Augsburg    

Zur Prostitution gezwungen

Augsburg - Beide tragen Rot an diesem kalten Dezembermorgen. Die Geschädigte in Form einer Winterjacke mit Fellkragen, der Angeklagte als zerknitterten Pullover über einem weißen Hemd. Sie lernten sich in Rumänien in einer Bar kennen, wurden ein Paar und gingen wenige Monate später gemeinsam nach Deutschland. In Augsburg soll der 37-Jährige seine Freundin zur Prostitution gezwungen und jahrelang ausgebeutet haben. Nun wurde er wegen schweren Menschenhandels, ausbeuterischer Zuhälterei, Körperverletzung und Sachbeschädigung zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.



Die 29-Jährige, die als Nebenklägerin auftritt, schluckt schwer und wirkt angespannt, als der Angeklagte in Handschellen in den Saal geführt wird. Er stammt aus Rumänien, ist Musiker und Autohändler. Anders als die Geschädigte spricht er kein Deutsch - eine Dolmetscherin übersetzt.
Er lernte die Frau 2010 in der Bar kennen, in der sie arbeitete. Sie war Mutter einer dreijährigen Tochter, die an schwerer Anämie litt. Die Behandlung sei für sie damals nicht zu bezahlen gewesen und so sei sie mit dem Angeklagten nach Deutschland gegangen, wo er ihr einen Job in einer Bar versprochen hatte, erzählt die Rumänin mit leiser Stimme. Das Lokal, in dem die damals 22-Jährige bedienen sollte, hieß "Colosseum"; keine einfache Bar, sondern ein privater FKK-Sauna-Club, in dem sie in Zukunft als Prostituierte arbeiten sollte.
Die Geschädigte habe sich auch aufgrund des Gesundheitszustandes ihrer Tochter darauf eingelassen. Zusätzlich habe ihr der Angeklagte versichert, die Arbeit sei nicht schlimm.
In der Zeit von 2010 bis 2013 arbeitete die junge Mutter im "Colosseum", anfangs sei sie sogar täglich dort gewesen. Ihre Einnahmen stellte sie größtenteils dem Angeklagten zur Verfügung, teilweise 800 Euro am Tag. Wenn sie Geld nach Hause zu ihrer Tochter senden wollte, habe er sie ermahnt, "nicht so viel" zu schicken. Die Familie solle nicht erfahren, dass sie viel verdiene.
Anders stellt das der Verteidiger des 37-Jährigen dar. Die Idee, nach Deutschland zu gehen, sei von der Geschädigten gekommen. Von dem Club habe sie wohl von anderen rumänischen "Tänzerinnen" erfahren. Das Geld habe außerdem keinesfalls nur der Angeklagte ausgegeben, die 29-Jährige soll sich Designermode und teure Handtaschen zusätzlich zu der Miete für mehrere Wohnungen in Rumänien davon geleistet haben.
Die Richterin glaubt der Geschädigten, spricht den Angeklagten schließlich in allen Punkten schuldig und verurteilt ihn zu dreieinhalb Jahren Freiheitsentzug und Wertersatz in Höhe von 43.000 Euro

Von Helene Kuhn


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Veröffentlicht am 06.12.2017 09:00 Uhr




 

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