Altomünster    

Weltumspannende Deutsche Romantik: Eumwa 2018

Markt Indersdorf - Die Gesichter der drei Sängerinnen und neun Sänger strahlten. Und die ihrer beiden Lehrer auch. Warum? Weil sie überschüttet wurden mit Beifall und Jubel ihrer rund 100-köpfigen Zuhörerschaft. Der Ort des Geschehens: der stimmungsvolle Barocksaal des Kloster Indersdorf. Der Anlass: das Eröffnungskonzert zum Europäischen Musikworkshop Altomünster 2018, kurz: Eumwa.

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Fast drei Stunden lang (abzüglich einer langen Pause) hatten die zwölf jungen Künstler, allesamt Studenten am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg, ihr Können gezeigt - in einem der schwierigsten Genre des Gesangs, dem Deutschen Romantischen Kunstlied und deren vielleicht schönster Variante, den Liedern Robert Schumanns (1810-1856). Angeleitet von Eumwa-Initiator und Schumann-Botschafter Markus Kreul am Flügel und gecoacht vom Augsburger Professor und Eumwa-Dozenten Dominik Wortig, ebenfalls ein ausgewiesener Schumann-Experte.
Eine Besonderheit des Konzerts: Die Sängerinnen und Sänger stammen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt: Vier kommen aus Südkorea, zwei aus China, je einer aus Taiwan und Brasilien sowie die restlichen vier aus Bayern.
Allen gemeinsam: Eine fühlbare Begeisterung, eine tiefe Empathie für die Botschaften des romantischen Genies Robert Schumann und für die Texte von Joseph von Eichendorf (Liederkreis op. 39), Justinus Kerner (Liederreihe, op. 35.), Friedrich Rückert und Heinrich Heine (Myrthen, op. 25).
Kreul und Wortig hatten den populären Eichendorffschen Liederkreis an den Anfang des Abends gestellt. Dem taiwanesischen Bariton Jun Ting Wan fiel die schwierige Aufgabe zu, das Konzert zu eröffnen. Passenderweise mit dem Lied "In der Fremde" - womöglich einer der Gründe für die Dramaturgie der Dozenten. Indes dem Taiwanesen gelang das Kunststück, zusammen mit den beiden folgenden Sopranistinnen, der Koreanerin Hyunju Kim und Julia Heiler, das Auditorium sofort in die ferne und doch so nahe Welt des 19. Jahrhunderts zu entführen: Jun Ting durch einen einfühlsamen, weichen, tragenden Ton, Hyunju durch ein glockenhelles "Intermezzo", und Heiler durch einen dramatisch-intensiven Vortrag des "Waldgesprächs" (eine Eichendorffsche Erlkönig-Variante) - vermutlich wird man Heller eines Tage auf einer Opernbühne sehen.
Der junge koreanische Tenor Wanting Li fiel durfte das Signaturstück des Liederkreises, "Die Mondnacht", interpretieren - ein Aufgabe, die er mit großer Sensibilität meisterte. Dass Wanting zudem über ein geradezu italienisches (wahlweise: argentinisches) Temperament verfügt, bewies er später im "Wanderlied (op. 35, III).
Als zwei weitere außergewöhnliche Talente erwiesen sich die Münchner Sopranistin Natalija Radosavljevic und der koreanische Bass-Bariton Jinuk Kim. Beide verfügen über eine von Können getragene Ausstrahlung, die das Publikum sofort in den Bann zog. Radosavljevic erst als "Schöne Fremde" (op. 39/VI), später im "Duett"(op. 78, 1) mit dem bekannten Münchner Tenor Moritz Kugler (Gärtnerplatz-Theater, Theater Augsburg), der mit seinen 28 Jahren der "Routinier" unter den Vortragenden war und das Auditorium durch seine Musizierlust mitriss.
Zurück zu Jinuk Kim: Der junge Koreaner überzeugte durch seine Modulationsfähigkeit, sein präzises Volumen und eine beeindruckende Präsenz. Es war kein Zufall, dass Kreul ihn für die Zugabe nach vorne bat, Jinuk Kim wird seinen Weg wohl noch auf viele Bühnen finden.
Doch auch die Baritone Matthias Lika (mit einem ergreifenden "Zwielicht"), Songheon Kim (mit schmelzender "Wehmut"), der brasilianische Tenor Ian Spinetti (der schmachtende Blicke der Damen auf sich zog) und sein lyrisch-empfindsamer koreanischer Stimmlagenkollege Jeayoun Kim bewiesen großes Potenzial. So lange der Abend auch währte, hätte man doch von allen gerne mehr als nur eine Kostprobe gehört.
Ein wichtiger Grund, warum sich die jungen Künstlerinnen und Künstler auf dem Indersdorfer Terrain sichtlich wohl fühlten, war die kluge und sensible Begleitung durch Markus Kreul am Klavier. Ihm genügten wenige Töne, um den Raum zu verzaubern und seinen Eleven einen sicheren Pfad durch die teilweise enorm schwierigen Stücke vorzugeben. "Schumann wird offenbar überall verehrt", konstatierte hinterher beglückt einer der Zuhörer. "Dass in diesen dissonanten Zeiten die Deutsche Romantik musik-begeisterte Menschen aus der ganzen Welt verbindet, stimmt doch hoffnungsvoll." "Schumann wird offenbar überall verehrt"

Von Horst Kramer Die Eumwa-Konzerte gehen zwischen Dienstag, 3. April, und Samstag, 7. April, in Altomünster und Dachau über die Bühne.

3. April, 19.30 Uhr: Kammerkonzert, Gewölbekeller der Sparkasse Altomünster.
4. April, 19.30 Uhr: Meisterkonzert, Schloss Dachau.
5. April, 17.30 Uhr: Abschlusskonzert Workshop, Evangelisches Gemeindezentrum Altomünster.
5. April, 19.30 Uhr: Abend der Begegnung mit David Frühwirth, Gewölbekeller der Sparkasse Altomünster.
6. April, 19.30 Uhr: Kammerkonzert, Gewölbekeller der Sparkasse Altomünster.
7. April, 19.30 Uhr: Abschlusskonzert, Evangelisches Gemeindezentrum Altomünster.

Der Eintritt bei allen Veranstaltungen ist kostenfrei. Detaillierte Informationen unter www.eumwa.de.
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Veröffentlicht am 21.05.2018 00:00 Uhr




 

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