Augsburg    

Fahrlehrer soll vergewaltigt haben

Augsburg - Schwere Vorwürfe macht eine Fahrschülerin ihrem ehemaligen Fahrlehrer. Nach bestandener praktischer Prüfung soll er sie mit K.O.-Tropfen betäubt und vergewaltigt haben. Seit gestern muss sich der 47-Jährige aus dem Landkreis Aichach-Friedberg deswegen vor einem Schöffengericht, unter Vorsitz von Thomas Müller-Froelich, am Amtsgericht Augsburg verantworten.


Laut Staatsanwältin Katharina Horn hat der Angeklagte die junge Frau zunächst in ein Lokal zum Essen eingeladen, zur Feier der bestandenen Fahrprüfung. Im Anschluss seien sie in seine Wohnung gegangen. Was sich dort abspielte, könnte auch Stoff für einen Krimi sein. Als die damals 18-Jährige von der Toilette zurückkam, wartete schon ein Glas Wein auf sie - der mit K.O-Tropfen versetzt war - wie es in der Anklageschrift heißt. Nachdem sie den Wein getrunken hatte, sei sie nicht mehr in der Lage gewesen, Widerstand zu leisten, betonte Horn. Der Angeklagte habe die Frau ins Schlafzimmer geführt und auf dem Wasserbett vergewaltigt. Die Staatsanwältin sprach von Erniedrigung und körperlicher Misshandlung. "Sie konnte sich nicht wehren."
Laut Anklage spielte sich das Geschehen bereits im Februar 2005 ab. Die heute 31-Jährige habe den Vorfall völlig verdrängt, "in eine Schublade gesteckt und den Schlüssel weggeworfen", erklärte sie in ihrer Aussage ihr langes Schweigen. Im Laufe der Zeit habe sich ihre Sicht auf die Dinge aber geändert. Als ihre jüngere Schwester im Oktober 2016 ebenfalls den Führerschein machte, habe sie sich entschlossen, doch Anzeige zu erstatten.
Eine Polizeibeamte schilderte, dass eine verspätete Anzeige durchaus öfters vorkomme. Ihrer Ansicht nach seien die Aussagen der 31-Jährigen schlüssig, nachvollziehbar und authentisch. Sie habe bei der polizeilichen Vernehmung "überhaupt keinen Belastungseifer" gezeigt.
Der Angeklagte hörte sich die Vorwürfe in aller Ruhe an. Natürlich wolle er sich dazu äußern, "es gibt eine Menge dazu zu sagen", antwortete er auf die Frage des Vorsitzenden, ob er aussagen wolle. Seit 25 Jahren sei er Fahrlehrer. In dieser Zeit habe er etwa 3000 junge Leute zum Führerschein ausgebildet. Ihm seien "die Haare zu Berge gestanden", als er mit den Vorwürfen konfrontiert wurde.
Um 6 Uhr morgens sei die Kripo vor seiner Tür gestanden, um ihn zu vernehmen. Als erstes habe er nach der versteckten Kamera gesucht, bis er verstand, dass es sich um keinen Scherz handele. "Ganz ehrlich, ich habe mit der Sache nichts zu tun", versicherte er dem Gericht.
Der 47-Jährige redete wie ein Buch und hatte stets eine Antwort parat. "Wenn ich das gemacht hätte, wären meine berufliche Existenz und meine private Karriere fertig", beteuerte der alleinerziehende Vater seine Unschuld. "Ich weiß nicht, wie und wann ich ihr auf die Füße getreten bin, dass sie so was behauptet."

Der Prozess wird am Mittwoch, 11. April, fortgesetzt. Von Alfred Haas


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Veröffentlicht am 23.03.2018 16:38 Uhr




 

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