Augsburg    

"Wie eine Beerdigung"

Augsburg - Yunis Darici dreht seine Hand so, als würde er mit einem Schlüssel eine Tür zusperren. "Der hat gesagt wir schließen", erzählt er und seine Stimme überschlägt sich beinahe. "Dann ist er sofort abgehauen. Einfach weg." Darici spricht von der Mitarbeiterversammlung am gestrigen Montag. Jener Veranstaltung, auf der Geschäftsführer Jes Munk Hansen - der Mann, der einfach weg war - das Ende des Augsburger Ledvance-Standorts verkündete. Darici arbeitet im Glaswerk. Der dreifache Vater ist einer von 650 Angestellten, die nun vor einer ungewissen Zukunft stehen. Er hat am Freitag während der Brotzeit in der Spätschicht aus den Medien davon erfahren, was am Montag traurige Gewissheit wurde.

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Wie auf einer Beerdigung sei die Stimmung in dem "Town-Hall-Meeting" gewesen, berichtet Betriebsratsvorsitzender Willi Sattler in einer anschließenden Pressekonferenz. Viele Mitarbeiter seien traumatisiert, andere wütend. "Die Fabrik hat zwei Weltkriege überlebt und heute wird einfach ohne Alternativvorschlag die Schließung verkündet", kritisiert der Betriebsratsvorsitzende. Ende 2018 soll die Produktion eingestellt werden und rund 650 Mitarbeiter des Lampenherstellers auf der Straße stehen. 2019 soll dann auch der Bereich Maschinenbau folgen.
Nur 15 Minuten habe die Versammlung gedauert, in der Hansen die Belegschaft über das Schicksal von Ledvance informierte, erzählt Angela Steinecker, Unternehmensbeauftragte der IG Metall. Die Mitarbeiter hätten noch versucht, Fragen zu stellen, doch Hansen verweigerte Antworten. Unter Buh-Rufen der Belegschaft verließ er die Versammlung. "Ein bodenloses Verhalten", urteilt Steinecker.
Schon seit 2008 habe es Innovationszirkel gegeben, die der Geschäftsführung gezeigt hätten, wohin sich der Markt entwickelt, sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Andreas Jakob. "Die Mitarbeiter haben das immer unterstützt, wurden aber von der Geschäftsführung ignoriert." Der Standort erfülle alle nötigen Voraussetzungen, die ein zukunftsträchtiges Unternehmen brauche. "Doch der Wandel muss in den Manager-Köpfen stattfinden. Die Schließung als einziges Mittel ist nicht sinnvoll."


Von David Libossek und Kristin Deibl


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Veröffentlicht am 17.11.2017 23:00 Uhr




 

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