Nett – auch ohne Minarett
Augsburg – Zwei Jahre lang hat die Ahmadiyya-Gemeinde für ihre Moschee gekämpft: Die Mitglieder haben das Gespräch mit den Nachbarn gesucht, das Vorhaben, ein Minarett zu errichten, wieder verworfen, und zum Schluss eingewilligt, das Gebäude nicht in Richtung Mekka zu bauen. Die Kompromissbereitschaft der muslimischen Gemeinde hat sich ausgezahlt: Gestern war die Grundsteinlegung zur Baitul-Naseer-Moschee.
![]() |
Gen Mekka kann an der Donauwörther Straße schlecht gebaut werden: Die anderen Häuser zeigen alle in Richtung Osten, die Geburtstadt Mohammeds liegt aber in Richtung Ostsüdost. Zwar zeigen die gestern gelegten Grundsteine gen Mekka, aber die Moschee wird nicht aus der Reihe tanzen – einer von mehreren Kompromissen, auf die sich die rund 100 Mitglieder der Augsburger Gemeinde eingelassen haben.
Baitul-Naseer-Moschee heißt übersetzt soviel wie „Haus des Helfers“. Dass die Gemeinde ihre Gebetshaus mit friedlichen Absichten baut, betonte Asif Mahmood, Sprecher der Gemeinde: „Die Moschee wird ein Ort des Friedens, der Liebe und der Harmonie sein, nicht aber eine Quelle der Unannehmlichkeiten“, versicherte er.
Viele Hürden haben die Muslime nehmen müssen bis zur Grundsteinlegung: 1976 gegründet, traf sich die Ahmadiyya-Gemeinde anfangs in Privatwohnungen, um gemeinsam zu beten, später mietete sie Räume in Pfersee. 2006 entschlossen sich die Mitglieder, eine eigene Moschee zu bauen, 2007 fragten sie wegen des Grundstücks in Oberhausen beim vormaligen Besitzer an; im Januar 2008 stellten sie die Bauvoranfrage bei der Stadt.
Die erste öffentliche Informationsveranstaltung fand im Mai 2008 statt; die zweite kurze Zeit später. Zu dieser Zeit regte sich der erste Widerstand: Zahlreiche Nachbarn wehrten sich gegen das Projekt – vor allem das geplante Minarett war ihnen ein Dorn im Auge. Nach einigem Hin und Her entschied sich die Gemeinde, auf den Gebetsturm zu verzichten und eine moderne Moschee zu errichten, die sich in das Stadtbild einfügt.
Blickfang des Gebäudes, das Platz für 110 Menschen bietet, ist eine vier Meter hohe Kuppel mit 6,5 Metern Durchmesser. 600 000 Euro soll der Bau kosten; das Geld stammt ausschließlich von den Spenden der Mitglieder. Schon in einem Jahr soll die Moschee stehen, auch wenn der Widerstand der Nachbarn noch nicht verebbt ist – offensichtlich steht eine Klage im Raum.
Er habe die Erfahrung gemacht, dass nach einem Jahr meist alle Bedenken zerstreut seien, berichtet der Vorsitzende der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland, Abdullah Uwe Wagishauser. Wichtig sei, dass man miteinander rede, dass sich die Gemeinde nicht abschotte und keine Parallelgesellschaft bilde: „Wir wollen zeigen, dass man als muslimischer Bürger sehr wohl zu Deutschland stehen kann.“
In der Friedensstadt müsse man sich ohnehin in Toleranz üben, betonte Harald Grüßhaber, Vorsitzender der ARGE Oberhausen. Er hat Informationsabende organisiert und Anwohner und Gemeinde an einen Tisch gebracht. Die lockere, transparente Architektur des Gebäudes gefällt ihm sehr: „Das wertet den Stadtteil auf.“ Ein Minarett sei ohnehin nicht zwingend notwendig gewesen, sagt der städtische Integrationsbeauftragte Robert Vogl, es sei nur Ausdruck der Tradition. Doch eine Moschee müsse „auch architektonisch in Europa ankommen“, was in diesem Fall gelungen sei.
Selbst SPD-Stadtrat Dieter Benkard, ein Kritiker des Projekts, ist versöhnt: „Die Anwohner scheinen zufrieden zu sein“, sagt er. Und er habe seinen Willen durchgesetzt: „Ich war nur gegen das Minarett.“
Von Annette Liebmann
Veröffentlicht am 13.11.2009 16:32 Uhr
| |





