Aichach    

Sein Buch soll Mut machen

Frankfurt/Main – Unter den vielen Autoren auf der gerade laufenden Frankfurter Buchmesse ist der Aichacher Raphael Müller einer der ungewöhnlichsten. Der 15-jährige Junge hat das frisch veröffentlichte Buch „Ich fliege mit zerrissenen Flügeln“ geschrieben. Es trägt autobiografische Züge – Raphael hat vor seiner Geburt einen schweren Hirnschaden erlitten. Das macht ihn zwar zum Behinderten, aber nicht zu einem Menschen, der nicht so viel leisten kann wie die „Normalen“.

<p>Sein Buch soll Mut machen </p>

Die Mitarbeiterin am Stand des Fontis-Verlags, einem Ableger des christlich geprägten Gießener Brunnen Verlags, ist zunächst skeptisch: Raphael reist zwar an diesem Tag aus Aichach an, aber vermutlich wird er wegen der Strapaze nicht mehr an den Stand kommen. Vielleicht lässt es sein Allgemeinzustand überhaupt nicht zu. Einige Stunden später sind die beiden doch da. Raphael sitzt gelähmt im Rollstuhl. Er kann aufgrund der Folgen eines vorgeburtlichen Schlaganfalls nicht sprechen, ist Epileptiker und atypischer Autist. Sich und seine Umwelt nimmt er mitunter nur verschwommen wahr.

Umgekehrt hat Raphael beeindruckende Begabungen: Er lernt sehr schnell, kann Inhalte schnell erfassen, gut Fremdsprachen lernen und hat auch eine besondere Begabung für Mathematik. Sein Gedächtnis ist ausgesprochen gut. Beim Schreiben drückt er sich oft in Gedichtform aus. Das ist seine Art der Welterklärung, und Gereimtes kann er sich zudem besser merken, denn er hat nicht immer gleich einen Helfer, um seine Gedanken auszudrücken.

Den Besuch der Buchmesse hat sich Raphael kürzlich zum Geburtstag gewünscht. Trotzdem die nahe liegende Frage: Ist Raphael also doch fit genug, die Messe zu besuchen? Seine Mutter ergreift seine rechte Hand; Raphaels Blick geht erst mal in die Weite, dann tippt er mit dem Zeigefinger auf einem i-Pad: „Mir geht’s super. Ich habe im Auto geschlafen.“ Das Verfahren heißt „Gestütztes Schreiben“ und wird häufig bei Autisten angewandt. Raphael schreibt zwar nicht mit jedem, aber inzwischen mit vielen Leuten, darunter auch einigen seiner Therapeuten. In dem Buch steht, dass Raphael mit Hilfe seiner Stützer schon Dinge getippt hat, von denen nur er selbst wissen konnte. Seinen Schreibfehlern und Wortneuschöpfungen bleibt er auch bei unterschiedlichen Stützern treu.

Also geht das „Interview“ mit Raphael weiter. Wie gefällt es ihm auf der Buchmesse? „Ich finde es obercool hier. Es tut gut, Feedback zu bekommen. Und es ist schön, die Leute vom Verlag zu treffen.“ Nach einer kleinen Pause fügt er hinzu: „Die Mutter von Samuel Koch hat uns angesprochen… und noch ein paar Leute.“ Samuel Koch ist seit einem Unfall in der Show „Wetten dass“ querschnittsgelähmt.

Wird sich Raphael auf der Messe umsehen, oder muss er die ganze Zeit am Stand bleiben? „Beides. Bin neugierig.“ Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er allerdings nur den Weg vom Parkplatz durch die Halle 3 zum Fontis-Verlag zurückgelegt. Um in den Messehallen herumzufahren, braucht er einen Begleiter.

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Veröffentlicht am 22.05.2015 23:01 Uhr




 

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