Altomünster    

Konkurrenz für Kerle

Altomünster - Nun ist die Katze aus dem Sack: Die Freien Wählergemeinschaft (FWG) Altomünster will es bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr wissen. FWG-Chef Hubert Güntner gab bei dem Jahrestreffen zwei Parolen aus: "Wir wollen mehr als die Hälfte der Gemeinderatssitze erobern!" Seine zweite Botschaft war noch bedeutender: "Ich halte es für wichtig, dass die FWG einen eigenen Bürgermeisterkandidaten stellt!" Mit anderen Worten: Die FWG bläst zum Angriff auf Amtsinhaber Anton Kerle (CSU).


Von der AICHACHER ZEITUNG nach dem offiziellen Teil der Sitzung auf seine eigenen Ambitionen angesprochen, gab sich Güntner sybillinisch: "Dazu kann ich noch nichts sagen. Wir sind im Findungsprozess." Die Gruppierung werde die Öffentlichkeit "in naher Zukunft" informieren.
Zur Erinnerung: Bei den letzten Wahlen im Jahre 2014 unterlag der FWG-Vorsitzende seinem CSU-Kontrahenten überraschend deutlich, mit 41 Prozent zu 59 Prozent. Im Marktgemeinderat sitzen sich gegenwärtig FWG und CSU mit je zehn Sitzen gegenüber, Josef Haltmayr (SPD) ist die dritte Kraft des Gremiums.
Schon gute zwei Stunden zuvor, als Güntner die Versammlung eröffnete, war die Stimmung im Thomastüberl des Kapplerbräu aufgekratzt. Nicht nur, weil der Raum mit rund 40 Personen bis auf den vorletzten Platz gefüllt war. Sondern auch, weil viele auf den Startschuss zum Kampf um den Rathaus-Chefsessel gewartet hatten. Der FWG-Boss scherzte zur Begrüßung: "Wenn so viele Leute kommen, muss wohl etwas Besonderes los sein. Vielleicht eine Kommunalwahl?"
Anschließend ging erst einmal alles seinen gewohnten Gang: Güntner zählte die allgemein bekannten Beschlüsse des Kreistags aus dem vergangenen Jahr auf, zu den neuen Gymnasien, dem geplanten Neubau des Landratsamts oder zur MVV-Tarifreform. Eine persönliche Note erhielt sein Vortrag, als er von der Israelreise einer Kreistagsdelegation vor drei Wochen berichtete: "Das war sehr bewegend für mich. Ich werde nochmals privat nach Israel reisen."
Michael Reiter referierte die wichtigsten Projekte, die im vergangenen Jahr im Marktgemeinderat, im Bauausschuss und im Schulverband verhandelt wurden. Der Baufachmann ließ dabei eine Präferenz in Sachen Klosteracker-Siedlung erkennen: Statt das Areal der Wohnungsbaugesellschaft im Landkreis Dachau (WLD) in Erbpacht zu überlassen, wäre die "bessere Alternative", wenn die WLD einen schlüsselfertigen Wohnkomplex im Auftrag der Kommune errichtet, die damit Besitzer der Anlage bliebe. "Die Konditionen sind zurzeit günstig", begründete Reiter.
Vizebürgermeister Josef "Fips" Wiedmann zählte die zahlreichen Termine auf, die er im Jahr 2018 im Namen der Marktgemeinde besucht hat. Auffällig dabei: Er versagte sich jegliche flapsige Bemerkung, für die er eigentlich berühmt (und beliebt) ist. Ebenso wie die Vokabel "Nachtbürgermeister", mit der ihn Güntner noch angekündigt hatte.
Josef Obeser erzählte von den interessanten Geschehnissen im Wasserzweckverband Weilachgruppe, Manfred Keller legte den Kassenbericht vor (Saldo am 31. Dezember 2018: 6974,14 Euro).
Es folgte der spannende Teil: die Diskussion. Markus Zieglwallner, der bei den vergangenen Wahlen auf einem hinteren FWG-Listenplatz kandidiert hatte, stellte die Gretchenfrage: "Mit welchen strategisch interessanten Themen kann man die Wählerinnen und Wähler im kommenden Jahr mitnehmen?" Er gab drei Stichworte vor: "Verdichtung, Verkehr, Infrastruktur."
Auf der Bürgerversammlung im Maierbräu habe man gesehen, wie sehr diese Fragen die Menschen bewegten, erinnerte Zieglwallner. Wolfgang Henkel griff den Gedanken auf: "Ich vermisse ein Ortsentwicklungskonzept. Nicht nur im Hauptort, sondern auch in den Dörfern." Mitten in vielen Ortschaften gäbe es Flächen, die landwirtschaftlich nicht mehr genutzt werden und auf denen irgendwann einmal gebaut wird. Der Pipinsrieder weiter: "Die Gemeinde muss dafür schon jetzt Konzepte entwickeln, um nicht überrascht zu sein, wenn ein Investor eines Tages Mehrgeschossgebäude in die Lücken hinsetzen will." So wie im vergangenen Jahr am Vogelgarten.
Güntner brachte das Stichwort "Bürgerbeteiligung" ins Spiel, nahm es aber sogleich wieder zurück: "Wir müssen zuerst intern einiges gerade rücken." Dann griff er ein weiteres heißes Eisen auf: das Wahlverfahren der FWG zur Bestimmung der Listenplätze. Allerdings nur sehr vorsichtig: "Wir müssen überlegen, ob wir es so beibehalten." Bekanntlich wurden vor fünf Jahren die wenigen Frauen, die sich engagieren wollten, wegen des umstrittenen Blockbildungsverfahrens auf hinterste Plätze abgeschoben. So kam es, dass die FWG mit einer einzigen Frau, Elisabeth Glas, vertreten ist - die CSU stellt immerhin zwei Vertreterinnen, Maria Riedlberger, mittlerweile Ortsvorsitzende, und Martina Englmann. Als unsere Zeitung im Nachfeld nachhakte, ob die FWG eine Frauenquote erwäge, wich Güntner aus: "So weit sind wir noch nicht."

Ende März/Anfang April soll im Thomastüberl eine öffentliche Veranstaltung für politisch Interessierte, die eine Gemeinderatskandidatur erwägen, über die Bühne gehen. Dabei geht es laut FWG-Chef Hubert Güntner um Fragen wie: Wie sind die Freien Wähler aufgebaut? Welche Aufgaben und Kompetenzen hat ein Gemeinderatsmitglied? "Jeder, der kandidiert, muss sich sicher sein, dass er sich bei uns wohlfühlt", betonte Güntner. Ende Oktober/Anfang November wird dann im Kapplerbräusaal die große Nominierungsveranstaltung zelebriert. Stichwort Frauenquote: "So weit sind wir noch nicht"

Von Horst Kramer


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Veröffentlicht am 08.02.2019 23:00 Uhr




 

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