Altomünster    

"Ich hasse das Wort Krebs"

Altomünster - Es war der 6. März 2015. Ein Freitag. Der Tag, den Evi Riener aus Altomünster vermutlich nie mehr vergessen wird. Der sich für immer in ihr Gedächtnis eingebrannt hat. Es war der Tag, an dem sie die erschütternde Diagnose bekam: Brustkrebs. Viel hat sie seither über ihr Leben nachgedacht und einiges verändert. Jetzt gründet sie eine Selbsthilfegruppe.

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Über zwei Jahre sind seit Feststellung der Erkrankung vergangen. An den "Stichtag", wie sie selbst jenen Freitag nennt, erinnert sich die 64-Jährige noch im Detail. In der Frauenarztpraxis wird eine Ultraschalluntersuchung gemacht. Das "schwarze Loch" auf dem Bildschirm sieht sie selbst, die Ärztin sagt: "Es sieht nicht gut aus, vereinbaren Sie einen Termin beim Radiologen." Und schickt sie nach Hause. Evi Riener verlässt die Praxis, setzt sich auf eine Bank und heult erstmal. Die Erinnerung ist so stark, dass ihr noch heute Tränen in die Augen steigen, wenn sie zurückdenkt und versucht, ihre Gefühle in Worte zu fassen: "Es war, wie wenn das Licht ausgeschaltet wird; die Welt ist dunkel, der Vorhang geht zu. Es ist so endgültig, vergleichbar mit einem Trauerfall. Man weiß, es wird nie mehr so sein wie vorher."
Dass sie in diesem schweren Moment, dem wahrscheinlich schwersten in ihrem Leben, komplett allein gelassen wird, hängt ihr heute noch nach. "Man hätte mich doch wenigstens nach Hause fahren können", hätte sich Evi Riener gewünscht. So aber muss sie den ersten Schock allein verarbeiten. Ihren Ehemann wollte sie nicht anrufen, "er war in der Arbeit". Erst am Abend vertraut sie sich ihm an, er nimmt sie in den Arm und versichert, ihr beizustehen.
Der Radiologe bestätigt die Diagnose, entnimmt mehrere Gewebeproben und rät zu einer Operation mit anschließender Bestrahlung. Bereits Mitte April liegt Riener auf dem OP-Tisch, der circa 0,5 Zentimeter große Knoten in der linken Brust wird in der Münchner Taxisklinik entfernt. Es folgt eine Strahlentherapie in Augsburg und Reha in Isny.
Heute würde sie es anders machen, erst einmal zur Ruhe kommen, eine Selbsthilfegruppe besuchen, einen Psycho-Onkologen aufsuchen, "die richtigen" Bücher lesen und alles etwas langsamer angehen. "Man muss in den meisten Fällen nicht sofort operiert werden. Man kann sich Zeit lassen und braucht sich nicht hetzen lassen", weiß die Tumorpatientin heute. So nennt sie sich und die Betroffenen. "Das Wort Krebs hasse ich."
Die Selbsthilfegruppe in Altomünster trifft sich zum ersten Mal am Mittwoch, 20. September, um 17 Uhr in der Raiffeisenbank (Bahnhofstraße 15); dann finden die Treffen jeden dritten Mittwoch im Monat im Seminarraum 1 der Vhs Altomünster (Eingang Jögerring) von 17 bis 19 Uhr statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Nähere Infos gibt es bei Evi Riener, Telefon 0162/525 19 98, E-Mail riener2013@aol.de. "Scheitern heißt, Tag für Tag das zu tun, was einen unglücklich macht"

Von Tanja Marsal Lesen Sie den ganzen Artikel in der Montagsausgabe der Aichacher Zeitung.


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Veröffentlicht am 20.08.2017 23:00 Uhr




 

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