich für die gute Zusammenarbeit im Namen der Stadt Augsburg und betonte die verlässliche Partnerschaft, die die Stadt unter anderem dazu bewegt habe, eine halbe Stelle für Streetwork und seit kurzem auch eine Wohnung zur schnellen Unterbringung von Frauen aus der Prostitution zu finanzieren. Möglicherweise kommt künftig die Finanzierung nötiger Betreuungsstunden hinzu. Ein wichtiger Schritt für die Organisation Solwodi, die deutschlandweit immer noch fast die Hälfte ihrer Arbeit aus Spenden und Bußgeldern finanziert. Solawi: Prostitution verstößt meist gegen Menschenrechte

Von Daniela Lutz


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Veröffentlicht am 25.10.2018 23:00 Uhr




 

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